23.2.2018
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Industrie täuscht mit eigener Ampel

Es ist eine Kampfansage der Lebensmittelriesen Unilever, Pepsi, Mondelez, Nestlé, Mars und Coca-Cola: Sie wollen ihre eigene Ampelkennzeichnung für den Zucker-, Fett- und Salzgehalt in Lebensmitteln durchsetzen, weil die Forderung nach der „echten“ Ampel von Verbraucherverbänden, Krankenkassen und Ärzteverbänden wieder lauter wird.

Kurzer Rückblick: Vor einigen Jahren hätte die Ampelkennzeichnung EU-weit eingeführt werden sollen. Sie würde auf denkbar einfache Weise Klarheit auf den ersten Blick verschaffen: Schon auf der Vorderseite der Verpackungen würde der Zucker-, Fett- und Salzgehalt einheitlich pro 100 Gramm angegeben und mit Ampelfarben zusätzlich die Gehalte als hoch (rot), mittel (gelb) und niedrig (grün) gekennzeichnet. Nur so ist ein Vergleich zwischen Produkten möglich. Die Lebensmittelindustrie hatte dies mit allen Lobbying-Mitteln verhindert. Nach eigenen Angaben kosteten sie die Abwehr und die Einführung eines eigenen Kennzeichnungsmodells eine Milliarde Euro.

Was ist der Unterschied?

Um Forderungen nach der „echten“ Ampel endgültig den Garaus zu machen, soll die „Industrie-Ampel“ durchgedrückt werden. Die sechs Konzerne wollen dabei die Angaben auf „Portionsgrößen“ eines Produkts beziehen – nicht auf 100 Gramm. Das Problem dabei: Je kleiner eine eher willkürlich festgesetzte Portion, desto weniger Zucker, Salz oder Fett kann in dieser Portion drin sein und desto weniger rote Ampeln erscheinen. Das Beispiel Nutella macht die Folgen dieses „Tricks“ deutlich.

Am Bei-spiel von Nutella wird der Unterschied der Ampeln deutlich © Grafik: Foodwatch


Der Brotaufstrich besteht zu 90 Prozent aus Fett und Zucker. Niemand will Nutella deshalb verbieten – aber die Konsumenten sollten wissen, dass es alles andere als ein gesundes Lebensmittel ist. Doch bei der Industrie-Ampel verschwinden – Simsalabim! – alle roten Punkte der echten Ampel und gaukeln mit dem faulen Portionszauber eine ausgewogene Ernährung vor.

Aus Rot mach Gelb

Wie dreist die Konzerne mit ihrer eigenen Ampel vorgehen, zeigt die deutsche Verbraucherorganisation Foodwatch auf: mit reinem Zucker. Eigentlich klar, da muss der Zuckergehalt sehr hoch sein. Verkauft ein Hersteller ein Stück Kandiszucker jedoch als kleines Bonbon, würde die Industrie-Ampel nur auf Gelb stehen! Man fragt sich, was kommt als Nächstes? Salz, das als salzfrei gekennzeichnet wird? 


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