Eine Frau steht in einem Aufzug und betrachtet sich im Spiegel, während sie ihren Schal richtet. Das Bild symbolisiert Arbeitsalltag und Themen wie Lohntransparenz und Teilzeitarbeit.
Die Lohntransparenzrichtlinie ist eine große Chance, die Lohnlücke zu schließen. © Olly, Pexels
06.03.2026

Weltfrauentag: Warum wir Lohntransparenz brauchen und Teilzeit in Vorarlberg kein Lifestyle ist

Vorarlberger Frauen arbeiten – verglichen mit den Männern – 80 Tage im Jahr gratis. In keinem anderen Bundesland ist die Gehaltsschere so groß wie in Vorarlberg. Der Gender Pay Gap ist keine Privatsache. Er zeigt: Ungleiche Bezahlung ist noch immer ein gravierendes gesellschaftliches Problem.

Der Gender Pay Gap beträgt in Vorarlberg 21,7 Prozent. Das ist österreichweit der höchste Wert. Im Österreich-Durchschnitt liegt er bei 15,5 Prozent. Am geringsten ist der Unterschied in Wien mit 10,6 Prozent – halb so groß wie in Vorarlberg.* 

Portrait von AK Präsident Bernhard Heinzle
© Lukas Hämmerle

AK Präsident Bernhard Heinzle: „In Vorarlberg klafft die Gehaltsschere am weitesten auseinander. Daran müssen wir alle gemeinsam arbeiten. Denn der Gender Pay Gap hat nichts mit falschen Berufsentscheidungen, mangelndem Verhandlungsgeschick oder Pech, sondern mit struktureller Benachteiligung zu tun.“ 


Frauen in Vorarlberg droht Altersarmut

Der große Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen wirkt sich auch auf den Ruhestand aus. Weitere Faktoren sind Erwerbsunterbrechungen und oft lange Teilzeitphasen. Der Gender Pension Gap war in Vorarlberg 2024 mit 46,7 Prozent der höchste in Österreich und lag deutlich über dem Bundesschnitt von 39,7 Prozent. Zudem lag die durchschnittliche Vorarlberger Frauenpension mit 1.333 Euro deutlich unter der Armutsgefährdungsschwelle. 

Porträt von AK Expertin Eva Fischer-Schweigkofler
AK Expertin Eva Fischer-Schweigkofler © AK Vorarlberg

„Wir sehen in unserer täglichen Beratung, dass es immer noch großteils allein Frauen sind, die in Elternkarenz gehen und anschließend oft lange in Teilzeit arbeiten. Das hat viele Gründe, beispielsweise, dass häufig schon vor der ersten Karenz der Mann in der Familie mehr verdient, dass konservative Rollenbilder vorherrschen und Männer sich für Karenzen und Teilzeit nach wie vor oft rechtfertigen müssen. Damit wir mehr Gerechtigkeit erreichen, müssen wir den Gender Pay Gap schließen und an den Strukturen und Rollenbildern arbeiten“, meint Eva Fischer-Schweigkofler, Leiterin der Abteilung Familie und Beruf bei der AK Vorarlberg. 

Lohntransparenz hilft beim Schließen der Lücke

Ein wichtiger Hebel zum Schließen des Gender Pay Gap ist die Lohntransparenzrichtlinie. Sie ist seit 2023 in Kraft und sieht EU-weite Regelungen für Lohntransparenz vor. Diese müssen bis 7. Juni 2026 in nationales Recht umgesetzt werden. „Die Richtlinie bietet Österreich die Chance, das Tabu rund um das Thema Entgelt zu durchbrechen und den Grundsatz ‚gleiches Geld für gleiche Arbeit‘ endlich Realität werden zu lassen“, erklärt Expertin Fischer-Schweigkofler.  

Dabei geht es nicht darum, zu erfahren, wie viel einzelne Kolleg:innen im Unternehmen verdienen. Die Richtlinie ermöglicht Arbeitnehmer:innen, das durchschnittliche Entgelt von Frauen und Männern in einer Vergleichsgruppe zur erfahren – ohne Einblick in individuelle Gehälter. „Sie soll Arbeitnehmer:innen bei der Orientierung helfen. Sie bekommen das Recht, zu erfahren, wie sich ihr Entgelt zusammensetzt. Unternehmen müssen ihre Gehaltsstrukturen künftig nachvollziehbar gestalten“, stellt Fischer-Schweigkofler fest. AK Präsident Bernhard Heinzle führt aus: „Die Lohntransparenzrichtlinie ist eine große Chance, die Lohnlücke zu schließen. Das ist gerade in Vorarlberg wichtig. Wir brauchen hier eine rasche, entschlossene und umfassende Umsetzung.“ 

Teilzeit ist kein Lifestyle, sondern oft Notwendigkeit

Vorarlberg hat nicht nur die größte Gehaltsschere bei Vollzeitarbeit, sondern auch eine hohe Teilzeitquote unter Frauen. In Vorarlberg arbeiten 56,1 Prozent der Frauen und nur 10,7 Prozent der Männer in Teilzeit. Bei den 30- bis 49-jährigen Frauen geben österreichweit 63,5 Prozent die Betreuung von Kindern und Angehörigen als Hauptgrund für die Teilzeit an. Gleichzeitig besuchen in Vorarlberg nur 13 Prozent der Kinder ganztägig den Kindergarten – gegenüber 53,4 Prozent im Österreichdurchschnitt. Eine Studie der Universität Wien ergab, dass dabei strukturelle Hürden wie Leistbarkeit, Flexibilität und Erreichbarkeit, ein konservatives Familienbild und teils Unsicherheiten über die Qualität der Einrichtungen eine Rolle spielen. 

„Wir brauchen immer noch einen Ausbau hochqualitativer frühkindlicher Bildung und müssen weiter an den Strukturen arbeiten. Hier geht es auch um Leistbarkeit und Flexibilität. Gleichzeitig müssen zudem die Vorteile elementarer Bildung für Kinder bekannter werden“, führt AK Expertin Eva Fischer-Schweigkofler aus. Denn die Unterstützung und Förderung, die bereits die Kleinsten erhalten, beeinflussen maßgeblich die schulische Laufbahn und die späteren Chancen im Erwerbsleben. 

„Teilzeit ist kein Lifestyle, sondern oft Notwendigkeit “, sagt AK Präsident Bernhard Heinzle. „In der ganzen Teilzeit-Debatte vermisse ich oft den Respekt vor der Arbeit, die hauptsächlich Frauen jeden Tag leisten. Die Arbeit im Supermarkt, in der Pflege, den Kinderbildungseinrichtungen, in der Produktion und in Büros ist die Grundlage für unseren Wohlstand. Teilzeit-Arbeit ist Arbeit wie jede andere. Hinzu kommt, dass für viele Frauen die Arbeit nach Dienstschluss nicht aufhört. Sie ist danach nur unbezahlt.“ 

Forderungen der AK Vorarlberg:

  • Lohntransparenz durchsetzen: Gleiches Geld für gleiche Arbeit muss endlich Realität werden – mehr Gehaltstransparenz ist ein entscheidender Hebel gegen den Gender Pay Gap.
  • Gerechtere Aufteilung der unbezahlten Arbeit: Eine bessere Verteilung der Care-Arbeit ist unerlässlich, damit Frauen nicht jahrelang in Teilzeit-Jobs gefangen sind und Männer nicht allein die Verantwortung für das Familieneinkommen tragen müssen.
  • Frühe Bildung stärken: Die Elementarpädagogik muss weiter ausgebaut werden – ab dem ersten Geburtstag, ganztägig und ganzjährig in hoher Qualität. Mehr leistbare, Vollzeit-konforme Plätze in Kinderbildungs- und
    -betreuungseinrichtungen, Ganztagsschulen und Ferienbetreuungen erleichtern Familien die Vereinbarkeit zwischen Kinderbetreuung und Beruf. Auch die Rahmenbedingungen für pädagogische Fach- und Assistenzkräfte müssen verbessert werden.
  • Gleiche Zuschläge für Teilzeitbeschäftigte: Gleiche Leistung muss gleich viel wert sein. Teilzeitbeschäftigte dürfen bei Mehrstunden nicht länger schlechter gestellt werden als Vollzeitbeschäftigte bei Überstunden. Sie sollen 50 Prozent statt 25 Prozent Zuschlag für Mehrarbeit bekommen. 

* Gender Pay Gap Berechnung
Die Berechnung basiert auf der Lohnsteuerstatistik 2024 der Statistik Austria und vergleicht die durchschnittlichen Jahresbruttobezüge von ganzjährig vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmer:innen – Teilzeitarbeit ist dabei noch nicht berücksichtigt.

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