Aufbau und Organisation

Wahlen und politische Entwicklung

Die Wahlergebnisse führten außer im Jahr 2004 zu einer ständigen absoluten Mehrheit von ÖAAB/FCG. Aus den Reihen der ÖVP stellten sich seit 1987 nur zwei Kandidaten, Josef Fink und Hubert Hämmerle, die wiederholt zu Präsidenten gewählt wurden. Ihre Siege verdankten sie den Schichten der Angestellten und nicht wie noch nach 1945 der Arbeiterschaft – eine Folge des sozialen Wandels. Dieser ging auf Kosten der FSG (SPÖ). Sie sank 1994 mit 27,8 % auf einen Tiefpunkt. Neue Gruppierungen machten traditionellen Parteien bzw. Fraktionen Konkurrenz und nahmen ihnen Stimmen ab: 1994 stellten sich erstmals in Österreich die Grünalternativen (Gemeinsam) und 1999 die Neue Bewegung für die Zukunft einer Wahl. Diese beiden Fraktionen stützten sich auf das Potenzial ausländischer, vor allem türkischer und exjugoslawischer Arbeitnehmer mit bis 2009 nur aktivem Wahlrecht. Sie waren ein Beweis für deren gelingende Integration. Offensichtlich beeinflusste die Bundespolitik wiederholt die Wahlergebnisse.

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Präsidenten und Direktoren

Innerhalb von dreißig Jahren wies die AK lediglich zwei Präsidenten und zwei Direktoren auf. Die Amtsführung der dem ÖVP-Lager zugehörenden Führungspersönlichkeiten war von Kontinuität und Konsens geprägt. Ihre Aktivitäten waren durch Praxisnähe gekennzeichnet und dem Einsatz für sozial Schwache und sie scheuten nicht vor Kritik an der Bundesregierung. Direktor Rainer Keckeis, Nachfolger von Heinz Peter, nahm scharf und unverhohlen zu den Missständen der Weltwirtschaft Stellung.

Legitimation und Mitgliedervertrauen

Im Jahr 1990 wurde von der SPÖ-ÖVP-Bundesregierung das neue Arbeiterkammergesetz beschlossen. Vier Jahre später kam es zum „Schicksalsjahr” für die AK, als die FPÖ unter Jörg Haider die Abschaffung der Pflichtmitgliedschaft forderte. Für die AK ging es um „Grundsätzliches”, nicht zuletzt um das Ende der bewährten Sozialpartnerschaft, von der Haider ebenfalls nichts hielt. Die AK reagierte im Jahr 1996 mit einer Mitgliederbefragung über die Pflichtmitgliedschaft. Sie führte zu einer geradezu „peinlichen Niederlage” der Kammergegner – über 90 % bekannten sich zur Pflichtmitgliedschaft! Aber auch Heinz-Christian Strache, ebenfalls Parteivorsitzender der FPÖ, sprach 2008 von den Kammern negativ als zu beseitigende „Schattenparlamente und Nebenregierungen”. Ihm zur Seite standen später die Neos und das Team Stronach mit ihrem neoliberalen Kurs. Die ab 1996 jährlich durchgeführten Mitgliederbefragungen bestätigten jedoch die große Zufriedenheit mit der AK, die mit dem Service ihrer Einrichtungen unter den Behörden den ersten Platz einnahm. Seit 1.1.2008 sind die Grundzüge der „nichtterritorialen Selbstverwaltung“ (Kammern und Sozialversicherungsträger) im österreichischen Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG) festgeschrieben. Die Republik anerkennt die Rolle der Sozialpartner.

Bauliche Entwicklung der AK

Das neu errichtete Verwaltungsgebäude des Jahres 1952 in Feldkirch bot in den 80er-Jahren keinen ausreichenden Platz mehr für die ständig gewachsenen Aufgaben der Kammer. Eine vorläufige Lösung eröffnete das nahegelegene Haus Widnau 2, in welchem der ÖGB, das Gastarbeiterreferat sowie das Betriebsreferat Unterkunft fanden. Der Vorstand der AK beschloss im Jahr 2002 den Bau eines Bildungszentrums unter einem Dach mit dem bestehenden Gebäude und dessen Generalsanierung. Im Jahr 2008 begann man zu diesem Zweck mit dem Abbruch des alten Zeughauses und gleichzeitig mit Umbauarbeiten im Altbau sowie mit der Gestaltung eines Kinderbetreuungszentrums. Nach zwei Jahren waren sämtliche Bauarbeiten abgeschlossen.

Öffentlichkeitsarbeit und Medien

Mit zwei Printmedien dokumentiert die AK ihre Tätigkeit und politische Einstellung: Es sind die „Tätigkeitsberichte“ und ab 1987 ist es die Zeitung „AKtion“. Mit den Leserbefragungen, Mitgliederbefragungen und den objektiven Warentests schuf sich die Zeitung eine solide Basis und informierte sich gleichzeitig über die Stimmungen im „Volk“, worauf man politisch reagieren konnte. Die intensive Öffentlichkeits- und Pressearbeit trug auch dazu bei, die „Wichtigkeit“ der Kammer zu unterstreichen. Ab 1995 waren die gesamten Dienste der einzelnen Abteilungen vom Computer abrufbar, was die „Transparenz“ und Glaubwürdigkeit der Institution nach außen verstärkte.

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