23.02.2017
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Kinderbetreuungsatlas für Vorarlberg

Als besonderen Service stellt die AK Vorarlberg erstmalig einen Online-Betreuungsatlas für Vorarlberg zur Verfügung. Durch einfaches Navigieren erfahren Interessierte mehr über die Betreuungseinrichtungen für Kinder von 0 bis 6 Jahren.

„Berufstätige Eltern befinden sich heute schon oft am Rande ihrer Belastbarkeit. Es ist ein täglicher Balanceakt zwischen steigenden Anforderungen im Beruf und den Bedürfnissen der Kinder und Familie“, sagt AK Präsident Hubert Hämmerle. „Der Betreuungsatlas schafft nicht nur Überblick, er bietet umfassende Informationen zu allen Betreuungseinrichtungen im elementarpädagogischen Bereich“, so der Leiter des Projekts, Gerhard Ouschan.

Kinderbetreuung in Vorarlberg © Grafik und Quelle: AK Vbg., depositphotos.com

246 Kindergärten, 122 (Klein)Kinderbetreuungen und 60 Spielgruppen wurden nicht nur hinsichtlich Öffnungszeiten und Schließtagen befragt, die Projektverantwortlichen legten auch Wert darauf, in erster Linie ein Instrument für Eltern zur Verfügung zu stellen, das auch einen Vergleich zwischen den Einrichtungen ermöglichen soll. 

Neben organisatorischen und strukturellen Fragen richtet sich das Hauptaugenmerk auch auf qualitative Aspekte. Die qualitativen Fragestellungen orientieren sich am bundesländerübergreifenden Bildungsrahmenplan für die elementaren Bildungseinrichtungen in Österreich. Selbstverständlich erfüllt das vorliegende Projekt nicht den Anspruch, sämtliche Aspekte der Kinderbetreuung zu erfassen und die daraus resultierenden Daten zu veröffentlichen. Dennoch ist es gelungen, die wichtigsten Themenfelder aufzugreifen und in ein informatives Nachschlagewerk zu gießen. 

Was und wie wurde erhoben?

Grundlage für den Kinderbetreuungsatlas (KB-Atlas) sind die Daten der Kindertagesheimstatistik 2016. Themenschwerpunkte der Erhebung waren

  • Kontakt- und Strukturdaten
  • Angebotene (bewilligte) Betreuungsplätze
  • Betreuungsalter der Kinder
  • Beschäftigungsnachweis als Betreuungsvoraussetzung
  • Betreuungszeiten, Mittagessen
  • Schließzeiten und -tage
  • Qualitätsmerkmale
  • Umgang mit den Themen Inklusion, Geschlechtssensibilität, Partizipation und Transparenz
  • Aspekte ganzheitlichen Lernens 

Mehr als 71 Prozent der 428 Einrichtungen für den elementarpädagogischen Bereich haben sich an der Erhebung beteiligt. Eine Quote, die bereits in der ersten Auflage des KB-Atlas der AK eine realistische und informative Übersicht zur Betreuungssituation in Vorarlberg ermöglicht. Die Statistik-Abteilung des Landes Vorarlberg hat Organisationsdaten aus der Kindertagesheimstatistik (KTHST) zur Verfügung gestellt, wodurch eine Darstellung sämtlicher Einrichtungen hinsichtlich der wichtigsten strukturellen Daten möglich wurde, auch jener, die sich an der Erhebung für den KB-Atlas nicht beteiligt haben. „Wir hoffen natürlich, dass wir auch jene Einrichtungen zur Teilnahme motivieren können, für die wir aktuell „nur“ die Organisationsdaten auswerten konnten“, zeigt sich Ouschan für die künftige Entwicklung des Projekts optimistisch. 

„Ohne die Mitarbeit der Einrichtungen der Vorarlberger Elementarpädagogik hätte dieses Projekt nicht den vorliegenden Informationsumfang. Deshalb möchten wir uns bei allen Einrichtungen, die uns ihre Daten und Informationen zur Verfügung gestellt haben, sehr bedanken“, zeigt sich Ouschan von der Kooperationsbereitschaft der Einrichtungen erfreut. 

Auswertung und Dokumentation

Die Ergebnisse der Auswertung zum KB-Atlas stehen in einer Dokumentation zum Projekt zur Verfügung. Diese Dokumentation bietet neben umfangreichen Analysen auch Hintergrundinformationen zu wichtigen Querschnittsthemen wie beispielsweise der demografischen Entwicklung, welche für die Planung, Optimierung, Finanzierung und selbstverständlich auch für die Qualitätsentwicklung von Bedeutung sind. 

Erhebung wirft auch Fragen auf

Selbstverständlich wurden auch die Ergebnisse der Erhebung ausgewertet. Auch wenn in den letzten Jahren sehr viel in den Ausbau der Kinderbetreuung investiert wurde, lässt sich unschwer erkennen, dass es noch sehr viel zu tun gibt. „Fehlende oder mangelhafte Kinderbetreuung erschwert vielen Frauen den Wiedereinstieg bzw. eine gewünschte Vollbeschäftigung, was der KB-Atlas auch klar offenlegt“, sagt Gerhard Ouschan, der nicht nur den flächendeckenden Ausbau der Kinderbetreuung fordert, sondern auch den Ausbau von verschränkten Ganztagsangeboten in der Volksschule.

„Eine Flexibilisierung der Arbeitszeit bedeutet auch eine Auseinandersetzung mit Rahmenbedingungen dazu. Derzeit ist es für viele Alleinerziehende schon jetzt schwer, die Kinderbetreuung mit ihren Arbeitszeiten in Einklang zu bringen“, sagt AK Präsident Hubert Hämmerle. „Auf 12-Stunden Arbeitstage sind unsere Kinderbetreuungseinrichtungen nicht einmal theoretisch eingestellt, abgesehen von der Zumutbarkeit für die Kinder“, verweist Hämmerle auf den Vereinbarkeitsindikator für Familien (VIF), der für 8-Stunden Arbeitstage entwickelt wurde und ebenfalls im Projekt ausgewertet wurde. Demnach erfüllen lediglich 26 Prozent der Einrichtungen die Kriterien, die notwendig sind, damit eine institutionelle Kinderbetreuung eine Vollbeschäftigung ermöglicht. 

Die VIF-Kriterien sind:

  1. Mindestens 45 Stunden wöchentliche Öffnungszeit, von Montag bis Freitag
  2. Vier Tage pro Woche muss die Einrichtung mindestens 9,5 Stunden täglich geöffnet sein, damit bei einer Vollbeschäftigung auch der Weg von Zuhause zur Betreuungseinrichtung sowie weiter zur Arbeit und retour möglich ist.
  3. Mittagessen zumindest Montag bis Donnerstag
  4. Die Betreuungseinrichtung darf pro Jahr höchstens 25 Betriebstage geschlossen haben

 

VIF-Kriterien © Grafik: Keystone Quelle: AK-Erhebung 2016, depositphotos.com

 

Die VIF-Übersichtskarte zeigt ganz eindeutig, dass ein neues Denken für den Bereich Kinderbetreuung notwendig ist, wenn für Familien die Wahlfreiheit für Vollbeschäftigung tatsächlich erreicht werden soll. Und nicht nur bis zum sechsten Lebensjahr der Kinder. „Wir benötigen den Ausbau von Ganztagesbetreuungsformen inklusive eines kostengünstigen und gesunden Mittagessens, verlässliche Kinderbetreuung auch in Ferienzeiten bzw. mit dem gesetzlichen Urlaubsanspruch erwerbstätiger Eltern kompatible Ferienschließzeiten, sagt Gerhard Ouschan, Leiter des AK-Bildungsbereichs. 

Dabei muss mehr auf Kooperationen zwischen Gemeinden und auch Firmen gesetzt werden. Regionen und Gemeindeverbünde sollen künftig die Kriterien des VIF erfüllen und den Familien vernünftige Angebote stellen. „Dazu ist auch politische Kreativität gefragt. Nicht die Einrichtung im eigenen Ort soll der Imagefaktor sein, sondern das Angebot das den Einwohnern gestellt wird, so Ouschan. 

„Die vielen wertvollen Gespräche mit den Einrichtungen aber auch mit Eltern haben aus dem Vorhaben „KB-Atlas“ ein Lernprojekt gemacht, dessen Architektur und Ergebnis von allen Beteiligten geprägt ist, so Ouschan abschließend. 

Forderungen

Die wichtigsten Forderungen der AK Vorarlberg:

  • Bedarfsgerechte Ganztagesbetreuungsangebote, die dem Vereinbarkeitsindikator (VIF) entsprechen, auch über Gemeindegrenzen hinweg 
  • Wahlfreiheit für Eltern bei der Auswahl der Kinderbetreuung – Auflösung der Sprengel 
  • Wertschätzende Anerkennung der elementarpädagogischen Arbeit


 

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