21.7.2026
Bildung
Wissen Herbst 2026: Was uns trägt, wenn die Welt ins Wanken gerät
Bildung,Gesellschaft,Klimawandel,Nachhaltigkeit,Veranstaltungen,Wissen fürs Leben
Die Welt ist aus den Fugen. Unsicherheit herrscht. Viele Menschen fürchten sich. Die AK Vortragsreihe „Wissen fürs Leben“ zeigt im Herbst 2026 Wege auf und stellt Qualitäten in den Mittelpunkt, die wir dringend brauchen. Dafür holen wir kluge Köpfe vors Mikrofon.
„Bleib gelassen! “ – ein Rat, den viele geben. Doch wie soll das gehen, wenn die Beziehung kriselt, der Job wackelt oder die Gesundheit schwankt? Kann man Gelassenheit einfach einschalten? Natürlich nicht. Niemand weiß das besser als Dr. Joanna Maria Otto.
In der Reihe "Wissen fürs Leben" lädt die AK namhafte ReferentInnen aus Philosophie, Psychologie, Natur-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften zu Vorträgen nach Feldkirch ein, die auf unserem Youtube-Kanal erhalten bleiben.
Die Neurobiologin Dr. Joanna Maria Otto spricht über Wege zur Gelassenheit. © Joanna Maria Otto, privat
Wege zur Gelassenheit
Die promovierte Neurobiologin studierte Biologie und Psychologie, arbeitete an der Universitätsklinik Freiburg und brach ihre akademische Karriere mit 30 Jahren wegen eines Burnouts ab. Vier Jahre lebte sie als kontemplative Nonne im Orden der Dominikanerinnen. Heute schreibt sie Bücher und gibt Kurse zur Gelassenheit nach Meister Eckhart – jenem Mystiker, der das deutsche Wort „Gelassenheit“ vor 700 Jahren prägte. Eckhart war seiner Zeit voraus, geriet mit der Kirche in Konflikt und gilt als einer der bedeutendsten Denker und Mystiker.
Heute zählt er zu den bedeutendsten Denkern und Mystikern überhaupt. In ihrem Vortrag bei „Wissen fürs Leben“ am 17. September wird Dr. Joanna Maria Otto, die auch als Lehrerin der F.M. Alexander-Technik wirkt, von den Ursprüngen der Gelassenheit erzählen und ganz praktisch zeigen, wie sich Gelassenheit lernen und üben lässt.
Vor 25 Jahren stand Evelyne Binsack als erste Schweizerin auf dem Dach der Welt. © Binsack, Evelyne Binsack Outdoor GmbH
Die Kraft des Wollen
Evelyne Binsack kennt extreme Situationen. Sie weiß, wie weit der eigene Wille trägt, wie man wieder aufsteht, wenn man am Boden liegt, und was ein Team stark macht. Bereits mit 22 Jahren hat Evelyne Binsack die Eigernordwand im Winter durchstiegen. 1991 erhielt sie mit 24 Jahren als eine der ersten Frauen weltweit das Diplom als Bergführerin. Sie hat den Mount Everest als erste Schweizerin bezwungen und den Süd- und Nordpol erreicht – auf entbehrungsreichen Expeditionen, die sie oft an ihre Grenzen brachten.
Am 8. Oktober 2026 nimmt die Bergführerin ihr Publikum mit auf eine Reise in die entlegensten Winkel der Erde. Mit packenden Bildern erzählt sie von Willenskraft und Erschöpfung, von Zusammenhalt und Konflikten, vom Scheitern und Wiederaufstehen.
Heike Pourian ist Kulturpädagogin und Tänzerin. Sie ist Mutter zweier erwachsener Kinder und hat das Buch „Eine berührbare Welt“ geschrieben. © Tatjana Bach, Pourian
Von der Zumutung des Wandels
Krisen prägen unsere Zeit: Krieg, Firmenpleiten, steigende Preise, ein überlastetes Gesundheitssystem, die Folgen des Klimawandels. Die Welt ist im Umbruch. Wir spüren: So geht es nicht weiter. Doch wie lassen wir ein System los, das uns Sicherheit gibt und unseren Alltag strukturiert?
Heike Pourian widmet sich dieser Frage am 29. Oktober in ihrem Vortrag „Die Zumutungen des Wandels“. Am Vormittag des 30. Oktober lädt sie zusätzlich alle, die den Vortrag besucht haben oder mit ihrer Arbeit vertraut sind, zu einem Workshop in den Saal der AK ein. Dieser Workshop wird den Raum zwischen dem Vertrauten, das wir verlassen, und dem Unbekannten, das vor uns liegt, erfahrbar machen.
Pourian ist Kulturpädagogin, Hochschuldozentin, eine Meisterin der Tanzform „Contact Improvisation“ und Wandelforscherin.
Als Arzt und Anthropologe spannt er den Bogen von der Gesundheitsökologie über die Evolution bis hin zu den vielfältigen Fragen des menschlichen Daseins © privat, Grassberger
Sich wieder als Teil der Natur begreifen
Was wäre, wenn der Mensch sich wieder als Teil der Natur begreifen würde – nicht mehr als ihr Beherrscher und Ausbeuter? Denn wir brauchen die Natur: Sauerstoff zum Atmen, Wasser, Nahrung, ein stabiles Klima. So einfach ist das – und doch so kompliziert.
Univ.-Prof. DDr. Martin Grassberger hat die Entfremdung des Menschen von der Natur zu seinem Lebensthema gemacht. Am 24. November 2026 zeigt der Mediziner und Biologe, wie viel von unserem tieferen Verständnis und einer respektvollen Haltung gegenüber den lebendigen Systemen der Biosphäre abhängt. „Diese komplexen Systeme sind unsere Lebensgrundlage – und zugleich unser größtes Risiko. “
Als Vorbild dienen ihm die Prozesse und Prinzipien der Natur selbst, von der kleinsten Zelle bis zu den großen Ökosystemen. Sie sind Zeugnisse einer Milliarden Jahre andauernden Evolution zu selbstorganisierten, resilienten Systemen. Grassberger zeigt, wie ein fundamentaler Paradigmenwechsel natürliche Ökosysteme, menschliche Gesundheit, Gesellschaft und Wirtschaft regenerieren kann, damit diese langfristig gedeihen können.
Ariadne von Schirach unterrichtet Philosophie und chinesisches Denken an der Berliner Universität der Künste, der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg und der Donau-Universität Krems. © Elisabeth Giovanoli, Schirach
Lebenskunst in unsicheren Zeiten
In ihrem Vortrag am 15. Dezember 2026 erinnert die Münchner Philosophin Ariadne von Schirach daran, dass Menschen schon immer vor Umbrüchen standen. Sie führt uns in die antike Tradition der Lebenskunst ein, die seit 2000 Jahren dazu ermutigt, bewusst, aufrecht und heiter zu leben.
Doch wie gelingt das in einer Welt, die aus dem Takt geraten ist? Die Philosophie sucht seit Jahrtausenden nach dem guten Leben. Die Antworten von Sokrates, Epikur und anderen Denkern sind aktueller denn je.
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