Gerade für Frauen ist es wichtig, sich schon früh mit der Pension auseinanderzusetzen. © stivog, Adobe Stock
Gerade für Frauen ist es wichtig, sich schon früh mit der Pension auseinanderzusetzen. © stivog, Adobe Stock
23. März 2022
Soziales

Warum die Pension bei Frauen keinen Aufschub duldet

Arbeit,Frau,Pension,Sozialrecht

Frauen sollten sich früh um ihre Pension kümmern, um nicht später in die Altersarmut zu schlittern. Denn jeder Euro Gehalt erhöht das Pensionskonto.

Frauen erhalten in Vorarlberg im Durchschnitt halb so viel Pension wie Männer. Teilzeit, schlechter bezahlte „Frauenberufe“, Karenz, Haushalt, Pflege – die Gründe liegen auf der Hand. Im AK-Live-Talk beantworteten Dr. Brigitte Hutterer, Leiterin der Sozialrechtsabteilung in der AK und ihre Kollegen Markus Lescher und Franz Beck die Fragen von Betroffenen.

Frau in Pension

Dr. Brigitte Hutterer, Markus Lescher und Franz Beck kümmern sich in der Sozialrechtsabteilung der AK Vorarlberg um Pensionsfragen. Im AK Live-Talk erklärten sie unter anderem, warum es gerade für Frauen wichtig ist, sich schon früh mit der eigenen Pension zu beschäftigen.

Zuverdienst möglich

Gut eine Stunde lang diskutierten die Expert:innen Probleme, die immer wieder in der AK aufschlagen: Darf ich in der Pension dazuverdienen? Ja. Gibt es eine gesetzliche Obergrenze? Nein. Aber rentiert sich das auch? Nicht immer, denn Pension und Gehalt aus dem Zuverdienst gleichermaßen besteuert werden.

Jahre bei den Kindern 

Kindererziehungszeiten sind ein riesiges Thema. Eine Userin schreibt uns: „Ich bin eine Betroffene und war 19 Jahre bei den Kindern – diese Beitragsjahre fehlen mir jetzt natürlich! Warum wird diese wertvolle Zeit nicht endlich besser honoriert!“ Nun, „für die sieben Beitragsjahre zählen sie nicht“, erklärt Brigitte Hutterer, „aber für die 15 Jahre Versicherungszeiten schon.“ Und was bringt das für die Pension? „Es wird so honoriert, als ob ich 1.783 Euro brutto monatlich (14 Mal) verdient hätte.“


Kritik am System

Frühstarterbonus und Pensionssplitting boten Anlass zur Kritik: „Auf die 53 Euro, die mir da als Frühstarterbonus geboten werden, weil ich vor meinem 20. Lebensjahr begonnen habe zu arbeiten, kann ich gerne verzichten!“, schreibt eine Zuseherin. Das Pensionssplitting entpuppt sich tatsächlich als regelrechter Ladenhüter: „Von 2007 bis inklusive 2021 waren es in Österreich 4.056 Anträge und 3.819 Erledigungen“, hat Franz Beck recherchiert.



Viele Zahlen im Pensionsdschungel sprechen eine erschreckende Sprache. Wenn heuer rund 4.000 Vorarlberger Frauen und Männern aus dem Arbeitsleben ausscheiden, wird der Blick aufs Pensionskonto gerade für Frauen nicht sonderlich ersprießlich. Denn in Vorarlberg etwa erhält eine Frau im Jahr im Durchschnitt 14.603 Euro Pension, ein Mann dagegen fast doppelt so viel, nämlich 28.157 Euro.

Trübe Aussichten 

Und das wird auch nicht besser: Das Finanzjournalismus-Forum hat auf Basis der Pensionskonto-Stände des Sozialministeriums errechnet, dass Frauen auch künftig das Nachsehen haben: Im Alter zwischen 55 und 59 Jahren haben österreichische Frauen im Durchschnitt Gutschriften auf ihren Konten angesammelt, die 14 mal 992 Euro Monatspension bringen; Männern aber 1.419 Euro. Der Unterschied beträgt 30 Prozent, sofern keine Beiträge mehr dazu kommen. Der Gender-Pension-Gap ist damit mehr als doppelt so groß wie der Gender-Pay-Gap. 

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Das System nimmt einfach viel zu wenig Rücksicht auf die Erwerbsbiografien der Frauen. Letztendlich muss jede vierte Pensionistin in Österreich nach einem arbeitsreichen Leben jeden Cent zweimal umdrehen. 

Deshalb ist es auch ein Gebot der Stunde, sich nach Möglichkeit weiter ausbilden zu lassen. Denn geringfügige Beschäftigung kann nie mehr sein, als ein kurzfristiger Lückenbüßer. Hutterer bringt es auf den Punkt: „Ein Jahr geringfügige Beschäftigung bringt eine monatliche Pension von 8,65 Euro, sofern ich mich entsprechend selbst versichert habe.“ Davon kann niemand leben.


Die aktuelle Broschüre, Downloads, Tipps und Tools gibt es unter ak-vorarlberg.at/pension.

Weitere Fragen zum Thema Pension? Unsere Expert:innen aus dem Sozialrecht helfen weiter!

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