Ein Balkendiagramm in Form von verschieden hohen Häusern zeigt den Anteil am gemeinnützigen Wohnbau in den österreichischen Bundesländern. Die Werte steigen von links nach rechts an: Tirol (12,8 %), Vorarlberg (rot hervorgehoben mit 13,5 %), Burgenland (16,1 %), Steiermark (16,4 %), Salzburg (17 %), Niederösterreich (18,1 %), Oberösterreich (22 %), Kärnten (22,3 %) und Wien als deutlicher Spitzenreiter mit 41,7 %.
Viel Luft nach oben: Mit nur 13,5 Prozent belegt Vorarlberg den vorletzten Platz im Ranking des gemeinnützigen Wohnbaus. © AK Vorarlberg
2.10.2025
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Vom Vorurteil zur Chance: Warum Vorarlberg mehr gemeinnützigen Wohnbau braucht

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Gemeinnütziger Wohnbau schafft leistbaren Wohnraum für alle. Trotzdem ist sein Anteil in Vorarlberg so gering wie fast nirgendwo sonst. Warum ist das so? Und wieso lohnt es sich für uns alle, das endlich zu ändern?

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Das sind doch nur Sozialwohnungen … Die sind billig, aber schlecht gebaut … Da wohnen nur Leute mit Problemen – ­solche Vorurteile hört man über den gemeinnützigen Wohnbau immer wieder. Doch sie sind falsch und verhindern genau das, was es in Vorarlberg dringend braucht: mehr leistbaren Wohnraum.

Gemeinnütziger Wohnbau zählt zu den wirksamsten Mitteln, um in ­finanziell ­angespannten Wohnungsmärkten ein preisgünstiges Wohn­angebot zu ­schaffen, und das für breite Bevölkerungs­schichten. Von jungen Familien bis zum Senioren­pärchen. Von der Hochschul­absolventin, die ­gerade ins Berufsleben einsteigt, bis zum Busfahrer, der kurz vor der Pension steht.

Neben der finanziellen Entlastung für die Menschen bietet der gemein­nützige Wohnbau auch viele weitere ­Vorteile: Statt »Problemvierteln« entstehen in Wirklichkeit sozial durchmischte, ­lebendige Wohnquartiere. Angebote wie Gemeinschaftsräume, Spielplätze und Freiflächen ermöglichen Begegnungen und stärken das Miteinander. Der gemeinnützige Wohnbau erfüllt heute zudem höchste Standards bei Energieeffizienz und Ausstattung. Verdichtetes, energieeffizientes Bauen schont Flächen und senkt die Betriebskosten.

Gemeinwohl statt Gewinnmaximierung

Der vielleicht größte Vorteil des ­gemeinnützigen Wohnbaus? Den gemein­nützigen Bauträgern geht es nicht um maximalen Gewinn – sie orientieren sich an den tatsächlichen Kosten. Das Ergebnis: deutlich günstigere Mieten bei gleichzeitig höherer Wohnqualität. Überschüsse werden reinvestiert, um neue Wohnungen zu schaffen, statt in die ­Taschen von Investor:innen zu fließen. So wird Wohnraum dauerhaft für viele leistbar.

In Vorarlberg leben laut Statistik ­Austria nur zehn Prozent der Haus­halte in ­gemeinnützigen Miet­wohnungen. ­Aus­gerechnet in Vorarlberg, wo Wohnen ­immer teurer wird, hinkt der gemein­nützige Sektor hinterher. Vier Anbieter errichten jährlich 500 bis 550 neue ­Wohnungen – viel zu wenig, um den ­Bedarf zu decken. Zum Jahresende 2024 waren in Vorarlberg 6.126 Anträge auf eine gemeinnützige Wohnung offen. Ein klares Zeichen für den enormen Bedarf.

Rückhalt in der Bevölkerung

Die AK Wohnumfrage 2025 hat gezeigt, dass das Interesse in Vorarlberg mittlerweile bis weit in die Mittelschicht reicht, die verzweifelt nach bezahlbarem Wohnraum sucht. Mehr als 30 Prozent der ­Umfrageteilnehmer:innen haben ­Interesse an gemeinnützigen Miet­wohnungen. Viele lassen sich gar nicht mehr vormerken, weil sie die Hoffnung angesichts des ­fehlenden Angebots ­bereits aufge­geben haben.

Die Entwicklung der Wohnsituation in Vorarlberg zeigt, dass es im Land höchste Zeit ist für eine Forcierung des Sektors: Gemein­nütziger Wohnbau ist für leistbares Wohnen die Lösung. Vorurteile halten den Ausbau auf und lösen kein einziges Wohnungsproblem. Wer aufhört, in ­Klischees zu denken, und anfängt, in Chancen zu investieren, schafft leist­baren, qualitativ hochwertigen und nachhaltigen Wohnraum. Die AK ­Vorarlberg steht dabei fest an der Seite der Arbeitnehmer:innen – und appelliert an die Landespolitik: Treiben wir den Ausbau des gemeinnützigen Wohnbaus endlich voran!

Was die AK Vorarlberg fordert

  • Deutlich mehr gemeinnützige Mietwohnungen, um leist­baren Wohnraum langfristig zu sichern und soziale Wohnbauprojekte ­gezielt zu fördern
  • Zweckgebundene Verwendung von Wohnbauförderung und Rückflüssen, damit Fördermittel dem gemein­nützigen Wohnbau zugutekommen
  • Gesetzliche, finanzielle und ­organisatorische Verbesserungen, damit gemeinnützige Bauträger ­leichter Grund­stücke erwerben ­können
  • Ausschöpfung von Bundes­mitteln, um bestehende Förder­pro­gramme optimal zu nutzen und zusätzliche finanzielle ­Ressourcen zu aktivieren
  • Ausbau von Sanierungs­förder­ungen, damit bestehende Wohngebäude effizient modernisiert und langfristig erhalten werden können
  • Unbefristete Mietverhältnisse im ­gemeinnützigen Wohnungssektor

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