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Standortrating Vorarlberg 2026
Zahlen, Daten und Fakten rund um den Arbeitsstandort Vorarlberg
Datum/Jahr:
2026
Das aktuelle Standort-Rating der AK Vorarlberg zeigt eine bedenkliche Schieflage: Trotz hoher Stundenproduktivität droht Vorarlberg, seine Standortattraktivität zu verlieren. Während die Lebenshaltungskosten im Land – allen voran das Wohnen – ein kritisches Niveau erreichen, bleiben notwendige Zukunftsinvestitionen aus. Für die AK Vorarlberg ist klar: Solange das Angebot und die Qualität der Kinderbetreuung nicht mit den Bedürfnissen der Arbeitswelt zusammenpassen, bleibt die persönliche wirtschaftliche Stabilität für viele eine Illusion. Ein wichtiger Hebel liegt im Bildungssystem: Frühe Bildung ist kein bloßer Kostenfaktor, sondern ein entscheidender Standortfaktor. AK Präsident Bernhard Heinzle warnt vor einem „Rotstift an der falschen Stelle“ und fordert eine Qualitätsoffensive in der frühen Bildung.
Sozialverträgliches evidenzbasiertes Einsparen ist das Gebot der Stunde. Ein zu harter Sparkurs wirkt sich negativ auf die wirtschaftliche Entwicklung aus. Strukturelle Reformen setzen Potential frei. Besonders wenn wir uns in scheinbar paradoxen Phänomenen wiederfinden, wie
Das AK Standort-Rating zeigt, welche Entwicklungen besondere Aufmerksamkeit verlangen und wo die Politik ansetzen kann und muss.
In keinem österreichischen Bundesland ist die Verteilung der Lohneinkommen und der unternehmerischen Gewinne so ungleich wie in Vorarlberg. Die Stundenproduktivität ist in keinem Bundesland höher als in Vorarlberg. Dennoch ist der Anteil der Arbeitnehmer:innen am erwirtschafteten Erfolg der geringste in Österreich. Gleichzeigt werden überall Arbeits- und Fachkräfte gesucht. Die Arbeitsbereitschaft ist stetig gewachsen und das Arbeitskräftepotential in Vorarlberg ist hoch. Zudem setzen unbezahlte Überstunden und Mietpreise auf Rekordniveau die Familien unter Druck. Um die hohen Kosten zu decken, versuchen viele, das Erwerbsausmaß zu erhöhen – doch sie scheitern an den mangelnden Rahmenbedingungen.
Andererseits sind die Arbeitseinkommen ungleich verteilt. Besonders zwischen Frauen und Männer gibt es eine ungleiche Verteilung der Einkommen, während die unbezahlte Arbeit genau gespiegelt ungleich verteilt ist: Frauen arbeiten mehr als Männer.
Ein Hauptgrund ist nach wie vor, dass besonders viele Frauen wegen Betreuungspflichten einer Teilzeitbeschäftigung nachgehen.
Das Land Vorarlberg hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2035 der „chancenreichste Lebensraum für Kinder“ zu werden. Ein Blick auf die Daten zeigt: Die Realität hinkt hinterher. Vorarlberg ist zwar wirtschaftlich stark, aber eines der sozial ungleichsten Bundesländer. Das Land hat den höchsten Gender Pay Gap Österreichs (!) und eine der höchsten Teilzeitquoten bei Frauen. Zudem halten sich veraltete Rollenbilder hartnäckig: Über die Hälfte der Vorarlberger Männer glaubt noch immer, dass Kinder unter der Erwerbstätigkeit von Müttern leiden. So werden Rahmenbedingungen zementiert, die eine Vollzeitarbeit für beide Elternteile de facto unmöglich machen. „Frühe Bildung ist kein Luxus. Sie schafft für Frauen erst echte Wahlfreiheit und sorgt dafür, dass sie Familie und Beruf endlich vereinbaren können“, so Heinzle. Vor diesem Hintergrund ist der Ausbau der frühen Bildung in Vorarlberg keine politische Option mehr, sondern eine ökonomische Notwendigkeit für die Standortstabilität.
In einer breiten Personalbefragung Anfang 2025 hat die Arbeiterkammer über ein Drittel der Pädagog:innen und Assistenzkräfte im Bildungs- und Betreuungsbereich erreicht. Das Ergebnis war durchwachsen. Während die Ausbildung und Weiterbildungen im Schnitt gut beurteilt wurden, wurden auch Mängel in der Ausstattung oder bei der Förderung der Kinder aufgrund nicht optimaler Rahmenbedingungen sichtbar. Abbildung 2.6 zeigt, dass 35 Prozent aller befragten Pädagog:innen und Assistenzkräfte zurückmeldeten, Kinder unter den derzeitigen Rahmen Bedingungen im Allgemeinen gut oder sehr gut fördern zu können. Die Detailauswertung der Antworten macht zudem deutlich, dass mit wachsenden Bedürfnissen der Kinder die Förderfähigkeit in den Betreuungseinrichtungen sukzessive abnimmt. 20 Prozent der Befragten gaben an, Kinder lediglich „genügend“ oder sogar „nicht genügend“ fördern zu können.
Das AK Standort-Rating zeigt in der Debatte um die Wahlfreiheit der Eltern ein differenziertes Bild: „Für viele ist diese Freiheit reine Theorie“, so Heinzle. „Fast 30 Prozent der Mütter würden ihr Erwerbsausmaß gerne erhöhen, finden aber keine passenden Rahmenbedingungen vor. Wenn Öffnungszeiten nicht mit der Arbeitswelt korrespondieren, ist die Entscheidung gegen den Beruf kein freier Wunsch, sondern ein Mangel an echten Alternativen.“
Dass es beim Ausbau der frühen Bildung nicht nur um Plätze, sondern um die Substanz geht, hat die jüngste Personalbefragung der AK gezeigt: „Fast jede fünfte Fachkraft gibt an, den eigentlichen Bildungsauftrag unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht mehr ausreichend erfüllen zu können“, hält Heinzle fest. Kritisch ist die Lage bei Kindern mit besonderem Förderbedarf: Hier geben 81 Prozent der Pädagog:innen an, dass die notwendigen Ressourcen fehlen.
Die Entwicklung und Verteilung der Einkommen können aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet werden. Das AK Standort-Rating zeigt mehrere davon auf. Vorarlberg hat
In der aktuellen Lage ist also wichtig: Wo wird eingespart? Wen trifft es? Wer zahlt? Der Wohlstand ist ungleich verteilt, die Last muss demensprechend verteilt werden!
Frühe Bildung steht im Spotlight des diesjährigen AK Standort-Ratings. Nicht nur, weil wir nicht müde werden, darauf hinzuweisen, dass der Ausbau und die Nutzung in Vorarlberg hinterherhinkt – sondern: Weil es der Schlüssel zu mehr Chancen für unsere Kinder, mehr Gleichberechtigung und Gleichstellung für Frauen & höherer Produktivität und Wohlstand ist.
Erwerbspotentiale ausschöpfen
Die Zwickmühle: Hohe Fixkosten treffen auf stagnierende Chancen
Das AK Standort-Rating verdeutlicht zudem, wie sehr die Problemfelder ineinandergreifen: Bei massiv steigenden Wohnkosten wird der Bildungszugang zur Existenzfrage.
AK Experte Dominic Götz warnt hier vor einer gefährlichen Dynamik: „ Während Fachkräfte nach einer Krise meist rasch wieder Beschäftigung finden, droht Hilfsarbeitskräften immer öfter die Langzeitarbeitslosigkeit. Das Vorarlberger ‚Modell‘ – hohe Industrielöhne auch ohne Ausbildung – funktioniert in der Krise nicht und entzieht vielen Familien die wirtschaftliche Basis.“
Wenn das Leben in Vorarlberg am teuersten ist, muss die Unterstützung bei der Bildung am besten sein“, betont AK Präsident Heinzle. „Investitionen in die Elementarpädagogik wirken doppelt: Sie sichern die Zukunftschancen der Kinder und ermöglichen ihren Eltern, sich durch Erwerbsarbeit wirtschaftlich abzusichern.“
Die AK Vorarlberg fordert von der Landespolitik einen verbindlichen Stufenplan statt einer Politik, die an der Lebensrealität vorbei geht:
„Ein Standort ist nur so stark wie die Perspektiven, die er der nächsten Generation bietet“, mahnt Heinzle. „Das Ziel ‚chancenreichster Lebensraum‘ muss mehr sein als ein Slogan, es muss ein Versprechen sein, das in der täglichen Realität der Vorarlberger Familien eingelöst wird.“
Bei Fragen zum AK Standort-Rating und für weiterführende Informationen erreichen Sie uns unter
E-Mail interessenspolitik@ak-vorarlberg.at
Telefon +43 (0) 50 258 4100 oder +43 (0) 5522 306 4100
Mo-Fr 8 bis 12 Uhr Mo-Do 13 bis 16 Uhr
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