21.7.2026
Bildung
Hinfallen, aufstehen, weitergehen: Was Extrembergsteiger:innen vom Leben wissen
Bildung,Gesellschaft,Klimawandel,Nachhaltigkeit,Veranstaltungen,Wissen fürs Leben
Hinfallen und wieder Aufstehen sind enorm wichtige Qualitäten in einem Menschenleben. Jede:r muss mal scheitern. Aber wie gehen wir damit um? Wenn wir den Job verlieren, die Beziehung zerbricht, bei Krankheit und in Gefahr? Meist kämen wir allein nicht mehr hoch.
Den Wert eines verlässlichen Teams, Mut und Verzweiflung, die eigenen Grenzen und Orientierung im Ungewissen – all das hat Evelyne Binsack erfahren. Die Schweizer Extrembergsteigerin spricht am Donnerstag, 8. Oktober, im Saal der AK Vorarlberg in Feldkirch in unserer Reihe „Wissen fürs Leben“. Tags darauf ist sie über die AK bei Lehrlingen in Dornbirn zu Gast.
In der Reihe "Wissen fürs Leben" lädt die AK namhafte ReferentInnen aus Philosophie, Psychologie, Natur-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften zu Vorträgen nach Feldkirch ein, die auf unserem Youtube-Kanal erhalten bleiben. Evelyne Binsack wird am 8. Oktober 2026 über die Kraft des Wollens sprechen.
Mit 22 in der Eigernordwand
Bereits mit 22 Jahren hat Evelyne Binsack die Eigernordwand im Winter durchstiegen. 1991 erhielt sie mit 24 Jahren als eine der ersten Frauen weltweit das Diplom als Bergführerin. 2001 bezwang sie im Gipfel-Alleingang als erste Schweizerin den höchsten Berg der Welt, den Mount Everest. Ihr Dokumentarfilm „ÜberLebensWille“ erreichte ein Millionenpublikum.
Der Glaube an sich selbst machte Evelyne Binsack 2001 zur ersten Schweizerin, die den Mount Everest bestiegen hat. 2019 ehrte sie die Firma Matell mit einer eigenen Barbie-Puppe. © Mattel, Mattel
Leben in Superlativen
Evelyne Binsacks Leben ist reich an Superlativen. Innerhalb eines Jahrs gelangte die Extremsportlerin nur mit eigener Muskelkraft von ihrem Zuhause im Berner Oberland zum Südpol. Die Dimensionen mag man sich kaum vorstellen: Binsack bewältigte auf dem Weg allein rund 25.000 Kilometer mit dem Fahrrad durch 16 Länder. Auf ihrer „Expedition Antarctica“ legte sie gemeinsam mit einem internationalen Team 1600 Kilometer bei eisigen Temperaturen zurück. Für diese Leistung erhielt sie 2008 die Nominierung zur „Schweizerin des Jahres“. 2016 bis 2017 stand Evelyne Binsack nach 105 Expeditionstagen am geografischen Nordpol.
Zwischen ihren Expeditionen erwarb sie die Berufs-Helikopterpiloten-Lizenz und arbeitete mehrere Jahre als Helikopterpilotin in Europa. Heute hält sie weltweit Vorträge, bietet Aus- und Weiterbildungen in den Bereichen Coaching, Supervision, Organisationsberatung und Change-Management an.
Vor 25 Jahren auf dem Dach der Welt
Die Schweizer Boulevard-Presse feiert sie heuer als „die Urgewalt des Schweizer Alpinismus“. Schließlich feiert Binsack ein großes Jubiläum: Vor 25 Jahren stand Evelyne Binsack als erste Schweizerin auf dem Dach der Welt. Die tiefen Eindrücke wirken bis heute nach. Die Lawine auf 7000 Metern Höhe etwa: Binsack konnte sich gerade noch in eine Gletscherspalte retten. „In solchen Momenten funktionierst du nur noch wie ein Tier“, erzählt sie in einem Interview. Ein Jahr später starben an dieser Stelle 14 Sherpas.
Bei „Wissen fürs Leben“ wird sie über ihre Todesangst, „einen intimen Moment von brutaler Klarheit“ sprechen: „Danach wirken die Alltagssorgen lächerlich klein“, sagt sie im Gespräch mit der Tageszeitung „Blick“: „Man wird unendlich dankbar für einfache Dinge: eine warme Stube, ein Gespräch. Da oben kannst du die Verantwortung für dein Leben an niemanden abgeben.“
Spiegelbild unserer Zeit
Mit dem Massentourismus am Himalaya kann Binsack nichts anfangen. Sie hat den Mount Everest noch in großer Einsamkeit erlebt. „Heute wird der Berg oft nur noch für das eigene, gigantische Ego bestiegen.“ Der schroffe Berg wird zum Spiegelbild unserer Zeit: Jeglicher Respekt vor der Natur und den Mitmenschen ist verloren gegangen. Im klassischen Alpinismus gilt bis heute: Wenn jemand in Not geraten ist, helfen die anderen bedingungslos. Diese Menschlichkeit hat der Massentourismus fortgeschwemmt. Zurück bleiben Müllhalden am Dach der Welt und Selfies auf Social Media.
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