Berufsorientierungsmappe My future © Bildmontage AK © Leszek Czerwonka, denisismagilov, contrastwerkstatt – stock.adobe.com + Vadymvdrobot – depositphotos.com
My future Mappe © Bildmontage AK © Leszek Czerwonka, denisismagilov, contrastwerkstatt – stock.adobe.com + Vadymvdrobot – depositphotos.com

Berufsorientierung mit „My future“ und „My future+“

Jedes Jahr sollen rund 3000 Vorarlberger Schüler der siebten und achten Schulstufen die Weichen für ihre berufliche Zukunft stellen – und stehen damit vor einer Entscheidung mit weitreichenden Auswirkungen: Soll ich eine weiterführende Schule besuchen, in die Oberstufe eines Gymnasiums wechseln oder einen Lehrberuf ergreifen?
 

Deshalb engagierte sich die AK Vorarlberg für die Einführung des Berufsorientierungsunterrichts. Im Schuljahr 1998/99 wurde er erstmals in den dritten und vierten Klassen der Hauptschulen umgesetzt. 

Berufsorientierungsmappe My future © Bildmontage AK © Leszek Czerwonka, denisismagilov, contrastwerkstatt – stock.adobe.com + Vadymvdrobot – depositphotos.com

Berufs­­orien­tierungs­mappe "My future"

Mit der Berufs­orientierungs­mappe „My future“ liefert die AK Vorarlberg nun fundiertes Material für den Unterricht: Unter dem Motto „Erkenne dich selbst“ werden die Schüler in einem Prozess motiviert, sich ihrer Stärken und Fähigkeiten, aber auch ihrer Grenzen bewusst zu werden. Dazu finden unter Anleitung der Berufs­orien­tierungs­lehrerInnen z. B. Gruppen­arbeiten in der Klasse statt. Auch Eltern und Freunde werden eingebunden und Fähigkeiten mit Übungen, in Gesprächen und Diskussionen erprobt. Und mit einem selbstständig durchgeführten kleinen Projekt können sich die Jugendlichen schrittweise ihrem Ziel annähern und gleichzeitig völlig neue Erfahrungen sammeln. Denn schließlich soll der Wunschberuf für möglichst viele auch tatsächlich zum Traumberuf werden.

„Die Mappe ist eine ideale und zeitgemäße Unterrichtsunterlage“, freut sich der Bildungsverantwortliche der AK Vorarlberg, Gerhard Ouschan. „Methodisch und didaktisch durchdacht, können wir den Jugendlichen damit eine brauchbare Hilfestellung in der immer komplexer werdenden Berufswelt anbieten.“

Die Mappe bildet wesentliche Teile des Lehrplanes ab und hier vor allem die Entdeckung der eigenen Fähigkeiten, Wünsche, Interessen und Neigungen als Basis für die weitere Informationsgewinnung. Als Grundlage für einen modernen und stärkenorientierten Berufsorientierungsunterricht in der 7. und 8. Schulstufe ermöglicht sie die Anwendung in den verschiedenen Umsetzungsformen. 

Die Inhalte der AK Vorarlberg „My future“ Mappe stellen eine Weiterentwicklung der gleichnamigen Unterrichtsmaterialien der AK Tirol dar, die von Experten (Mag. Bernhard Hungsberger und Gerhard Schild) entwickelt wurde. Für Lehrer, die Berufsorientierung unterrichten, wurde zusätzlich ein begleitendes Handbuch zur „My future“-Mappe erstellt.

Mit My future+ zur Berufsentscheidung © Bildmontage AK © Leszek Czerwonka, denisismagilov, contrastwerkstatt – stock.adobe.com + Vadymvdrobot – depositphotos.com

Mit "My future+" zur Berufsentscheidung

Aufgrund der großen Nachfrage bietet die AK Vorarlberg seit dem Schuljahr 2016/2017 eine Weiterentwicklung der Berufsorientierungsmappe My future+  – Schritt für Schritt zur Berufsentscheidung“ für den Einsatz in der 9. Schulstufe an. Die Mappe ermöglicht die Entdeckung der eigenen Stärken, Interessen und Werte für eine weitere Informationsgewinnung. Die Mappen-Inhalte wurden für den Einsatz in der 9. Schulstufe optimiert, um einen modernen und stärkenorientierten Unterricht zu ermöglichen. Mit der neuen Mappen-Version verfolgt die AK Vorarlberg das Ziel für Jugendliche, egal ob sie die Mappe bereits kennengelernt haben oder noch nicht, eine Unterstützung bei der Ausbildungs- und Berufswahl zu ermöglichen. Methodisch und didaktisch durchdacht werden Möglichkeiten angeboten, wie man gemeinsam mit den Jugendlichen deren Wunschvorstellungen auf Basis der eigenen Interessen und Stärken konkretisieren kann.

Hinweis

Termine für den nächsten Workshop werden Anfang 2019 bekannt gegeben.

Mappen

Das Formular für Bestellungen in Klassenstärke für das Schuljahr 2019/2020 wird Anfang 2019 online verfügbar sein.

Facts

50 Schulen arbeiten schon mit den neuen Unterrichtsmateralien für Berufsorientierung (36 
Mittelschulen, neun polytechnische Schulen, zwei Gymnasien und drei „Schwerpunktschulen“). 

3300 Schülerinnen und Schüler arbeiteten im letzten Schuljahr mit den „My future / My future+“- Mappen im Unterricht.

120 Lehrpersonen besuchten in den letzten Jahren die Einführungs-Workshops mit Bernhard Hungsberger.

„Die Mappe ist eine ideale und zeitgemäße Unterrichtsunterlage“

Gerhard Ouschan

Bildungsverantwortlicher der AK Vorarlberg

Wie kommen Lehrende zu den Mappen?

Lehrende die mit der „My future“-Mappe oder „My future+“-Mappe arbeiten möchten, nehmen an einem der 4-stündigen Workshops teil, der jährlich von der AK Vorarlberg angeboten wird. Die Mappen können für das Schuljahr 2018/2019 bis 16. März 2018 bestellt werden. In den letzten beiden Schulwochen des laufenden Schuljahres werden die bestellten Mappen ausgeliefert. Voraussetzung: Mindestens eine BO-Lehrperson muss am Einführungsworkshop teilgenommen haben. 

Anmeldung zum Workshop

Der Workshop-Termin für den Einsatz der BO-Mappe „My future“ im Schuljahr 2018/2019:

Dienstag, 19. Juni 2018 – My Future (für die 7. Schulstufe) und My Future+ (für die 9. Schulstufe / PTS)
Ort: AK Vorarlberg, Feldkirch, Widnau 2-4, Zeit: von 13 bis 17 Uhr

Sie haben sich für einen Workshop angemeldet oder bereits den Workshop absolviert?

Dann können Sie bis 16. März 2018 die Mappen in Klassenstärke für das Schuljahr 2018/2019 kostenlos bestellen. 

Sollten Sie Fragen dazu haben oder nähere Informationen benötigen, setzen Sie sich bitte mit der Bildungspolitischen Abteilung der AK Vorarlberg unter der Tel. 43 (0) 50 258 4100 in Verbindung.


hintergrund

Im österreichischen Schulwesen ist der Berufsorientierungsunterricht in der 7. und 8. Schulstufe in allen Schularten der Sekundarstufe I als „verbindliche Übung“ verpflichtend im Ausmaß von je 32 Unterrichtsstunden (dies entspricht einer Wochenstunde) verankert. Berufsorientierung kann entweder im Rahmen mehrerer anderer Pflichtgegenstände abgehalten werden oder als eigenes Fach unterrichtet werden.  

Interview

„Jugendliche fit für die Zukunft machen“

Berufsorientierung ist nicht nur ein Unterrichtsfach,  sondern eine zentrale Aufgabe der Schule.

Christian Kompatscher ist Pflichtschulinspektor für den Bezirk Bregenz und landesweit zuständig für den Bereich Berufsorientierung. Die AKtion sprach mit ihm über die Bedeutung der Berufsorientierung und die verschiedenen Projekte, die in diesem Zusammenhang an Pflichtschulen laufen.

AKtion: Welchen Stellenwert hat Berufsorientierung für Sie?
Christian Kompatscher: Einen sehr hohen. Gott sei Dank ist durch viele Initiativen dieses Thema in seiner Bedeutung gestiegen. Ein grundlegender Erfolg ist sicher, dass Berufsorientierung jetzt ein verpflichtendes Unterrichtsfach ist und tatsächlich nicht nur integrativ zu führen ist, sondern mit einer Wochenstunde als eigenständiges Fach unterrichtet wird. Es ist eine ganz zentrale Aufgabe der Schule, die Jugendlichen bei diesem Übergang zu begleiten und zu unterstützen. Wir haben in den vergangenen Jahren ein Projekt mit dem Namen ACHTplus aufgebaut, wo genau dieser Übergang in den Fokus gestellt wird: nicht nur der Übergang Schule-Beruf, sondern der nach der achten Schulstufe.

Wenn Berufsorientierung so wichtig ist, ist eine Wochenstunde dann überhaupt genug?
Kompatscher: Ja und nein. Der Ansatz ist für uns eigentlich ein anderer. Die Kompetenz, die es für den Übergang braucht, darf man nicht auf ein Fach reduzieren. Es muss uns um langfristige Kompetenzen gehen und nicht nur um Fachkompetenzen. Wir müssen die Jugendlichen fit für die Zukunft machen, um Entscheidungen zu treffen und für sich selbst Ziele zu formulieren. Das ist ein Prozess, der sich nicht von heute auf morgen per Weisung umsetzen lässt. Im Bewusstsein der Lehrer und Lehrerinnen ist das aber schon angekommen.

Wo unterscheiden sich ACHTplus und „My future“?
Kompatscher: Bei ACHTplus geht es um einen langfristigen Prozess, der nicht bei der Berufsorientierung beginnt, sondern schon wesentlich früher ansetzt. Die Schule als Ganzes, alles was im Unterricht passiert, muss Jugendliche auf den nächsten Schritt nach der achten Schulstufe vorbereiten. Es gibt Standortgespräche mit externen Kompetenzüberprüfungen und viel Selbstreflexion, und da kann die ,My future‘-Mappe aus meiner Sicht viel dazu beitragen, weil sie Ideen liefert und vieles für ACHTplus nutzbar macht.