6.2.2025
Konsum
Kampagne für die verzweifelten Opfer höchst unseriöser Finanzdienstleister
Beratung,Fake,Konsum
Keimt da Hoffnung auf „Geld zurück“? Vorarlberger:innen haben horrende Summen verloren, weil sie Plattformen von Payvision PV oder BARAK (Wolf of Sofia) und LENHOFF vertrauten. Nun bittet eine österreichische Initiative die Opfer, die mehr als 3000 Euro verloren haben, sich zu melden. U. a. sind in Köln Millionen aufgetaucht.
Der Verein zur Bekämpfung von Cyberkriminalität gegen Kleinanleger und Verbraucher (EFRI) wurde 2020 in Wien gegründet und vertritt derzeit 464 Opfer der Betrugssysteme Gai BARAK/Uwe LENHOFF, darunter 96 österreichische Opfer. Die Erfahrungen decken sich mit denen der AK Vorarlberg. Hier hat Paul Rusching wieder und wieder Fälle bearbeitet, die man kaum nachvollziehen kann. Hier nur eines der zahlreichen Beispiele.
In diesem Beitrag
Mit 20 Euro zum Millionär
Konto plötzlich auf Null
Recovery? Von wegen!
Inzwischen gelten Verbote
Vorsicht bei Hilfsangeboten!
EFRI zählt nicht dazu
Erfolgsgarantie gibt es nicht
Wer an einer Teilnahme an der Initiative von EFRI interessiert ist, meldet sich unter office@efri.io.
Mit 20 Euro zum Millionär
Herr A. wird im Internet auf eine Anzeige aufmerksam: „Mit 20 Euro zum Millionär“ – klingt das nicht super? Man kann es ja mal versuchen, denkt er sich: Einfach anmelden und schauen, was passiert. Herr A. überweist 250 Euro auf ein Konto und wird blitzartig kontaktiert.
Binäre Optionen verheißen den Geldsegen. Das sind hochspekulative „Finanzprodukte“, bei denen auf die Kursentwicklung „gewettet“ wird. Statistisch gesehen ist die Verlustwahrscheinlichkeit deutlich höher als die eines möglichen Gewinns. „Zumal bei negativem Ausgang ein Totalverlust eintritt und bei Erfolg die Rendite deutlich unter 100 Prozent liegt“, ergänzt Rusching.
Konto plötzlich auf Null
Aber Herr A. wird nach allen Regeln der Kunst eingeseift. Erst agiert er noch vorsichtig, dann überweist er immer mehr Geld. Seine Gesprächspartner:innen sind so einfühlsam. Immer wieder zaubern sie besondere „Zuckerl“ wie etwa den Black Friday aus dem Hut. Als er scheinbar 50.000 Euro Guthaben angehäuft hat, würde er gerne auf das Geld zugreifen. Da ändert sich alles schlagartig. Absurde Telefonate, Schreiduelle und am Ende steht als Schwarzer Peter ein den anderen Betrogenen sattsam Bekannter: der Broker Bastian Meister. Der habe sich verspekuliert. Deshalb stehe das Konto von Herren A jetzt wieder auf null. In weiterer Folge begibt sich das Konto auf eine erstaunliche Berg- und Talfahrt. Um sein eingesetztes Geld zu retten, setzt Herr A. panisch immer höhere Beträge ein.
Oft mangelt es am Grundwissen, dann greifen potenzielle Anleger zu gefährlich schillernden Produkten. Der AK Konsumentenschutz setzt sich mit riskanten Anlagen auseinander.
Recovery? Von wegen!
Das Ende ist bitter. Als letzten Ausweg bieten ihm die Betrüger einen „Recovery-Plan“ an. Dies benötige aber wieder eine Zahlung von 50.000 Euro. Herr A. steht mittlerweile fingerdick in der Kreide. Seine Hausbank verweigert ihm jeglichen Kredit. Er holt ihn sich woanders. Aber auch dieses Geld sieht er nie wieder. Fazit: Insgesamt wird der Geschädigte um rund 270,000 Euro betrogen. Er hat alles verloren – seine Erbschaft, Abfertigungszahlungen, einfach alles.
„Das Schlimme ist“, sagt Paul Rusching von der AK, „dass das kein Einzelfall ist.“ Herr B., ebenfalls ein Opfer des ominösen Bastian Meister, hat 200.000 Euro verloren. Eine Frau aus Dornbirn verliert an Option888 rund 47.000 Euro, ein Götzner 191.000 Euro, ein Montafoner mehr als 270.000 Euro, ein Mann im Walgau beinah 30.000 Euro. Die Liste ist lang.
Inzwischen gelten Verbote
Je schlechter die wirtschaftliche Lage, desto größer wächst die Sehnsucht nach plötzlichem Reichtum. Politik und Behörden haben inzwischen Schritte gesetzt. Wegen der hohen Risiken für Anleger und dem zunehmend grenzüberschreitenden Handel mit diesen Finanzprodukten warnt die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA – European Securities and Markets Authorities) nun generell und europaweit vor binären Optionen und ähnlichen Finanzprodukten. In Belgien ist der Handel mit binären Optionen seit 2016 bereits untersagt. Die ESMA kündigte am 27. März 2018 an, binäre Optionen in der Europäischen Union zu verbieten. Seit dem 2. Juli 2018 sind somit Vermarktung, Vertrieb und Verkauf binärer Optionen an Privatkunden untersagt.
»Das Schlimmste ist daran, dass das kein Einzelfall ist.«
Paul Rusching
AK Experte
Vorsicht bei Hilfsangeboten!
Ende gut, alles gut? Keineswegs. Kriminelle haben längst eine neue Chance gewittert und bieten Geprellten nun wortreich ihre Hilfe an. Sie setzen an der Verzweiflung der Opfer an und bieten ihre Hilfe bei der Rückforderung der verlorenen Geldsummen an. Dafür müssen die Opfer aber eine Vorauszahlung leisten. So ein „Recovery-Plan“ hat auch Herrn A. den letzten Cent kostet. Meist stehen dieselben zwielichtigen Personen hinter dem Hilfsangebot, die auch die Plattformen zum Anlagen- und Investitionsbetrug betreiben. Sie gründen Scheinunternehmen und schalten Werbeanzeigen. Auch rufen sie Opfer direkt an oder schicken ihnen Mails. Mit ihren gesammelten Kontaktdaten ist das kein Problem. In einschlägigen Foren und auf Webseiten berichten erfundene Kommentare von positiven Erfahrungen mit den vermeintlichen „Recovery-Dienstleistern“. Dem Betrug folgt also der Betrug, wie eine Art hämischer Todesstoß, gewissermaßen. Längst sind die Daten von Geschädigten unter den Betrugsunternehmen zu einer begehrten Ware geworden. Zynischer geht es kaum.
EFRI zählt nicht dazu
Dagegen kämpft die Initiative EFRI. Mit Kampagnen, vor Gericht, Seite an Seite mit Konsumentenschutz und Bundeskriminalamt. Wer Fragen zur Seriosität von EFRI hat, kann sich jederzeit an das „Landeskriminalamt Niederösterreich“ unter der Telefonnummer 059133-30-3333 wenden. EFRI wendet sich vor allem an Geschädigte, die vorwiegend durch den Zahlungsdienstleister Payvision BV 3000 Euro oder mehr verloren haben. Nach Möglichkeit schreibt EFRI rund 2000 Opfer in Österreich und Deutschland dieser Tage direkt an, ob sie sich an einer gemeinsamen Aktion beteiligen wollen.
Erfolgsgarantie gibt es nicht un
„Unsere Klage gegen Payvision BV, einem niederländischen Zahlungsinstitut, das den Großteil der Kreditkartenzahlungen für die Betrugssysteme durchgeführt hat, ist in den Niederlanden anhängig“, betont EFRI-Gründerin Elfriede Sixt. Bei der P2P GmbH – einer illegalen Geldsammelstelle, an die von Opfern per Banküberweisung Geld überwiesen wurde - hat die Staatsanwaltschaft Köln mehrere Millionen Euro sichergestellt. Die Staatsanwaltschaft Köln nimmt nun Forderungsanmeldungen für Opfer entgegen, die Gelder an die P2P GmbH überwiesen haben. EFRI hat mit der Staatsanwaltschaft Köln vereinbart, dass auch österreichische Opfer in diesem Verteilungsverfahren angemeldet werden können.
Erfolgsgarantie gibt es keine. Die Teilnahme an der Initiative ist freiwillig. EFRI arbeitet bei der Durchführung der rechtlichen Schritte mit einer Prozessfinanzierungsgesellschaft zusammen, die das gesamte Kostenrisiko übernimmt. Nur bei Erfolg sind 15 Prozent von den Rückerstattungen an den Prozessfinanzierer zu zahlen. Es fallen keinerlei sonstige Kosten an.
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