21.7.2026
Bildung
Gelassenheit lernen: Was Meister Eckhart gegen den Stress unserer Zeit zu sagen hat
Bildung,Gesellschaft,Klimawandel,Nachhaltigkeit,Veranstaltungen,Wissen fürs Leben
Stress belastet immer mehr Menschen. Doch Gelassenheit ist mehr als ein guter Vorsatz. In der AK Reihe „Wissen fürs Leben“ zeigt die Neurobiologin Joanna Maria Otto, wie die Lehren des Mystikers Meister Eckhart und moderne Wissenschaft neue Wege zu innerer Ruhe eröffnen.
Stress zählt zu den größten Gesundheitsrisiken unserer Zeit. Und er nimmt zu. 2025 fühlten sich 70 Prozent der Erwerbstätigen in Österreich (sehr) häufig gestresst. Das belegt die Mavie-Stressstudie. Es waren 16 Prozentpunkte mehr als im Jahr davor. Das Gallup-Institut wiederum befragte Menschen ab 15 Jahren in 144 Ländern und Regionen. Fast vier von zehn Erwachsenen gaben an, am Vortag viele Sorgen oder starken Stress empfunden zu haben. Die AK Vorarlberg untersuchte zuletzt Stress und Burnout-Gefährdung im Vorarlberger Krankenhausalltag. Fazit: 14 Prozent der Befragten fühlen sich mindestens einmal pro Woche emotional leer. Sie arbeiten mit Burnout-Risiko. 37,2 Prozent fühlen sich einmal wöchentlich bis täglich am Ende des Arbeitstags verbraucht.
In der Reihe "Wissen fürs Leben" lädt die AK namhafte ReferentInnen aus Philosophie, Psychologie, Natur-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften zu Vorträgen nach Feldkirch ein, die auf unserem Youtube-Kanal erhalten bleiben. Dr. Joanna Maria Otto wird am 17. September 2026 über Gelassenheit sprechen.
Spontan geht gar nichts
Gelassenheit würde helfen. Aber geht das so einfach? „Nimm’s doch gelassen! “ Das klingt wie „Sei spontan! “ Der Philosoph und Psychotherapeut Paul Watzlawick hat es beschrieben: Niemand kann auf Kommando spontan werden oder völlig gelassen bleiben, wenn die Seele kocht.
Was kann ausgerechnet ein Mönch aus dem Mittelalter da helfen? Viel, sagt Dr. Joanna Maria Otto. Sie wird am 17. September 2026 in der AK Reihe „Wissen fürs Leben“ über Gelassenheit sprechen. Im Zentrum steht Meister Eckhart. Denn er hat das Wort „Gelassenheit“ im Deutschen erfunden.
Anleitungen zur Gelassenheit gibt es viele. Oft wirken sie wie Instant-Getränke: „Päckle aufreissen, Pulver im Wasser auflösen, trinken, wohlfühlen. “ Sie klingen allesamt plausibel:
- Atmen Sie bewusst, denn hektische Atmung verstärkt inneren Stress.
- Erkennen Sie an, was Sie nicht ändern können.
- Planen Sie Arbeit gezielt, nutzen Sie To-do-Listen und Kalender.
- Sagen Sie nein: Bewusst Grenzen zu setzen, hilft dabei, Überlastung zu vermeiden.
- Bewegen Sie sich. Sport löst angestaute Spannung.
- Schaffen Sie Wohlfühlatmosphäre: natürliches Licht, ein sauberer Schreibtisch und eine grüne Pflanze im Sichtfeld. Usw.
Mit Burnout ausgeschieden
Die Ratschläge sind allesamt nicht falsch. Doch in den Augen von Joanna Maria Otto reicht das nicht weit genug. Die gebürtige Berlinerin ist Biologin. Sie promovierte am Neurozentrum des Universitätsklinikums Freiburg. Sie ließ sich in der F.-M.-Alexander-Technik ausbilden und arbeitete fünf Jahre in einem Forschungslabor der Augenklinik Freiburg zum Thema räumliches Sehen. Doch ihre Uni-Karriere als Neurobiologin musste sie mit 30 Jahren nach einem Burnout aufgeben. Von 2011 bis 2014 lebte sie als kontemplative Dominikanerin in einem Kloster nahe Osnabrück. Heute verbindet sie in ihren Büchern und Vorträgen ihre Kenntnis verschiedener naturwissenschaftlicher Bereiche, Quantenphysik, Neurobiologie und Psychologie, mit der Körperdynamik F. M. Alexanders und der Mystik des mittelalterlichen Dominikanerpaters Meister Eckhart.
Eckhart: Bewegtes Leben
Eckhart von Hochheim lebte von 1260 bis 1328. Als junger Mann trat er in Erfurt in den damals noch neuen Dominikanerorden ein. Er studierte in Paris und übernahm rasch leitende Funktionen im Orden. Er wurde für alle Klöster zwischen Holland und Brandenburg zuständig, ging später erneut nach Paris und dann nach Köln. Das alles zu Fuß, zu Pferd, auf Eselskarren. Er unterrichtete und predigte. Und das auf Deutsch, lange vor Martin Luther. Er wurde beliebt und bewundert. Das rief Neider auf den Plan. Sie zeigten Eckhart bei der Inquisition an. Das hätte ihn auf den Scheiterhaufen bringen können. Aber er starb mitten im Prozess mit 68 Jahren.
Wir stehen uns selbst im Weg
Was macht den Mystiker Meister Eckhart so bedeutend? Er war seiner Zeit weit voraus. „Nicht das ist schuld, dass dich die Weise oder Dinge hindern: du bist es (vielmehr) selbst in den Dingen, was dich hindert, denn du verhältst dich verkehrt zu den Dingen. Darum fang zuerst bei dir selbst an und lass dich! (…) Richte dein Augenmerk auf dich selbst, und wo du dich findest, da lass von dir ab; das ist das Allerbeste. “
Wie das geht? Eckhart: „Traun, dazu gehört Eifer und Hingabe und ein genaues Achten auf des Menschen Inneres und ein waches, wahres, besonnenes, wirkliches Wissen darum, worauf das Gemüt gestellt ist mitten in den Dingen und unter den Leuten. “
Ganzheitlicher Ansatz
Das in die Praxis umzusetzen, ist nicht einfach. Joanna Maria Otto verbindet Eckharts Lehren mit ihrer Kenntnis der F.-M.-Alexander-Technik und der Neurobiologie. So entsteht eine ganzheitliche Spiritualität für Körper und Geist, die ihre Wirkung still und nachhaltig entfaltet. Die Neurobiologin Joanna Maria Otto verbindet das Wissen von Antike und Mittelalter mit neuesten Erkenntnissen. In der AK Reihe „Wissen fürs Leben“ spricht sie am 17. September 2026 über das Gut, das wir in Tagen wie diesen so nötig hätten: Die Gelassenheit.
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