Andrea Gabriel absolviert den Ausbildungslehrgang zur Pflegefachassistenz. © AK Vorarlberg, Jürgen Gorbach
Kleine Handreichungen gehören zum Alltag der Pflege und sind doch so wichtig. © AK Vorarlberg, Jürgen Gorbach
8. November 2021
Soziales

„Die Pflege erfüllt mich total“

Arbeit,Pflege,Portrait

Andrea Gabriel ist der lebende Beweis dafür, dass man sich auch mit 47 Jahren noch völlig neu orientieren kann. Sie hat in sich schlummernde Qualitäten entdeckt: Die ehemalige Lastwagenfahrerin sattelt gerade in die Pflege um.

Inhaltsverzeichnis

Aufgewachsen ist die Göfnerin auf einem Bauernhof. Erst wollte sie Schreinerin werden. „Aber da war ich meiner Zeit voraus.“ Drei Lehrstellen hätte sie auf Anhieb gekriegt, „aber die Firmen waren nicht auf weibliche Lehrlinge vorbereitet. Also musste ich in einen Supermarkt.“ Nach der Lehre als Einzelhandelskauffrau hängte sie noch drei Jahre dran. „Ich hab damals mit 40-Stunden-Woche und langen Samstagen 12.000 Schilling verdient.“ Den Lkw-Führerschein hat sie sich vom Mund abgespart. Aber es lohnte sich. Ihre nächste Stelle im Fahrverkauf war deutlich besser entlohnt. „Später kamen die zwei Töchter.“ Andrea blieb zehn Jahre lang zuhause. „Das war meinem damaligen Mann und mir wichtig.“ Jetzt ist es mit Blick auf die Pension „a kle blöd“.

Andrea Gabriel absolviert den Ausbildungslehrgang zur Pflegefachassistenz. © AK Vorarlberg, Jürgen Gorbach
Pflege verlangt viel Einfühlungsvermögen, denn „jede Bewohnerin, jeder Bewohner ist anders“, weiß Andrea Gabriel. © AK Vorarlberg, Jürgen Gorbach

Immer in Männerberufen

Neben ihrer Familie hat Andrea Gabriel ihre Tante betreut und gepflegt. Die hat ihr dann ihr Haus hinterlassen. „Wir haben es renoviert.“ Dabei lernte sie einen Dachdecker kennen, der sie kurzerhand anstellte. Andrea Gabriel hat das Handwerk von der Pike auf gelernt und sieben Jahre lang ausgeübt. Nach der Scheidung wechselte sie in die Gastronomie, „aber das ist mit Kindern sehr schwierig“. Da erwies sich der Job als Lager-Logistikerin, den sie zuletzt ausgeübt hat, als familienfreundlicher. Und doch dachte Andrea Gabriel immer öfter darüber nach, „ob ich wirklich bis zum Schluss die schweren Männerberufe ausüben will“.  

Heute schnuppert sie im Sozialzentrum Nenzing, weil sich Andrea Gabriel rechtzeitig daran erinnert hat, wie gut sie in der Pflege ihrer Tante seinerzeit zurechtkam. „Wenn Du mit Betagten arbeitest, wirst Du froh um alles, was Du hast“, erzählt sie. „Es erfüllt mich total!“ Ein Spiele-Nachmittag trug ihr so viel Dankbarkeit ein. Als sie mit den Bewohnern „die ganzen alten Lieder“ gesungen hat, „war das einfach eine Freude.“ 

Einfühlungsvermögen gefragt

Klar, auch der Job in der Pflege ist nicht immer leicht. „Jede Bewohnerin, jeder Bewohner ist anders.“ Wie leicht streicht man einer betagten Person morgens das Brötle und übersieht dabei, dass die Frau oder der Mann das eigentlich noch selbst könnte. Da ist Fingerspitzengefühl gefragt, Ausgeglichenheit und Bodenständigkeit. Und von allem bringt Andrea jede Menge mit. Das bestätigt auch Reingard Fessler gerne, die es gern sähe, wenn die ehemalige Lkw-Fahrerin in der Altenpflege Fuß fasste. Fessler leitet die Implacementstiftung der Connexia. „Vcare“ ist eine Initiative des Amtes der Landesregierung und des AMS Vorarlberg. Die Stiftung öffnet Wege in die Pflege.

Andrea Gabriel absolviert den Ausbildungslehrgang zur Pflegefachassistenz. © AK Vorarlberg, Jürgen Gorbach
Der Spielenachmittag brachte Lebensfreude ins Leben der Heimbewohner:innen. © AK Vorarlberg, Jürgen Gorbach

Durststrecke überbrücken

Bei Andrea hängt jetzt alles am Geld. Andrea Gabriel bezieht derzeit 60 Prozent Arbeitslosenunterstützung. Der erste Ausbildungslehrgang zur Pflegefachassistenz beginnt am 1. April 2022. „Jetzt suchen wir Wege, um die Zeit zu überbrücken und, dass sie danach einen der rund 70 Ausbildungsplätze ergattert“, sagt Reingard Fessler, die besonders beeindruckt, dass Andrea Gabriel sich sehr für Palliativpflege interessiert. Warum? „Die letzten Stunden im Leben eines Menschen sollte man doch so schön wie möglich machen, oder nicht?“ Reingard Fessler nickt. Nicht alle Bewerberinnen für die Implacementstiftung strahlen so viel Lebenserfahrung aus. Kein Wunder, dass sich die Heimbewohner Andrea Gabriel gerne öffnen.

Pflege als Job

Du möchtest in die Pflege wechseln? Wir haben #FÜRDICH zahlreiche nützliche Infos zum Thema Pflege auf unserer Website. Wenn du dich für die Ausbildung im Betreuungs- und Pflegebereich interessierst: Bei der Connexia kannst du dich unverbindlich und kostenlos beraten und begleiten lassen.


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