Wir brauchen: Sicherheit am Arbeitsplatz
Wie war es früher?
Schutzbestimmungen in Betrieben? Das gab es im 19. Jahrhundert kaum. Das Leben und die Gesundheit von Arbeitenden hing von der Gunst ihrer Chefs ab.
Ein einprägsames Beispiel: Die Zündholzproduktion.
Zwölf bis 14 Stunden am Tag, 6 Tage die Woche schufteten die Arbeiter:innen. Sie wurden permanent überwacht und kleine „Fehler“, z.B. wie das Fallenlassen eines Werkstücks oder das Sprechen untereinander, wurden mit willkürlichem Lohnabzug bestraft. Noch schlimmer, es herrschte unmittelbare Lebensgefahr! Denn um die Streichhölzer herzustellen, tauchten die Arbeiter:innen Pappelhölzer in weißen Phosphor, der hoch giftig und krebserregend ist.
Die Folge: Den Arbeiter:innen fielen die Haare aus, ihre Zähne eiterten, ihre Kiefer- und Schädelknochen verrotteten. Erst 1885 wurden in Österreich Hygienevorschriften für die Verwendung von weißem Phosphor erlassen. Es dauerte weitere knapp 25 Jahre bis in Österreich 1909 das Verbot beschlossen wurde.
Das haben wir erreicht
Jede kleine Verbesserung bis zu unserem heute recht hohen Sicherheitsniveau musste hart erkämpft werden. Wichtige Meilensteine war 1973 und dann neu 1994 das ArbeitnehmerInnenschutzgesetz, oder auch die bessere Stellung des Arbeitsinspektorats seit 1974. und das heutige ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG) von 1994. Heute sind Arbeitnehmer:innen vor gefährlichen Chemikalien und Arbeitssituationen, vor riskanten Maschinen und schweren gesundheitlichen Belastungen gut geschützt.
Trotzdem: Immer noch sind in Österreich laut Statistik Austria rund 3,7 Mio. Erwerbstätige am Arbeitsplatz zumindest einem körperlichen und/oder psychischen Risikofaktor ausgesetzt, das entspricht rund 86 Prozent.
Forderungen der AK
Besonders psychische Belastungen, Erkrankungen und Erschöpfungszustände haben in den letzten Jahrzehnten extrem zugenommen. Der hohe Arbeitsdruck und die zunehmende Arbeitsintensität der schnellen, modernen Arbeitswelt hat dazu geführt, dass sich die Krankenstandstage aus psychischen Gründen zwischen 1994 und 2025 verfünffacht haben.
Nach wie vor bestehen auch in anderen Sicherheits- und Gesundheitsfragen Mängel: Schwarzen Schafen unter den Arbeitgeber:innen drohen viel zu wenige Konsequenzen, dem Arbeitsinspektorat fehlen Ressourcen für strengere Kontrollen. Bestehende Regeln, wie etwa die Evaluierung psychischer Belastungen, werden so oft nicht eingehalten. Neue Herausforderungen wie die Sommerhitze am Arbeitsplatz oder der zunehmende Leistungsdruck machen neue mutige Schritte notwendig.
Ziel ist eine Arbeitswelt, die Sicherheit, Gesundheit und Mitbestimmung stärker in den Mittelpunkt stellt.