Arbeitsverhältnis & Werkvertrag

Wie ist das eigentlich mit Steuer und Sozialversicherung, wenn Sie angestellt sind und gleichzeitig auf Werkvertragsbasis dazuverdienen? Hier ein Überblick.

Steuerliche Auswirkungen

Einkünfte aus Werkverträgen zählen zu den Einkünften aus selbstständiger Tätigkeit. Bei einem steuerpflichtigen Einkommen aus allen Arbeits­ver­hältnissen über 12.000 € im Kalenderjahr können Sie

  • bis zu 730 € Gewinn im Kalenderjahr aus einer selbständigen Tätigkeit steuerfrei dazuverdienen.
  • Zwischen 730 € und 1.460 € im Kalenderjahr muss der Gewinn aus dem Werkvertrag zwar in voller Höhe angegeben werden, aber nicht der gesamte Zuverdienst ist steuerpflichtig, sondern nur der Anteil, der 730 € übersteigt. Dieser Betrag wird verdoppelt und dann zum steuerpflichtigen Einkommen aus dem Arbeitsverhältnis hinzugerechnet.
  • Ab einem Gewinn von mehr als 1.460 € im Kalenderjahr ist dieser gemeinsam mit den Einkommen aus dem Arbeitsverhältnis voll steuerpflichtig.

Beispiel

Eine Angestellte verdient neben Ihrer Vollzeitbeschäftigung noch 1.000 Euro im Jahr mit einem Werkvertrag dazu. Da sie mit ihrer Anstellung bereits mehr als 12.000 Euro verdient und die Einkünfte aus dem Werkvertrag mehr als 730 Euro ausmachen, muss sie eine Einkommensteuererklärung beim Finanzamt angeben. Dort gibt sie bekannt, dass sie 1.000 Euro an selbstständigen Einkünften erzielt hat. Aufgrund der Einschleifregelung werden aber nicht die vollen 1.000 Euro versteuert, sondern nur das Doppelte des Betrags, der über 730 Euro liegt.

So wird der steuerpflichtige Anteil berechnet:

  • 1.000 € – 730 € = 270€
  • 270 € x 2 = 540 €
  • 540 € sind also gemeinsam mit dem Lohn steuerpflichtig

Auch wenn sie bei der Einkommensteuer 1.000 Euro als selbstständige Einkünfte angibt, versteuert das Finanzamt davon nur 540 Euro gemeinsam mit den Gehältern aus ihrer Anstellung. 

Auswirkungen bei der Sozialversicherung

Ein Einkommen als Neue Selbstständige können Sie bei der Sozial­ver­sicher­ungs­an­stalt der Selbstständigen (SVS) melden. Wenn der Gewinn aus dieser selbstständigen Tätigkeit die Gewinngrenze von 5.710,32 € (für 2021) im Kalenderjahr nicht überschreitet, werden Sie aber nicht sozial­ver­sicher­ungs­pflichtig.

Auf dem Meldeformular der SVS können Sie ankreuzen, dass Sie unter der Sozialversicherungsgrenze bleiben. Sollten Sie dann doch die Grenze überschreiten, müssen Sie die Beiträge nachzahlen. Wenn Sie über die Grenze kommen und nicht gemeldet haben, kommt zu den Beiträgen noch ein Beitragszuschlag von 9,3 % hinzu.

Wie hoch sind die Sozialversicherungsbeiträge?

Bei Werkverträgen mit einem Einkommen über der Geringfügigkeitsgrenze sind 2021 18,5 % für die Pensionsversicherung, 6,8 % für die Kranken­ver­sicher­ung, 1,53 % des Gewinnes für die Betriebliche Mitarbeiter und Selbst­ständigen­vor­sorge und ein pauschalierter Betrag für die Unfallversicherung von 10,42 € pro Monat an die SVA abzuführen.

Was Sie dem Finanzamt melden müssen

Andere Einkünfte neben einem Arbeitsverhältnis, also auch dem Gewinn dem Werkvertrag, von maximal 730 € müssen beim Finanzamt nicht angegeben werden. Und zwar unabhängig davon, wie viel Sie bei Ihrem Arbeitsverhältnis verdienen. In diesem Fall können Sie regulär eine ArbeitnehmerInnenveranlagung einreichen.

Liegt Ihr Gewinn jedoch über 730 €, gibt es 2 Varianten:

  1. Ihr Gesamteinkommen aus dem Arbeitsverhältnis und dem Werkvertrag beträgt zusammen mehr als 12.000 €:

    Dann müssen Sie bis 30. April des Folgejahres (bzw. bis 30. Juni bei Einreichung über FinanzOnline) eine Einkommensteuererklärung abgeben
     
  2. Ihr Gesamteinkommen beträgt weniger als 12.000 €:

    Dann müssen Sie keine Einkommensteuererklärung abgeben. Unter Umständen zahlt es sich jedoch aus, eine Einkommensteuer freiwillig zu machen, da eventuell aufgrund des Arbeitsverhältnisses eine Negativsteuer erstattet werden kann. Nähere Informationen zur Negativsteuer finden Sie hier. 

Ein Beispiel

Ein Arbeitnehmer verdient zusätzlich zu seinem Bruttolohn von 2.000 € im Monat nach Abzug aller betriebsbedingten Ausgaben monatlich 500 € über Werkverträge dazu. Sein zu versteuerndes Einkommen (=Gewinn) aus selbstständiger Tätigkeit macht also insgesamt 6.000 € jährlich aus. Damit muss er sich auch bei der SVS anmelden und eine Einkommenssteuererklärung beim Finanzamt abgeben: 

Für die Berechnung der Sozialversicherung gilt 2021:

Pensionsversicherung6.000 € x 0,185 = 1.110 €
Krankenversicherung6.000 € x 0,068 = 408 €
Selbstständigenvorsorge6.000 € x 0,0153 = 91,80 €
Unfallversicherung10,42 € x 12 = 125,04 €
Summe= 1.734,84 € 

Damit sind also 1.734,84 € an die SVS abzuführen. Dieser Betrag reduziert im Jahr, in dem er bezahlt wird, die Steuerbemessungsgrundlage zusätzlich zu den betriebsbedingten Ausgaben.

Für die Berechnung der Steuer bedeutet das:

6.000 € - 1.734,84 € = 4.265,16 €

Die 4.265,16 € werden mit dem Einkommen aus dem Arbeitsverhältnis gemeinsam voll versteuert.

Tipp: Gewinnermittlung

Wie können Sie den Gewinn ermitteln? Was kann steuerlich abgesetzt werden? Wie füllt man die Beilage zur Einkommenssteuererklärung aus? Die AK bietet dazu zahlreiche Tipps und Infos für freie DienstnehmerInnen und WerkvertragsnehmerInnen - steuerlich sind diese beiden Gruppen übrigens völlig gleichgestellt!


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