Mann in Werkstatt © Andrea Piacquadio, Pexels
Die Realität nicht länger ausblenden: Es braucht dauerhafte Beschäftigungsprogramme! © Andrea Piacquadio, Pexels
8. Februar 2022
Soziales

Langzeitarbeitslosen Perspektiven geben

Arbeit,Arbeitslosigkeit,Interessenvertretung,Solidarität

Nicht alle fassen in der Arbeitswelt wieder Fuß: AK Vorarlberg fordert für Betroffene von Langzeitarbeitslosigkeit dauerhafte Plätze in sozialökonomischen Betrieben.

Der Arbeitsmarkt erholt sich weiter. Nur die Langzeitarbeitslosen profitieren nicht davon. Sie drohen auf der Strecke zu bleiben, wenn sich der Staat nicht endlich zu dauerhaften Beschäftigungsprogrammen durchringt, betont AK-Präsident Hubert Hämmerle.

Reihum stehen die Zeichen auf Erholung, nur die Zahl der Langzeitarbeitslosen hat sich kaum verringert. Im Dezember waren es immer noch 2543 Frauen und Männer, die seit einem Jahr oder länger nach Arbeit suchen, Tendenz leicht steigend. Dass das AMS nun 6,5 Millionen Euro für Langzeitarbeitslose investieren will, um sie in Einzelgesprächen und Coachings wieder fit für den ersten Arbeitsmarkt zu machen, begrüßt Hämmerle. „Aber das löst das Problem nicht.“

Arbeitslosigkeit – was jetzt zu tun ist! © Rafael Ben-Ari, Adobe Stock


Blick nicht vor der Realität verschließen

Die AK Vorarlberg fordert die Verantwortlichen schon lange auf, den Blick nicht länger vor der Realität zu verschließen. „Nicht alle Langzeitbeschäftigungslosen werden wieder Arbeit finden“, sagt Hämmerle. Ihre Chancen am Arbeitsmarkt waren schon vor der Corona-Krise äußerst  gering und gehen aufgrund der aktuellen Situation nahe null. Geringe Qualifikation, gesundheitliche Probleme und hohes Alter sind schwer oder nicht überwindbare Hürden bei der Arbeitssuche und die Konkurrenz wächst jeden Tag.

„Das ist schlichtweg entwürdigend. Wäre es  nicht bedeutend klüger, Beschäftigung zu finanzieren statt Arbeitslosigkeit?“

Hubert Hämmerle

AK-Präsident

AK-Präsident Hubert Hämmerle © Mirko Kuzmanovic

Jetzt aber sind diejenigen, die es in einen sozialökonomischen Betrieb wie etwa die Integra geschafft haben, gezwungen, sich nach einem Jahr Beschäftigung wieder für 365 Tage in die aussichtslose Suche zu begeben, ehe sie erneut ein Jahr in einem sozialökonomischen Betrieb unterkommen.

Bei der Integra allein sind 60 Prozent der rund 1.500 Klient:innen solche Wiederkehrer. „Das ist schlichtweg entwürdigend“, betont Hämmerle und fragt: „Wäre es  nicht bedeutend klüger, Beschäftigung zu finanzieren statt Arbeitslosigkeit?“

Produktive Jobs im öffentlichen Bereich

Denn es könnten durchaus produktive Jobs im öffentlichen Bereich geschaffen werden. Es ließen sich gezielt jene öffentlichen Dienstleistungen forcieren, die wir in Zukunft dringend brauchen. Vor allem in Betreuungsberufen besteht ein riesiger Bedarf. Möglich wären etwa auch administrative Dienste in Schulen, im Energiesparbereich oder bei der Bekämpfung der Klimakrise. Es sollten in all diesen Bereichen nur Jobs geschaffen werden, die nicht ohnehin entstanden wären. Im Ländle würden rund 1000 solcher Arbeitsplätze gebraucht, die dauerhafte Beschäftigung garantieren, bei älteren Langzeitarbeitslosen auch bis zum Pensionsantritt.

Die höheren Kosten durch eine staatlich finanzierte Beschäftigung sind überschaubar. Schließlich sparte sich die öffentliche Hand Notstandshilfe. Die Einkommen der Betroffenen drückten sich auch in erhöhten Konsumausgaben und Sozialversicherungsbeiträgen aus. Auch erfolgreiche Beispieel gibt es, etwa das niederösterreichische Modellprojekt Marienthal, das den Langzeitarbeitslosen von Gramatneusiedl im Oktober 2020 eine Jobgarantie versprach. Bereits ein Jahr später gab es dort keine Langzeitarbeitslosen mehr.

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