Eva-Maria Düringer © AK Vorarlberg, Jürgen Gorbach
Navigiert Arbeitnehmer*innen durch den Steuerdschungel: Eva-Maria Düringer © AK Vorarlberg, Jürgen Gorbach
2. März 2022
Arbeit

„Ich baue ja auch kein Haus, nur weil ich Ziegel aufeinanderstapeln kann“

Interview,Steuern

Was zeichnet eine gute Steuerexpertin aus? Wir haben Eva-Maria Düringer aus der Abteilung Steuerrecht gefragt. Ein Gespräch über Motivation, absurde Steuern, Verhaltenstipps im Umgang mit dem Finanzamt und warum Arbeitnehmer*innen unbedingt den der AK-Steuerservice nutzen sollten.

Inhaltsverzeichnis

Spricht man sie auf ihre Arbeit an, spürt man sofort: Eva-Maria Düringer ist fasziniert von ihrem Thema. Für die Steuerexpertin der AK Vorarlberg ist Steuerrecht alles andere als trockene Materie. Die Grazerin, die in den 1990er Jahren nach Vorarlberg gezogen ist, kennt alle Möglichkeiten und Stolperfallen im Steuerrecht – und warum es sich für AK-Mitglieder lohnt, den kostenlosen AK-Steuerservice zu nutzen.

Steuerrecht, das klingt nach trockener Materie. Was fasziniert dich daran?

Das Thema hört sich vielleicht trocken an, aber es geht in der Welt der Steuern doch recht lebhaft zu. Die meisten von uns arbeiten, um Geld zu verdienen, und möchten natürlich möglichst wenig Steuern zahlen. Mich hat es immer schon interessiert, wie das System der Besteuerung und der Abgaben funktioniert, und welche rechtlichen Möglichkeiten es gibt, um Steuern zu sparen.

Mit dem AK-Steuerservice zur kostenlosen Arbeitnehmerveranlagung © stokkete,  Adobe Stock


Wie bist du zur Steuerexpertin der AK Vorarlberg geworden?

Ich habe ein Auslandsstudium in Großbritannien absolviert und bin Anfang der 90er Jahre nach Vorarlberg gezogen. Nach der Geburt meiner Tochter habe ich mich im Bereich der Personalverrechnung und Buchhaltung selbstständig gemacht. Zur Arbeiterkammer bin ich als Karenzvertretung gekommen. Aus der befristeten wurde eine Vollzeitanstellung und seither mache ich mich in Steuerfragen für die Vorarlberger Arbeitnehmer*innen stark.

Steuerrecht ist immer in Bewegung. Familienbonus, Homeoffice, Kurzarbeit – wie hältst du dein Wissen immer auf dem aktuellen Stand?

Zum einen lesen, lesen, lesen. Dafür gibt es Fachzeitschriften. Zum anderen durch den Besuch von Weiterbildungen. Viele Seminare findet derzeit online statt. Der fachliche Austausch mit dem Finanzamt Österreich gehört genauso dazu, und immer wieder muss man die Entscheidungen der Behörden abzuwarten, z. B. des Bundesfinanzgerichts.

Welche Steuer gehört für dich abgeschafft, welche müsste man einführen?

Mir ist das „bewusste Leben“ sehr wichtig geworden. Gerade seit dem Beginn der Pandemie versuche ich umweltbewusster einzukaufen. Für mich wäre eine Steuer auf Einwegverpackungen aus Plastik mehr als sinnvoll. Aber auch eine höhere Besteuerung von Flügen könnte ich mir vorstellen. Es ist meines Erachtens nicht nachhaltig, wenn ein Flug günstiger ist als ein Zugticket. Abschaffen würde ich die kalte Progression. Es kann nicht sein, dass die Einkommensteuersätze nicht an die Inflation angepasst werden und die Arbeitnehmer*innen dadurch Jahr für Jahr mehr Steuern zahlen.


Kann man Österreich zu den Steueroasen zählen?

Österreich gehört sicherlich nicht zu den Steueroasen. Im Gegenteil: Wir haben eine der höchsten Abgabenquoten weltweit. Den größten Teil zahlen die Arbeitnehmer*innen.

Gibt es in Österreich einen Steuerdschungel?

Für jemanden, der sich auskennt, ist Österreich kein Steuerdschungel. Oder anders formuliert, weiß man als Expert*in, wie man durch das Dickicht aus Gesetzen und Verordnungen durchkommt. Für alle, die nicht vom Fach sind, ist das österreichische Steuerrecht allerdings sehr undurchsichtig.

Überspitzt formuliert, zahlt man in Österreich auf alles eine Steuer, richtig?

Steuern gibt es in Österreich wahrlich viele. Man zahlt sogar eine „Luftsteuer“. Diese wird fällig, wenn Teile wie Werbetafeln, private Hinweisschilder, abstehende Geschäftsportale und Markisen vom Haus über den Gehsteig ragen. In Wien gibt es die so genannte U-Bahn-Steuer. Dienstgeber müssen pro Arbeitnehmer*in zwei Euro pro angefangener Arbeitswoche zahlen. Besteuert wird in Österreich vor allem Arbeit. Ganz anders sieht es bei den Vermögenssteuern aus, Österreich zählt weltweit zu den Schlusslichtern.

Was sind beim Steuerausgleich die größten Stolperfallen für Arbeitnehmer*innen?

Die Unsicherheit, die familiären Änderungen und natürlich die sich ständig ändernde Gesetzeslage. Oft übersehen Arbeitnehmer*innen Felder, die für die Arbeitnehmerveranlagung wichtig sind.

Wo verschenken Lai*innen am meisten Geld beim Steuerausgleich und was kann man dagegen tun?

Nicht wissen kostet. „Das haben wir nicht gewusst“, das hören wir bei uns in der Beratung sehr oft. Aber das ist natürlich eine schwache Ausrede, man muss sich informieren und wir helfen den Arbeitnehmer*innen dabei.

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Empfiehlst du einen bestimmten Workflow, der dabei hilft, schon während des Jahres die Arbeitnehmerveranlagung vorzubereiten?

Das wichtigste ist, alle Belege zu sammeln. Und damit meine ich nicht, diese einfach in die Schublade zu werfen, sondern alles gleich zu ordnen, zum Beispiel nach Monat.

Was mag das Finanzamt eigentlich überhaupt nicht?

Wenn man anruft und fragt, bis wann die Arbeitnehmerveranlagung erledigt ist, oder ob noch etwas fehlt. Sollte das Finanzamt zusätzliche Informationen wünschen, sendet es Ergänzungsersuchen an die Arbeitnehmer*innen.

Habt ihr schon mal einen Nachzahlungsbescheid erfolgreich bekämpft?

Oh ja, wir machen nicht nur die Arbeitnehmerveranlagung an sich, sondern helfen sehr oft, wenn es zu Nachforderungen durch das Finanzamt kommt. Da uns die häufigsten Fehlerquellen bekannt sind, wissen wir sehr genau, wo wir nachhaken müssen, um eine Nachforderung in eine Gutschrift umzuwandeln.

Warum sollten sich AK-Mitglieder unbedingt mit der Arbeitnehmerveranlagung an dich und dein Team wenden?

Aus einem einfachen Grund. Wir kennen uns in Steuerfragen aus. Ich vergleiche das gerne mit dem Hausbau. Ich baue auch kein Haus, nur weil ich Ziegeln aufeinanderstapeln kann. Das Haus wird nicht lange stehen. Genauso ist es bei der Arbeitnehmerveranlagung. Wenn man sich nicht auskennt, sollte man sie nicht selbst machen. Sonst kann es zu einer Nachforderung oder geringeren Gutschrift kommen.

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