Ein Leiharbeiter schaut in seine leere Geldtasche ©  cineberg, AK Vorarlberg
Ökonomische Unsicherheit, Zukunftsängste, Verlust von betrieblicher Anbindung und längerfristig schlechtere Erwerbschancen: Leiharbeit bedeutet für Arbeitnehmer:innen nichts gutes © cineberg, AK Vorarlberg
31. März 2022
Arbeit

AK-Präsident Hubert Hämmerle: „Leiharbeit muss limitiert werden!“

AK-Präsident,AMS,Arbeit,Arbeitslosigkeit,Leiharbeit

Leiharbeit sollte ursprünglich Bedarfsspitzen abfedern. Heute dient sie zunehmend dazu, um Regelarbeitsverhältnisse zu umgehen. Deshalb muss sie limitiert werden.

Von 119.000 österreichweit beim AMS gemeldeten offenen Stellen sind 30.500 Leiharbeitsplätze. Immer öfter tritt Arbeitskräfteüberlassung an die Stelle stabiler Beschäftigungsverhältnisse. „Und das in Zeiten, in denen Verunsicherung und explodierende Preise nach Stabilität und höheren Löhnen verlangen“, betont AK-Präsident Hubert Hämmerle, der dringend eine Limitierung der Leiharbeit fordert.

Die Menschen beschäftigt vordergründig der Spritpreis. Mittelfristig drohen noch ganz andere Sorgen. So erwartet die Arbeiterkammer auch bei Grundnahrungsmitteln wie Weizen spürbare Preissteigerungen, die steigenden Energiekosten werden viele Produkte teurer machen.

Nach Berechnungen der Arbeiterkammer könnten sich die lebensnotwendigen Ausgaben über den Sommer hinweg um bis zu zehn Prozent verteuern, warnt Hubert Hämmerle. Entsprechende Lohn- und Pensionserhöhungen wird es daher dringend brauchen, allein schon um die Kaufkraft zu erhalten.

AK-Zeitspeicher © freshidea, Adobe Stock


Immer mehr Arbeitskräfte werden verliehen

Doch bedenkliche Entwicklungen zeigen in eine ganz andere Richtung: Am Arbeitsmarkt werden immer mehr Arbeitskräfte verliehen, statt dauerhaft angestellt. Konkret lag die durchschnittliche Beschäftigungsdauer in der Arbeitskräfteüberlassung österreichweit zwischen Juli 2020 bis Juni 2021 bei 190 Tagen statt 232 Tagen. Sie war damit um 42 Tage kürzer als im Vergleichszeitraum Juli 2019 bis Juni 2020. Für die betroffenen Arbeitnehmer:innen bedeutet das ständige ökonomische Unsicherheit, Zukunftsängste, Verlust von betrieblicher Anbindung und längerfristig schlechtere Erwerbschancen.

Leiharbeit sollte ursprünglich Bedarfsspitzen abfedern. Heute dient sie zunehmend dazu, um Regelarbeitsverhältnisse zu umgehen. Nach jedem Einsatzende droht erneut die Arbeitslosigkeit. Hämmerle fordert die Unternehmer deshalb auf, ihre soziale und moralische Verantwortung gegenüber ihren Beschäftigten wahrzunehmen. „Eine Limitierung der Leiharbeiter auf zehn Prozent der Belegschaft pro Firma (mit einem Mindestsockel von zwei Leiharbeitskräften für Kleinbetriebe bis 20 Beschäftigte) wäre dringend geboten.“

„Sich an den arbeitenden Menschen abzuputzen, könnte zum bedrohlichen Bumerang werden, wenn sich die Betroffenen das eines Tages nicht mehr gefallen lassen.“

Hubert Hämmerle

AK-Präsident


AK-Präsident Hubert Hämmerle © Mirko Kuzmanovic


Irritierendes Phänomen des Zwischenparkens

Ein besonders irritierendes Phänomen ist die Praxis, Arbeitnehmer:innen beim AMS zwischenzuparken. Das kurzfristige Kündigen und Wiedereinstellen schont den eigenen Säckel der Firmen auf Kosten der Allgemeinheit. Verhindert werden könnte das durch eine gerechtere Finanzierung der Arbeitslosenversicherung: Unternehmen, die Beschäftigte beim AMS „zwischenparken“ und dadurch hohe Kosten verursachen, sollten höhere Beiträge zur Arbeitslosenversicherung leisten.

„Wir stehen mitten in krisenhaften Zeiten“, betont Hämmerle, „die vor allem die Beschäftigten mit geringen Einkommen in die Armut treiben. Gerechte Entlohnung – 1700 Euro netto gesetzlicher Mindestlohn in Vollzeit – und stabile Beschäftigungsverhältnisse sind ein Gebot der Stunde. Sich jetzt an den arbeitenden Menschen abzuputzen, könnte indessen zum bedrohlichen Bumerang werden, wenn sich die Betroffenen das eines Tages nicht mehr gefallen lassen.“

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