4.000 Vorarlberger*innen suchen seit über einem Jahr nach Beschäftigung

Je nach statistischer Definition unterscheidet sich die Größenordnung der diskutieren Zahlen, die Entwicklungen sind aber, unabhängig der Definition, dramatisch. Zu unterscheiden ist dennoch wichtig.

Definition Langzeitarbeitslosigkeit 
In Österreich werden Personen, die über 365 Tage arbeitslos gemeldet sind, als langzeitarbeitslos gezählt. Unterbrechungen bis 28 Tage (zum Beispiel durch kurze Schulungen, Krankenstand oder kurze Beschäftigungsepisoden) werden nicht berücksichtigt.

Definition Langzeitbeschäftigungslosigkeit
Alle Episoden der Status "Abklärung der Arbeitsfähigkeit/Gesundheitsstraße", "arbeitslos", "lehrstellensuchend", "in Schulung", "BezieherInnen eines Fachkräftestipendiums" und "Schulung Reha mit Umschulungsgeld" mit Unterbrechungen von <= 62 Tagen werden (unabhängig von ihrer Dauer) zu einem Geschäftsfall zusammengehängt. Bis einschließlich Oktober 2013 wurden alle Vormerkepisoden der Status "arbeitslos", "lehrstellensuchend" und "in Schulung" mit Unterbrechungen von <= 62 Tagen (unabhängig von ihrer Dauer) zu einem Geschäftsfall zusammengehängt. Als Geschäftsfall-Dauer werden die Dauern dieser einzelnen Vormerkepisoden innerhalb des Geschäftsfalls addiert (die Unterbrechungen werden bei der Dauer also nicht mitgerechnet). Als langzeitbeschäftigungslos gilt eine Person wenn sie zum Stichtag eine Geschäftsfall-Dauer > 365 Tage hat.

Quelle: AMS 


Newsletter

Ihre Rechte als Arbeitnehmer:in, Konsumentenschutz, Steuertipps, Weiterbildung u.v.m.

Langzeitarbeitslosigkeit in Vorarlberg

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen hat sich in Vorarlberg innerhalb einen Jahres mehr als verdoppelt. Waren im Januar 2020 noch 711 Personen mehr als 1 Jahr arbeitslos, so sind es Ende Januar 2021 bereits 1922 Vorarlberger*innen. Das ist der mit Abstand stärkste Anstieg in diesem Zeitraum im Bundesländervergleich.

Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit im Westen am stärksten!

Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit im Westen am stärksten! © AKV


Starker Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit von einem bereits hohen Niveau

Doch Langzeitarbeitslosigkeit ist kein neuartiges Phänomen. Die verspäteten Folgen der Finanzkrise 2008/2009 schufen einen Sockel von (Österreich gesamt) ca. 150.000 Langzeitarbeitslosen. Durch die Corona-Krise und der noch zu erwartenden Pleitewelle (2020 gab es 38% weniger Insolvenzen als 2019) wird dieser Sockel weiter wachsen.

Laut einer Auswertung des Momentum-Instituts sind rund 171.000 Menschen in Österreich Ende Dezember 2020 länger als ein Jahr auf Jobsuche. Diese Zahl beinhaltet auch jene, die sich derzeit in AMS-Schulungen oder anderen Maßnahmen befinden (Konzept der Langzeitbeschäftigungslosigkeit). Noch nie waren in Österreich so viele Menschen so lange arbeitslos. Und es könnten noch viel mehr werden.

Starker Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit © AKV


Das wahre Ausmaß - Langzeitbeschäftigungslosigkeit

Die oben genannten und auch im öffentlichen Diskurs verwendeten Zahlen entstehen jedoch aufgrund der Definition von Langzeitarbeitslosigkeit, die das wahre Ausmaß unterschätzt. Denn, nach nur kurzen Unterbrechungen beginnt das AMS neu zu zählen. Eine realistische Einschätzung gibt das Konzept der Langzeitbeschäftigungslosigkeit. Dadurch werden auch jene berücksichtigt, die trotz Schulungen, temporären Arbeitsaufnahmen oder anderen Maßnahmen nicht nachhaltig am Arbeitsmarkt integriert werden können.

Über 3.100 Vorarlberger*innen sind aktuell davon betroffen. Weitere 900 befinden sich aktuell in einer Schulungsmaßnahme. In Summe sind also über 4.000 Vorarlberger*innen seit über einem Jahr auf Arbeitssuche. Das bedeutet mehr als jede/r fünfte Arbeitslose ist von Langzeitbeschäftigungslosigkeit betroffen.

Wer ist betroffen?

Langzeitarbeitslosigkeit bei Älteren:

Mehr als die Hälfte (53%) der Langzeitarbeitslosen sind über 45 Jahre alt, das betrifft 1657 Personen. Die größte Gruppe bilden die 55 bis 59 Jährigen. Hier sind es 627 Personen in Vorarlberg. Je älter, umso stärker ist auch die Betroffenheit von Langzeitarbeitslosigkeit. 30% der Arbeitslosen in der (größten) Altersgruppe 55 bis 59 Jahre sind seit über einem Jahr auf Arbeitssuche. Bei den über 65-Jährigen trifft das auf jede/n Zweite/n zu.

Arbeitslose nach Altersgruppen © AKV
Langzeitarbeitslosigkeit bei Jugendlichen:

170 Jugendliche (unter 25) waren im Januar 2021 seit über einem Jahr auf Arbeitssuche in Vorarlberg. 151 davon in der Altersgruppe 20 bis 24. Hier greift die Ausbildungspflicht bis 18 nicht und sollte daher bis 24 ausgeweitet werden.

Die Forschung zeigt eindeutig, dass eine Arbeitslosigkeit von sechs Monaten bei Jugendlichen zu weitreichenden negativen Folgen führt. Dadurch entstehen Narben, die bleiben: Ihr gesamtes Leben haben sie ein höheres Risiko, ihren Job zu verlieren, wenn sie einen haben verdienen sie relativ gesehen weniger als andere und ihr Gesundheitszustand ist generell schlechter.

Langzeitarbeitslosigkeit nach Bildung:

Langzeitbeschäftigungslose nach Bildung © AKV


Hier zeigt sich ein bekanntes Bild. 54% der LZBL haben maximal Pflichtschulabschluss, 30% maximal einen Lehrabschluss.

Die TOP 5 Berufe mit jeweils über 100 gemeldeten Langzeitbeschäftigungslosen sind:

  • Produktionsarbeiter (über 400)
  • Reinigungskraft
  • Verkaufshelfer
  • Lagerarbeiter
  • Hilfsarbeiter

Einteilung nach Wirtschaftsbranchen (ÖNACE): 

Langzeitbeschäftigungslose nach Wirtschaftsbranche © AKV


Ein ähnlich deutliches Bild zeigt sich auch bei den gesundheitlichen Einschränkungen und dem Migrationshintergrund. 50% aller Langzeitbeschäftigungslosen haben eine gesundheitliche Einschränkung und ebenfalls jede/r Zweite hat einen Migrationshintergrund.

"Was wir dringend brauchen, ist ein Masterplan des Bundes sowie einen erweiterten Arbeitsmarkt, der Langzeitarbeitslosen dauerhafte berufliche Perspektiven bietet."

AK-Präsident Hubert Hämmerle

Newsletter

Ihre Rechte als Arbeitnehmer:in, Konsumentenschutz, Steuertipps, Weiterbildung u.v.m.