Das Manifest der Arbeit kam Samstagnacht ans Licht: So wollen wir künftig „schaffa“. © AK
Das Manifest der Arbeit kam Samstagnacht ans Licht: So wollen wir künftig „schaffa“. © AK

Vom „Man sollte“ zum „Wir schaffen!“

AK-Festival Schaffarei gipfelt in Manifest der Arbeit.

Vom 29. bis 31. August 2019 haben tausende Menschen in Hard die Arbeit gefeiert. Tagsüber erarbeiteten rund 40 Vordenkerinnen und Vordenker ihre Vision der Zukunft der Arbeit. So entstand in der Schaffarei der AK – Vorarlbergs erstem Festival der Arbeitskultur – ein Text, der jeden Menschen in Vorarlberg in die Pflicht nimmt. 

Sich die Zukunft der Arbeit vorstellen? Das macht vielen Angst. Andere entfalten ein Wunschkonzert: So soll sie sein, die Arbeit in 20, 30 Jahren. Das alles braucht man dazu, und schon werden Politik und Wirtschaft, Gesellschaft und Institutionen verpflichtet. Das Manifest der Schaffarei liest sich völlig anders. Nicht „Man sollte…“ steht anonym vor einer Unzahl von Forderungen. Was der Tiroler Poetry-Slamer Stefan Abermann Samstagnacht quasi druckfrisch mit einer Handvoll Autorinnen und Autoren vortrug, listete vielmehr Ziele auf und Handlungsmaximen. „Wir schaffen…“, so beginnt jeder der neun Punkte.  

Dem Menschen dienen

Die AK hatte die Verfasserinnen und Verfasser des Manifests gebeten, sich durch nichts beirren zu lassen. Nachts gehörte die Bühne der Schaffarei Künstlern wie Keziah Jones, Nneka und George Nussbaumer. Tausende Festivalbesucher waren begeistert. Tagsüber beriet das Kollektiv, „ohne dass wir ihnen zuvor die Welt erklärt hätten“, sagt AK-Präsident Hubert Hämmerle. Es galt vielmehr, die gemeinsame Sicht dieser zusammengewürfelten Gruppe zu gewinnen. Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Schüler und Studenten, Frauen und Männer – bunter hätte das Manifest-Kollektiv kaum sein können. Nach drei Tagen haben sie zusammen ein Manifest verfasst, das jeden einzelnen in die Pflicht nimmt. 

Schaffarei-Manifest

Präambel: Wir schaffen es, den bestehenden Menschenrechten im täglichen Handeln zum Durchbruch zu verhelfen.

  1. Wir schaffen Raum für Diskurs über Wirtschaft, in dem das Wohl der Gesellschaft im Vordergrund steht. Finanzieller Profit ist diesem untergeordnet.
  2. Wir schaffen neue Arbeitsmodelle, um Arbeit und Leben vereinbar zu machen.
  3. Wir schaffen neue Zugänge und Prozesse zur politischen Mitgestaltung.
  4. Wir schaffen am gesellschaftlichen Konsens, damit Arbeit für alle ohne Diskriminierung möglich ist.
  5. Wir schaffen es, dass wir die Gesetze rund um das Wohl von Menschen und Natur erweitern und konsequent durchsetzen.
  6. Wir schaffen es, konsequent unsere Lebensweise und unsere Arbeitsprozesse so zu verändern, dass die Natur und somit unser Lebensraum intakt bleibt.
  7. Wir schaffen eine Arbeitskultur, in der freie Entfaltung, Entlastung und Sicherheit durch Technologie gefördert wird.
  8. Wir schaffen Räume für persönliche Begegnung, die den kulturellen sowie kreativen Austausch ermöglichen.
  9. Wir schaffen ein Bildungsumfeld, das den Menschen von Geburt an bei der Entfaltung ihrer und seiner Talente unterstützend begleitet.

Die Schaffarei 2019 der AK Vorarlberg hat damit in Hard das Kapitel „Zukunft der Arbeit“ aufgeschlagen und wird es zusammen mit den Menschen weiterschreiben. Das ist das Herzstück des Innovationsprozesses, dem sich die AK heuer unterworfen hat. „Denn wir Arbeitnehmer wollen die Zukunft der Arbeit mitgestalten“, betont der AK-Präsident, „wir haben ein Recht darauf.“

Hinweis: Umfassende Informationen zur Schaffarei und zur Zukunft der Arbeit finden Interessierte unter schaffainvorarlberg.at im Internet.


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