Allgemeines zur Ar­beit­nehm­er­:innen­ver­an­lag­ung

Wie funktioniert die Arbeitnehmer:innenveranlagung (ANV) oder "der Steuerausgleich"? Fangen wir bei den Formularen an! 

  • Für die Arbeitnehmer:innenveranlagung (ANV) brauchen Sie das Formular L 1

  • Sie haben Kinder, für die Sie Familienbeihilfe beziehen oder Unterhalt bezahlen? Dann benötigen Sie zusätzlich das Formular L 1k.

  • Sie haben außergewöhnliche Belastungen, z.B. Krankheitskosten? Dann brauchen Sie zudem das Formular L 1ab.

  • Sie haben im Jahr 2020 im Homeoffice gearbeitet und haben ergonomisch geeignetes Mobiliar angeschafft? Dann brauchen Sie noch das Formular L1HO. Ab 2021 ist dieser Punkt im L1 mitenthalten.

  • Sie haben Einkünfte ohne inländischen Lohnsteuerabzug, z.B. ausländische Pensionen? Dann müssen Sie zusätzlich das Formular L1i ausfüllen.

Was automatisch gemeldet wird

Seit dem Steuerjahr 2017 werden dem Finanzamt folgende Ausgaben automatisch gemeldet: 

  • Kirchenbeiträge
  • Spenden
  • Beiträge für den Nachkauf von Schulzeiten und
  • Beiträge für freiwillige Weiterversicherung 
     
  • Wollen Sie Kirchenbeiträge oder Beiträge für den Nachkauf von Schulzeiten bzw. die freiwillige Weiterversicherung von Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin oder Ihren Kindern absetzen, dann müssen Sie das mit dem Formular L1d erklären.

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Unser Team aus dem Steuerrecht unterstützt Sie gerne bei der Einreichung Ihrer Arbeitnehmerveranlagung. Einfach. Kostenlos. Kompetent. 

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... dass Sie mit Ihren FinanzOnline-Zugangsdaten auch Ihr Pensionskonto einsehen können. Weiters haben Sie auch Zugriff auf Informationen Ihrer Sozialversicherung  (z.B. Versicherungs­datenauszug).

Wo gibt's die Formulare für die Arbeitnehmer:innenveranlagung? 

  • Die Formulare erhalten Sie beim Finanzamt. Alternativ können Sie sich die Formulare über die Webseite des Finanzministeriums bestellen. In diesem Fall werden Ihnen die Formulare per Post zugesandt. 

  • Außerdem besteht die Möglichkeit, die Veranlagung über Finanz Online einzureichen.

Die Vorteile der Online-Veranlagung sind:

  • Entfall des Amtsweges
  • kostenlos und rund um die Uhr von zu Hause aus
  • aktuelle Abfrage des Steuerkontos
  • elektronische Änderung der persönlichen Daten (z.B. Kontonummer)
  • elektronische Beschwerde, Rückzahlungsantrag, Änderung der Vorauszahlung, Ratenvereinbarung
  • voraussichtliche Steuergutschrift oder Steuernachzahlung sofort berechnen - aber bitte Vorsicht: Manchmal stimmt die Vorausberechnung nicht ganz, sie ist auch nur eine unverbindliche Info. 

Welche Voraussetzungen sind für Finanz-Online nötig? 

Für die Arbeitnehmer:innenveranlagung auf Finanz Online benötigen Sie eine Bürgerkarte, Handysignatur oder vom Finanzamt ausgestellte Zugangsdaten. Diese erhalten Sie nach Registrierung im FinanzOnline-Portal oder persönlich beim Finanzamt.

Achtung!

Wenn Sie einen Finanz Online-Zugang haben, dann erhalten Sie Ihre Bescheide vom Finanzamt nur noch elektronisch. Sie werden Ihnen im Finanz Online System unter „Nachrichten“  hinterlegt. Ab dem Zeitpunkt der Hinterlegung in der Databox gilt der Bescheid als zugestellt. Das bedeutet, dass ab diesem Zeitpunkt die Beschwerdefrist läuft. Sie können aber auf die elektronische Zustellung verzichten. In diesem Fall bekommen Sie die Bescheide weiterhin per Post zugestellt.

Unser Tipp:

Tragen Sie auf Finanz Online Ihre Mailadresse ein: Dann werden Sie informiert, wenn etwas in den „Nachrichten“ hinterlegt wird.

Pflichtveranlagung: Wann muss ich eine Arbeitnehmer:innenveranlagung machen? 

In manchen Fällen ist die Arbeitnehmer:innenveranlagung verpflichtend. Die so genannte "Pflichtveranlagung" müssen Sie bis 30. April des Folgejahres beim Finanzamt oder bis 30. Juni des Folgejahres auf Finanz Online abgeben, und zwar dann: 

  • wenn Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit bezogen wurden, die nicht dem Lohnsteuerabzug unterliegen (z.B. Grenzgänger, ausländische Pensionen) und diese mehr als 730 € im Jahr betrugen,

  • wenn ein zu hohes Pendlerpauschale oder ein zu hoher Pendlereuro berücksichtigt wurde oder die Voraussetzungen dafür nicht vorlagen,

  • wenn ein Familienbonus zu Unrecht oder zu hohem Ausmaß berücksichtigt wurde,

  • wenn ein Homeoffice-Pauschale von mehreren Arbeitgebern in einem zu hohen Ausmaß steuerfrei ausbezahlt wurde

  • wenn der Zuschuss zur Kinderbetreuung zu Unrecht oder in unrichtiger Höhe steuerfrei ausbezahlt wurde,

  • wenn Bezüge eines österreichischen Abgeordneten zum Europäischen Parlament ausbezahlt wurden,

  • oder wenn der Arbeitnehmer vorsätzlich gemeinsam mit dem Arbeitgeber die abzuführende Lohnsteuer verkürzt hat.

Bis zum 30. September Zeit haben Sie mit der ANV: 

  • wenn Sie im Kalenderjahr zumindest zeitweise gleichzeitig zwei oder mehrere lohnsteuerpflichtige Einkünfte haben.

  • oder wenn der Alleinverdiener- bzw. Alleinerzieherabsetzbetrag oder der erhöhte Pensionistenabsetzbetrag in der Lohnverrechnung berücksichtigt wurde, aber die Voraussetzungen nicht vorlagen.

In folgenden Fällen können Sie vom Finanzamt zur Abgabe einer ANV aufgefordert werden:

  • bei Bezug von Krankengeld, Wiedereingliederungsgeld oder Rehabilitationsgeld aus der gesetzlichen Sozialversicherung, Bezügen für Truppenübungen, Bezügen vom Insolvenz-Entgelt-Fonds, bestimmten Bezügen aus der Bauarbeiterurlaubskasse und Bezügen für einen Dienstleistungsscheck,

  • bei Rückzahlungen von Pflichtversicherungsbeiträgen oder Pensionsbeiträgen,

  • oder wenn ein Freibetragsbescheid für das Kalenderjahr bei der Lohnverrechnung berücksichtigt wurde.

Hinweis

Auch wenn ein Pflichtveranlagungsgrund vorliegt, sind Sie erst zur Abgabe einer Arbeitnehmer:innenveranlagung verpflichtet, wenn Ihr Jahreseinkommen insgesamt mehr als 12.000 Euro beträgt.

Antragsveranlagung

Für die Antragsveranlagung haben Sie 5 Jahre Zeit. Das gilt auch dann, wenn Sie bereits automatisch vom Finanzamt veranlagt worden sind. Sie sollten auf alle Fälle einen Antrag abgeben, wenn Sie 

  • alleinverdienend bzw. alleinerziehend sind, und den Absetzbetrag nicht in Ihrer Firma beantragt haben oder sich der Absetzbetrag monatlich nicht ausgewirkt hat,
  • den Mehrkindzuschlag beantragen können,
  • für ein oder mehrere Kinder Anspruch auf die Familienbeihilfe haben oder den gesetzlichen Unterhalt zahlen,
  • Sonderausgaben, Werbungskosten oder außergewöhnliche Belastungen geltend machen können,
  • während des Jahres von Ihrem Lohn/Gehalt zwar Sozialversicherung, aber keine Lohnsteuer abgezogen wurde (= Negativsteuer!),
  • schwankende Bezüge oder Verdienstunterbrechungen während eines Kalenderjahrs haben (z.B. Ferialpraktikum, unterjähriger Wiedereinstieg nach der Elternkarenz)

Antragslose Arbeitnehmer:innenveranlagung

Die Arbeitnehmer:innenveranlagung erfolgt unter bestimmten Voraussetzungen automatisch:

  • Es dürfen keine „Pflichtveranlagungsgründe“ vorliegen
  • Bis zum 30. Juni des Folgejahres wurde noch kein Antrag für die ANV beim Finanzamt eingereicht.
  • Es wurden ausschließlich Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit bezogen.
  • Die Veranlagung ergibt eine Gutschrift.
  • Das Finanzamt kann aufgrund der Aktenlage auch annehmen, dass sich die Gutschrift durch die Geltendmachung weiterer Abschreibungen nicht erhöht. 

Wurden Sie automatisch vom Finanzamt veranlagt, können Sie trotzdem einen Antrag auf ANV stellen. Dafür haben Sie 5 Jahre Zeit. Nähere Informationen zur antragslosen ANV finden Sie hier.

Negativsteuer

Wenn von Ihrem Lohn, Ihrem Gehalt oder Ihrer Pension zwar Sozialversicherung, aber keine Lohnsteuer abgezogen wurde, können Sie mittels ANV eine Negativsteuer erhalten. Die Negativsteuer errechnet sich mit einem bestimmten Prozentsatz anhand der Sozialversicherungsbeiträge. 

Sollten Sie zumindest ein Monat Anspruch auf ein Pendlerpauschale haben, erhöht sich die Negativsteuer zusätzlich.

Negativsteuer für Beschäftigte mit Lohnsteuerabzügen

Ab dem Veranlagungsjahr 2020 gibt es auch für Arbeitnehmer:innen, die über der Steuergrenze verdienen, eine Art Negativsteuer. Es gibt einen Zuschlag zum Verkehrsabsetzbetrag, der als Negativsteuer ausbezahlt wird. Bis zu einem Einkommen von 15.500 € beträgt er 400 € jährlich. Bei einem Einkommen darüber bis zu 21.500 € wird er gleichmäßig auf null reduziert. Erst ab einem Jahreseinkommen von mehr als 21.500 Euro steht keine Negativsteuer mehr zu. Der Zuschlag zum Verkehrsabsetzbetrag muss nicht gesondert beantragt werden, sondern wird automatisch berücksichtigt.

Was gilt für die ANV 2020:

Für 2020 beträgt der Zuschlag zum Verkehrsabsetzbetrag bis zu einem Einkommen von 15.500 €  400 € jährlich. Bei einem Einkommen darüber bis zu 21.500 € wird er gleichmäßig auf null reduziert. Erst ab einem Jahreseinkommen von mehr als 21.500 Euro steht keine Negativsteuer mehr zu.

Was gilt für die ANV ab 2021:

Der Zuschlag zum Verkehrsabsetzbetrag wurde auf 650 € erhöht. Dieser Betrag steht bis zu einem Einkommen von 16.000 €. Darüber hinaus verringert sich der Zuschlag gleichmäßig auf Null bis zu einem Einkommen von 24.500 €. Daher gibt es ab 2021 sogar bis zu einem Jahreseinkommen von 24.500 € eine Art Negativsteuer.

Teuerungsabsetzbetrag für 2022:

Arbeitnehmer:innen mit geringem Einkommen erhalten einmalig für 2022 zusätzlich zum Zuschlag zum Verkehrsabsetzbetrag noch einen Teuerungsabsetzbetrag über die ANV. Dieser beträgt 500 € bis zu einem Einkommen von 18.200 €. Darüber hinaus wird er bis zu einem Einkommen von 24.500 € gleichmäßig auf Null verringert. Für Pensionist:innen, die 2022 keine außerordentliche Einmalzahlung bei der Pensionsauszahlung erhalten steht bis zu Pensionsbezügen von 20.500 € ebenfalls ein Teuerungsabsetzbetrag von 500 € zu. Bei höheren Pensionsbezügen verringert sich der Teuerungsabsetzbetrag für PensionistInnen bis zu Bezügen von 25.500 € gleichmäßig auf Null.

Der Zuschlag zum Verkehrsabsetzbetrag und der Teuerungsabsetzbetrag müssen nicht gesondert beantragt werden, sondern werden automatisch berücksichtigt.

So hoch ist die Negativsteuer

bis 2019für 20202021 & ab 2023 nur für 2022  
Anteil SVMax.Anteil SVMax.Anteil SVMax.Anteil SVMaximum
ArbeitnehmerInnen
Mit PP/P€*50 %500 €50 %900 €55 %1.150 €70 % 1.650 € 
Ohne PP/P€50 %400 €50 %800 €55 %1.050 €70 % 1.550 € 
PensionistInnen50 %110 €75 %300 €80 %550 €100 % 550 € bzw. 1.050 €** 

*) PP/P€ = Pendlerpauschale/Pendlereuro
**) bei Teuerungsabsetzbetrag

Einkommensteuererklärung (ESt-E)

Eine ESt-E müssen Sie bis 30. April des Folgejahres beim Finanzamt bzw. bis 30. Juni des Folgejahres mittels Finanz Online abgeben, wenn...

  • Sie aus selbständiger Tätigkeit oder aus einem Betrieb ein Einkommen haben, das höher ist als 11.000 €,

  • Sie sowohl selbständiges Einkommen über 730 € als auch nicht selbständiges Einkommen haben und das Gesamteinkommen höher ist als 12.000 €,

  • Kapitaleinkünfte, die keinem Kapitalertragssteuerabzug unterliegen, von mehr als 22 € erzielt wurden, 

  • Einkünfte aus einer privaten Grundstücksveräußerung vorliegen, für die keine Immobilienertragssteuer entrichtet wurde,

  • das Finanzamt Sie dazu auffordert.

Steuervorauszahlungen

Wenn Sie mehrere lohn- oder einkommensteuerpflichtige Einkünfte in einem Jahr haben und die daraus errechnete Vorauszahlung mehr als 300 € beträgt, dann werden vom Finanzamt Steuervorauszahlungen vorgeschrieben.

Wie hoch diese Zahlungen sind, finden Sie im Vorauszahlungsbescheid. Sie müssen die angeführte Summe an Vorauszahlungen vierteljährlich leisten. Sind die Vorauszahlungen zu hoch, beispielsweise weil Sie in diesem Jahr weniger verdienen als im Vorjahr, so können Sie gegen den Vorauszahlungsbescheid innerhalb eines Monats ab Zustellung Beschwerde einlegen.

Wichtig

Ist die Frist abgelaufen, können Sie bis 30. September des laufenden Kalenderjahres einen formlosen Antrag auf Herabsetzung der Zahlungen stellen. Nutzen Sie dazu unseren Musterbrief.

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