Es ist gut, dabei zu sein!

Der vorliegende Band zur Geschichte der Vorarlberger Arbeiterkammer von 1986 bis 2015 ist nicht nur ein Stück institutioneller Zeitgeschichte, sondern ein wichtiger Beitrag zur Vorarlberger Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Diese Publikation ist der dritte Band einer Reihe zur Geschichte der Arbeiterkammer Vorarlberg von der Entstehung bis heute.  

Es gilt als unbestritten, dass der wirtschaftliche und soziale Aufbau Österreichs in der zweiten Republik wesentlich durch die Sozialpartnerschaft getragen und gestaltet wurde und somit Österreich Wohlstand und sozialen Frieden gebracht hat. 

Die Arbeiterkammern vertreten die Interessen von über 3,6 Millionen Arbeitnehmern in Österreich gegenüber Regierung und Wirtschaft. Zahlreiche Umfragen von unabhängigen Meinungsforschungsinstituten belegen, dass die Mitglieder großes Vertrauen in ihre gesetzliche Interessenvertretung haben. Grundlage dafür ist auch die gesetzliche Pflichtmitgliedschaft zur AK, die wiederum Voraussetzung für eine starke Interessenvertretung ist. 

Neoliberale Einflüsse und Bestrebungen versuchen mit haltlosen Vorwürfen, unsachlichen Vergleichen und populistischen Argumenten die Pflichtmitgliedschaft immer mehr in Frage zu stellen. Dabei geht es aber nicht um die vordergründig argumentierten Einsparungen von Mitgliedsbeiträgen, sondern um das Aushebeln der legitimierten Schutzfunktion für Arbeiternehmer. An der Kammerumlage selbst kann es wohl kaum liegen, sie beträgt im Jahr 2016 in Vorarlberg durchschnittlich neun Euro. Diese zu kürzen oder zu streichen brächte keine merkliche Entlastung für die Arbeitnehmer. Im Gegenteil, sie wären dem Gedankengut vieler Gegner der AK, dass Kapital Vorrang vor dem Faktor Arbeit hat, schutzlos ausgeliefert. 

Diese Publikation zeigt umfassend den großen Nutzen, den die AK für die gesamte Gesellschaft in den letzten dreißig Jahren gebracht hat. Mit großem Engagement werden wir unseren Mitgliedern auch weiterhin zur Seite stehen. Ob zum Beispiel Globalisierung, Digitalisierung, Veränderung von Rahmenbedingungen für Arbeitsverhältnisse, demografische Entwicklungen – wir werden darauf jene Antworten für unsere Mitglieder finden, die sie bei der Bewältigung der künftigen Herausforderungen unterstützen.  

Wir bedanken uns beim Autor dieser Publikation, Univ.-Prof. MMag. Dr. Gerhard Wanner, für die seriös, wissenschaftlich fundiert und interessant verfassten Beiträge zur Geschichte der AK von 1986 bis 2015. Dieser Teil der historischen Entwicklung der Arbeiterkammer Vorarlberg soll auch ein Beleg dafür sein, warum es gut ist, Mitglied bei der AK zu sein.

 

Rainer Keckeis, AK-Direktor

Hubert Hämmerle, AK-Präsident

Vorwort

Vorwort des Autors

Überblickt man die Geschichte der Arbeiterkammer der letzten dreißig Jahre, so war diese nach der Phase des Aufbaues und der Konsolidierung nach 1945 durch völlig neue Herausforderungen geprägt. Es begann im Jahr 1994 mit dem Ansinnen der FPÖ unter Jörg Haider, die Arbeiterkammer zu schwächen, wenn nicht gar abzuschaffen. Es folgten die Diskussionen um die Auswirkungen und Sinnhaftigkeit eines Beitritts zur EU. Zur selben Zeit begann der rasante Einzug der neuen elektronischen Medien in die Arbeitswelt und den Alltag, dem sich die Arbeiterkammer zu stellen hatte.  

Mit der schwarz-blauen Regierung im Jahr 2000 kam es zu einer gravierenden politischen Wende. Sie wirkte sich auf das Sozialsystem negativ aus und die Regierung versuchte, die Sozialpartner zurückzudrängen. In Vorarlberg war bis 2007 ein überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum zu verzeichnen. Dieses, begleitet von einer niedrigen Arbeitslosenrate, war umso erstaunlicher: Seit den 80er-Jahren wurden nämlich durch die Firmenpleiten der Textilindustrie Tausende von Arbeitsplätzen freigesetzt. Diese wirtschaftliche Krise wurde jedoch durch den Aufschwung der Metall- und Elektroindustrie kompensiert.  

Unabhängig von diesem problematischen regionalen Wirtschaftsstrukturwandel forderte die Weltwirtschaftskrise im Jahr 2008 mit den zu bewältigenden Problemen der Arbeitslosigkeit, der zunehmenden gesellschaftlichen Verarmung, begleitet von einer ständig wachsenden Lohnsteuerbelastung auch die AK heraus. Sie reagierte offensiv und mit Erfolg!  

Die Geschichte der Arbeiterkammer Vorarlberg ist somit auch ein Spiegel und eine Dokumentation für die wirtschafts- und sozialpolitische Entwicklung in Vorarlberg und Österreich. Es ist freilich die Sicht einer Einrichtung, die sich offen und ohne Tabus vor allem für die Schwachen der Gesellschaft einsetzte und damit stets den neoliberalen Kapitalismus ablehnte. Über ideologische Grenzen hinweg trat und tritt sie stattdessen für Humanismus, Demokratie und soziale Gerechtigkeit ein.  

Univ.-Prof. MMag. Dr. Gerhard Wanner


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