
AK Nachhilfe-Monitoring 2025: Bezahlte Nachhilfe in Vorarlberg auf Rekordhoch
Das neue Schuljahr steht bevor – für viele Eltern bedeutet das auch zusätzliche Kosten: Beinahe jedes vierte Kind in Vorarlberg nimmt bezahlte Nachhilfe. Das zeigt das repräsentative AK Nachhilfe-Monitoring, in welchem die Nachhilfesituation von fast 500 Vorarlberger Schüler:innen von der Volksschule bis zu den Maturaklassen erhoben wurde. Ausgenommen waren Berufsschulen, Akademien und Schulen im Gesundheitswesen. Eltern sind zunehmend belastet, die Kosten betragen rund neun Millionen Euro jährlich. Die AK Vorarlberg fordert den Ausbau kostengünstiger Ganztagsangebote, die Ermöglichung einer Modellregion zur gemeinsamen Schule und einen vermehrt lernzentrierten Unterricht.
In Vorarlberg hat im zurückliegenden Schuljahr 2024/25 beinahe jedes vierte Kind bezahlte Nachhilfe in Anspruch genommen, eine Steigerung um acht Prozentpunkte im Vergleich zu 2022. Die Kosten für die Eltern in Vorarlberg belaufen sich auf rund neun Millionen Euro jährlich, was viele Haushalte finanziell stark belastet.
Die AK Vorarlberg setzt sich angesichts dieser Entwicklung für ein gerechteres Bildungssystem und eine Entlastung der Familien ein. Konkret fordert die AK den Ausbau kostengünstiger Ganztagsangebote, die Ermöglichung einer Modellregion zur gemeinsamen Schule und einen vermehrt lernzentrierten Unterricht.
Nachhilfebedarf steigt in Vorarlberg deutlich an
Das aktuelle AK Nachhilfe-Monitoring, eine repräsentative Studie des Instituts für empirische Sozialforschung (IFES) im Auftrag der AK Vorarlberg und der Bundesarbeitskammer, offenbart eine Entwicklung: Mit 23 Prozent hat im laufenden Schuljahr 2024/25 beinahe jedes vierte Kind in Vorarlberg bezahlte Nachhilfe oder Lernhilfe in Anspruch genommen. Dies entspricht einem Anstieg von acht Prozentpunkten gegenüber dem Jahr 2022, als 15 Prozent der Schüler:innen bezahlte Nachhilfe in Anspruch nahmen. Zählt man die Nutzung von privater unbezahlter und Gratisnachhilfe dazu (ohne Berücksichtigung des Förderunterrichtes an Schulen) nutzen mehr als ein Drittel (35 Prozent) aller Vorarlberger Schulkinder Nachhilfeangebote.
In absoluten Zahlen bedeutet dies hochgerechnet für Vorarlberg eine Zunahme von 7.000 auf rund 12.000 Schüler:innen, die bezahlte Nachhilfe nutzen. Hinzu kommen hochgerechnet rund 1.900 Schüler:innen die gerne eine bezahlte Nachhilfe gehabt hätten, aber im vergangenen Jahr kein Angebot in Anspruch nehmen konnten. Besonders bedenklich: Bereits in der Volksschule erhält jedes fünfte Schulkind bezahlte Nachhilfe. Insgesamt benötigen oder erhielten rund 19.000 Schüler:innen in Vorarlberg bezahlte oder unbezahlte Nachhilfe. Damit liegt der Gesamtbedarf im Land bei fast vier von zehn Schüler:innen.
Kosten belasten: 790 Euro pro Nachhilfe-Schulkind und Jahr
Die steigende Nachfrage geht mit erheblichen finanziellen Belastungen für Vorarlberger Familien einher. Im Durchschnitt zahlen Eltern rund 790 Euro pro Nachhilfe-Schulkind und Jahr für bezahlte Nachhilfe – ein deutlicher Anstieg gegenüber den 580 Euro im Jahr 2022. Die Gesamtausgaben für Nachhilfe in Vorarlberg belaufen sich nach Schätzungen des IFES auf jährlich rund neun Millionen Euro. Etwa die Hälfte der Haushalte, die in Nachhilfe investieren, fühlen sich durch diese Kosten finanziell spürbar belastet. Für 44 Prozent der Eltern, die gerne bezahlte Nachhilfe für ihre Kinder gehabt hätten, waren Kostengründe ausschlaggebend, diese nicht in Anspruch nehmen zu können. 46 Prozent haben niemanden für Nachhilfe gefunden.

„Wir müssen uns überlegen, was das für die Gerechtigkeit in unserem Bildungssystem bedeutet und wie wir die Schule so gestalten können, dass der Stoff im Unterricht verinnerlicht wird und nicht zu Hause oder beim Privat-Nachhilfelehrer“, gibt AK Präsident Bernhard Heinzle zu bedenken. „Der Zugang zu Nachhilfe oder zur Nachmittagsbetreuung darf nicht länger von der Geldbörse der Eltern abhängig sein. Damit verbauen wir nicht nur jungen Menschen Chancen, sondern verschenken auch noch Potenziale für unseren Wirtschaftsstandort. Das ist ungerecht und unvernünftig.“
Kinder greifen vermehrt zu Künstlicher Intelligenz
63 Prozent der Vorarlberger Eltern unterstützen ihre Kinder mindestens einmal wöchentlich beim Lernen oder den Hausaufgaben. Gleichzeitig geben mehr als ein Viertel der Eltern an, dass es ihnen schwerfällt, ihren Kindern beim Lernstoff zu helfen. Wo Eltern an ihre Grenzen stoßen, suchen sich viele Kinder alternative Wege: 46 Prozent der Vorarlberger Kinder nutzen laut Angaben ihrer Eltern zumindest teilweise Künstliche Intelligenz zur Lösung von Schulaufgaben, zwölf Prozent regelmäßig.
Nachhilfe ist nach wie vor primär in Mathematik gefragt (62 Prozent), gefolgt von Deutsch (30 Prozent) und anderen Fremdsprachen (27 Prozent). Damit liegt Vorarlberg nahe am Österreichschnitt. Die gute Nachricht: Die meisten Eltern geben an, dass die Nachhilfe auch tatsächlich etwas nützt. Besonders in Sprachen bemerken deutlich mehr als 90 Prozent der Eltern eine positive Wirkung von Nachhilfe. In Mathematik stellt einer von fünf Elternteilen keine positiven Veränderungen fest.
Mehr als die Hälfte der Nachhilfestunden dient der Notenverbesserung. In fast einem Viertel der Fälle geht es darum, eine Nachprüfung oder einen „Fleck“ im Zeugnis zu verhindern. Für jedes fünfte Kind ist das Ziel, möglichst gute Noten für den Wechsel in eine höhere Schule zu erzielen. „Notendruck ist ein entscheidender Grund für Nachhilfe“, erklärt AK Präsident Bernhard Heinzle. „Eine gemeinsame Schule nach der Volksschule würde Eltern und Kindern viel von diesem Notendruck ersparen.“
Keine Zeit für Fragen und Übungen im Unterricht
Eltern beurteilen den Schulunterricht in den Fächern, für die ihre Kinder Nachhilfe in Anspruch genommen hatten, als durchwachsen. Rund ein Drittel der Befragten gibt an, dass ihr Kind nicht weiß, was es üben soll, nicht ausreichend Feedback erhält und der individuelle Lernstand nicht ausreichend berücksichtigt wird. Zudem sei der Stoff oft zu umfangreich oder unverständlich erklärt. Besonders besorgniserregend ist, dass rund 40 Prozent der betroffenen Eltern berichten, ihre Kinder trauten sich nicht, im Unterricht Fragen zu stellen, wenn der Stoff nicht verstanden wird. Ebenso viele Eltern geben an, dass es vor allem an Zeit für Fragen und Übungen im Unterricht fehlt.

„Von Kindern wird erwartet, dass sie nach der Schule etwas können und nicht nur etwas wissen. In den neuen Lehrplänen ist deswegen immer von Kompetenzen die Rede,“ erläutert AK Bildungsexperte Linus Riedmann. „Um diese entwickeln zu können, braucht es im Unterricht aber genügend Raum und Zeit fürs Üben. Durch einen verstärkt schüler:innenzentrierten Unterricht und eine Verlagerung der Aktivität vom Lehren zum Lernen können wir auf dieses Ziel hinarbeiten. Dafür braucht es mehr autonome Mittel für Schul- und Unterrichtsentwicklung, wir können die Schulen und Lehrpersonen hier nicht allein lassen.“
Die AK Vorarlberg fordert:
- Zugang zu Lernhilfe für alle ermöglichen und Kosten senken: Durch den Ausbau kostengünstiger oder kostenloser Nachhilfeangebote für alle Schüler:innen.
- Kostengünstige ganztägige Lern- und Betreuungsangebote: Um eine bessere Lernumgebung und Entlastung für Familien zu schaffen. Ganze 70 Prozent der Eltern wünschen sich ein flächendeckendes Angebot an Ganztagesschulen.
- Modellregion zur gemeinsamen Schule ermöglichen: Notendruck reduzieren und Bildungschancen für alle verbessern. Die Bundesregierung will die Einrichtung von schulischen Modellregionen erleichtern; das Land Vorarlberg muss diese Chance nutzen.
- Lernen und Üben in der Schule, nicht zu Hause: Können braucht Übung: Schule muss so gestaltet werden, dass genügend Zeit und Raum für die Festigung und Übung des Stoffs bleibt. Schul- und Unterrichtsentwicklung müssen verstärkt gefördert werden.
- Evaluation des Mathematikunterrichts: Die Zahlen zeigen: Eine offene Debatte über Inhalte und Vermittlung von mathematischen Kompetenzen ist notwendig.
„Die Landesregierung hat in ihrem Arbeitsprogramm versprochen, die Nachhilfeförderung zu evaluieren. Ich erwarte mir angesichts der vorliegenden Zahlen mehr als nur ein ‚weiter wie bisher‘“, erinnert AK Präsident Bernhard Heinzle. „In der Bildungspolitik wäre das Land gut beraten, auf die Forderungen der Eltern zu hören.“ Heinzle betont, dass der Bund mit dem Chancenbonus, der Brennpunkt-Schulen mit mehr Ressourcen ausstattet, gerade ein Konzept der AK umsetzt. „Wenn Vorarlberg bildungspolitisch ebenso in die Gänge kommt, bewegen wir uns vielleicht tatsächlich in Richtung mehr Chancenreichtum.“
Kostenlose AK Lernhilfe in den Sommerferien
Die AK Vorarlberg unterstützt Schüler:innen sowie Eltern mit kostenlosen Lernhilfen in den Sommerferien. Dieses Angebot richtet sich an Schüler:innen der Mittelschule und der AHS-Unterstufe in den Fächern Mathematik, Deutsch und Englisch. In diesem Jahr wurden 90 Kinder zur AK Lernhilfe angemeldet. Damit sind erneut alle Plätze ausgebucht – ein Beleg dafür, wie dringend das Angebot gebraucht wird. Die kostenlose AK Lernhilfe bietet eine konkrete und wirksame Unterstützung, um dem steigenden Nachhilfebedarf entgegenzuwirken und Bildungschancen für alle zu sichern.
Kontakt
Kontakt
AK Vorarlberg
Öffentlichkeitsarbeit
Widnau 4
6800 Feldkirch
Telefon +43 (0)50 258 1600
oder 05522 306 1600
Fax +43 50 258 1601
E-Mail presse@ak-vorarlberg.at