Kind liest mit Lupe in einem Buch © Oksana Kuzmina, stock.adobe.com
Kindliche Sehschwächen beinflussen auch das Lernen © Oksana Kuzmina, stock.adobe.com

Kinderaugen & Lernen

Besser sehen – besser lernen

Für Pädagoginnen und Pädagogen

Verborgenes sichtbar machen

Rund ein Drittel der 4800 Erstklässler, die seit Anfang September Vorarlbergs Volksschulen bereichern, ist fehlsichtig. Augenärzte wie der Bludenzer Dr. Martin Tschann haben im Auftrag der AK eine Broschüre geschrieben, die Lehrerinnen und Lehrern hilft, Probleme frühzeitig festzustellen.

Wenn man ihn persönlich fragt, muss Tschann schmunzeln: Der 53-jährige Mediziner trägt seit Kindertagen eine Brille – und: „Ich liebe sie.“ Auch seiner Frau und seinen beiden Buben fehlt ohne Sehbehelfe der totale Durchblick. Aber schlimm ist das nicht, auch nicht für Kinder. „Das Problem liegt mehr bei den Eltern“, sagt Tschann. „Dabei ist Fehlsichtigkeit keine Krankheit und eine Brille kein Makel.“ Im Gegenteil: „Das Kind gewinnt ja.“

Meist erst in der Schule

Aber wie kommt man drauf? Die Schule ist der Ort, der Fehlsichtigkeit meistens ans Licht bringt. Der betroffene ABC-Schütze kneift die Augen zu, blinzelt vermehrt, reibt sich die Augen und ermüdet schnell. „Solche Kinder mögen nicht lesen.“ Aber nicht, weil sie lernunwillig sind, sie sehen einfach die Buchstaben verschwommen.

Höchste Zeit, zum Augenarzt zu gehen. Aber bei den Wartezeiten? „Das geht in der Regel problemlos. Kinder kriegen immer einen Termin.“ Oft werden Fehlsichtigkeiten ja vererbt. Bei einem Kind, dessen beide Eltern kurzsichtig sind, ist die Wahrscheinlichkeit, selber auch kurzsichtig zu werden, um den Faktor sechs höher. Etwa jedes dritte sechsjährige Schulkind kämpft mit Sehproblemen. Diese Zahl nimmt zu. „Bis zur Matura braucht dann meist jeder zweite Jugendliche Brille oder Kontaktlinsen.“ Warum ist das so? „Unsere Lebensführung hat Schuld“, sagt Tschann und meint damit nicht nur, aber auch chronischen Smartphone-Gebrauch.

Brille oder Kontaktlinsen?

Stichwort Brille oder Kontaktlinsen: „Grundsätzlich ist beides möglich.“ Dennoch rät Tschann dazu, Kontaktlinsen erst nach der Pubertät einzusetzen. Denn sie müssen gepflegt werden. „Wenn Brillen nicht gepflegt werden, putzt man sie halt wieder.“ Eine ungepflegte Kontaktlinse jedoch erhöht das Risiko einer Hornhautentzündung. Während Bindehautent­zündungen eben wieder abklingen, kann eine lädierte Hornhaut dauerhafte Schäden zur Folge haben.
Die Broschüre wird Pädagoginnen und Pädagogen am 7. Oktober in der AK in Feldkirch vorgestellt. Das 48 Seiten starke Heft bietet unzählige Tipps, leicht einsetzbare Tests und Infos für Kinder.



Broschüre

Kinderaugen & Lernen

Hinweis

Die AK Vorarlberg arbeitet mit der Österreichischen Ophthalmologischen Gesellschaft (ÖOG) zum Thema „Kinderaugen & Lernen“ eng zusammen. Wir wollen gemeinsam Bewusstsein dafür schaffen, dass kindliche Sehschwächen häufig falsch interpretiert werden. Sie werden oft zu spät oder im schlimmsten Fall gar nicht entdeckt. Die Folge ist, dass diese Kinder große Probleme beim Lesen haben. Denn gutes Sehen und Lernen hängen ursächlich zusammen. Eine unentdeckte Sehschwäche kann sowohl für das betroffene Kind und seine Eltern, aber auch im Unterricht eine Reihe von Problemen z. B. beim Lesen verursachen. Oftmals werden die Probleme nicht mit dem Thema „Sehen“ in Zusammenhang gebracht. Aber ohne Lesekompetenz ist eine qualifizierte Aus- und Weiterbildung nur schwer möglich und beeinträchtigt das ganze weitere Leben. Mit dieser Broschüre wollen wir PädagogInnen über dieses Thema informieren und ihnen helfen, bei Kindern mit Lese- oder Lernproblemen mögliche Augenfehlstellungen zu erkennen. PädagogInnen leisten dadurch einen wichtigen und wertvollen Beitrag für die Lebensqualität der Kinder. 

Die vorliegende Broschüre beleuchtet das Thema „Augen – Sehen – Lernen“ näher, um den Blick der Lehrerinnen und Lehrer für eine mögliche visuelle Problematik bei Schülerinnen und Schülern zu schärfen und ihnen konkrete Hilfestellungen an die Hand zu geben. Sie wurde von einem interdisziplinären Team erarbeitet und wendet sich an Pädagoginnen und Pädagogen für Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren.

Kontakt

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