Neuer Lack auf alten Pyramidenspielen

Quasi über Nacht reich werden. Das versprechen die Betreiber von Multi-Level-Marketingsystemen (MLM) allzu gerne. In Wirklichkeit verstecken sich hinter dem modernen Lack altbekannte Pyramidenspiele, in die viele Menschen viel Geld investieren und verlieren. Denn Gewinner sind nur diejenigen, die an der Spitze des Systems stehen. Die unten an der Basis zahlen drauf, wenn das System kollabiert, weil kein frisches Geld mehr aufzutreiben ist. Übrig bleiben meist Schulden, zerstrittene Familien und zerstörte Beziehungen zu Verwandten und Freunden.

Bereits im Oktober 2018 hat der Oberste Gerichtshof (OGH) entschieden, dass es sich bei Lyconet um ein verbotenes Pyramidenspiel handelt. Seither gibt es seitenweise Urteile gegen das Unternehmen, das früher einmal Lyoness hieß. Weil beide Marken durch Urteile und Medienberichte immer mehr beschädigt wurden, gründete man schließlich die „Cashback World“. Und das Anwerben von Kunden, denen das schnelle Geld in Aussicht gestellt wird, geht munter weiter. Auch im Ländle.

Erst im Jänner keilten in einem Bregenzer Hotel bei einer als „Businessinfo“ genannten Veranstaltung neue Lyconet-Kunden. Zu Bregenz hat der MLM-Konzern eine besondere Beziehung: Das Schwesterunternehmen Cashback World“ ist Premiumpartner des örtlichen Handballclubs. Das soll einerseits Seriosität vermitteln, andererseits zeigt es aber auch deutlich, dass mit dem System viel Geld umgesetzt wird. Der Sportverein lädt seine Fans ein, an dem Cashback-Programm teilzunehmen und dadurch bei Partnerunternehmen Rabatte zu lukrieren. Aber das ist nicht der Punkt.

Das Cashback-Versprechen dient nur als Motor, sich auf das Lyconet-System einzulassen. Wer dort ein Business-Paket (2.000 bis 2.400 Euro teuer) erwirbt oder seine „Mitgliedschaft“ monatlich bezahlt, dann andere – Verwandte und Freunde – überzeugt, das gleiche zu tun, oder neue Partnerunternehmen wirbt, wird über ein intransparentes Beteiligungs- und Provisionssystem angeblich in barer Münze belohnt.  

„Allein die Anwendung der Grundrechenarten macht einem klar, dass die Rechnung für jemanden als hinteres Glied einer langen Kette nicht aufgehen kann“, erklärt Mag. Paul Rusching von der AK-Konsumentenberatung. Warnungen, kritische Berichte im Fernsehen, reihenweise Verurteilungen – trotzdem finden Lyconet und ähnliche Betreiber immer wieder neue Opfer.  

„Sag nichts den Eltern!“

Einer der jüngsten Fälle der Konsumentenschützer zeigt drastisch eine bislang wenig beachtete Facette des unlauteren Treibens. Ein noch minderjähriges Mädchen hatte bei Lyconet angeheuert. Die Mutter fiel angesichts der Kosten und der windigen Versprechen aus allen Wolken. Eine Aussprache mit der Tochter bewirkte jedoch genau das Gegenteil des Erhofften: Die Tochter reagierte völlig unzugänglich und distanzierte sich von ihrer Mutter. Teilnehmer von Lyconet-Veranstaltungen berichten, dass Jugendliche genau für solche Situationen vorbereitet und mit Argumenten gefüttert werden: „Sag nichts deinen Eltern, die haben sowieso keine Ahnung!“

Kommerzialisierung der Familie

Der amerikanische Buchautor, MLM- und Pyramidenspielexperte Robert L. Fitzpatrick entlarvt dann auch als eine der „10 großen Lügen“ folgende: Erfolg im MLM sei leicht, denn Freunde und Verwandte seien die natürlichen Möglichkeiten. Die die sie lieben und fördern, werden ihre Kunden auf Lebenszeiten. Die Wahrheit ist: Die Kommerzialisierung der Familie und des Freundeskreises oder der Gebrauch „warmer Verbindungen“, wie sie die MLM-Programme fordern, sind ein zerstörendes Element innerhalb der menschlichen Gemeinschaft und sehr schädlich für die betroffenen Personen. Sie können laut Fitzpatrick einem Menschen gar die sozialen Grundladen entziehen.


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