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Die Herbstlohnrunden mit den richtungsweisenden Metaller-KV-Verhandlungen. © maxhalanski, Adobe Stock
16. September 2022
Arbeit

Lohnrunden heuer so schwierig wie nie

Arbeit,Gewerkschaft,Lohn,Mitbestimmung,Sozialpartnerschaft,Verhandlung

Die Lohnrunden werden heuer so schwierig wie nie. Schon im Vorfeld klaffen die Vorstellungen von Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern weit auseinander. AK-Vizepräsident und Gewerkschafter Bernhard Heinzle ist überzeugt: „Wir werden lernen müssen, Lohnerhöhungen wieder hart zu erkämpfen!“

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Am Montag, 19. September, beginnen die Herbstlohnrunden mit den richtungsweisenden Metaller-KV-Verhandlungen. Die Vorzeichen sind krisen- und inflationsbedingt alles andere als einfach.

Rund 480 Kollektivverträge

„Wir verhandeln in Österreich derzeit rund 480 Kollektivverträge“, sagt Bernhard Heinzle. Gewerkschafter und Arbeitgebervertreter zurren in unzähligen Verhandlungsrunden das ganze Jahr über die Spielregeln fest: Sie sichern damit regelmäßige Lohn- und Gehaltserhöhungen. Aber auch Arbeitszeiten, Mindestlöhne, das Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Zulagen und vieles mehr sind im KV geregelt.

Kernfrage: Wie hoch ist die Inflation?

Die Metaller bilden im Herbst traditionellerweise den Auftakt. Da geht es um nicht weniger als um das tägliche Brot von 134.000 Beschäftigten in der Metallindustrie: Wie viel Lohn werden sie wohl im kommenden Jahr zur Verfügung haben?

Die erste, entscheidende Frage am Beginn der Verhandlungen lautet: Wie lässt sich die Inflation der letzten zwölf Monate beziffern? „Vor Beginn der Metallerlohnrunde sind es 6,3 Prozent“, sagt Heinzle. Der augenblicklichen dramatischen Entwicklung geschuldet gibt er gleich zu bedenken, dass bereits die Branchen, die im November verhandeln, eine höhere Inflation werden berücksichtigen müssen, weil die Inflation ja unablässig steigt.

Bernhard Heinzle © Jürgen Gorbach

Leben immer teurer

Was das für das tägliche Leben heißt? Der Mini-Warenkorb (also der typische wöchentliche Einkauf) hat sich im Vergleich zum Vorjahr um 19,1 Prozent verteuert. Der Mikrowarenkorb, der den täglichen Einkauf widerspiegelt, legte im Jahresabstand um 10,4 Prozent zu. Frauen sind von der Teuerung besonders betroffen, da sie oft in Teilzeit arbeiten und deutlich weniger verdienen.

„Sicher ist“, umreißt Heinzle die Ausgangslage, „dass die Inflation und die Energiepreise hoch sind. Sicher ist aber auch, dass die Industrie in den vergangenen Monaten Rekordgewinne verzeichnet hat.“

Primäres Ziel ist immer, die Inflation abzufedern. Die Unternehmensgewinne zeigten deutlich, dass sich die Mitarbeiter:innen noch mehr ins Zeug gelegt haben als im Vorjahr. Sie haben sich eine gewisse Teilhabe redlich verdient. Was aber, wenn das nicht gelingt?

Frage der Verteilungsgerechtigkeit

Heinzle hält es für ein kurzsichtiges und gefährliches Spiel, die Ansprüche der Beschäftigten kleinzureden. Das geschieht freilich schon, wenn etwa auf Unternehmerseite davon die Rede ist, der Staat habe die Nöte der Menschen mit unzähligen Förderungen bereits „überkompensiert“.

„Richtig ist, dass die Menschen schnelle Förderungen von der Politik erhalten haben“, bestätigt Heinzle. „Das war gut so und ist ein einmaliger Akt. Wir wissen aber auch, dass die Arbeitgeber in Corona-Zeiten üppig Förderungen eingestrichen haben, die ihnen erst die Rekordgewinne ermöglicht haben. In den vergangenen Jahren, als es der Wirtschaft sehr gut ging, hieß es stets: Lasst uns bei den Kollektivvertragsverhandlungen vorsichtig sein für schwierige Zeiten. Das wurde auch gemacht.“ Jetzt sind die Zeiten für die Beschäftigten schwierig, und Heinzle denkt an Verteilungsgerechtigkeit, und auch an den enormen Immobilienbesitz großer Unternehmen im Land.

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Keine Ablenkungsmanöver

Deshalb stellt er auch unmissverständlich klar: „Heuer geht es ums Geld!“ Die ganze Begleitmusik, die bislang mal da einen freien Tag, mal dort eine kleine Vergünstigung in die Waagschale warf, darf heuer keine Rolle spielen.“

„Denn das muss den Verhandlern auf Arbeitgeberseite auch klar sein: „Wenn den Beschäftigten das Geld ausgeht, schwindet auch die Kaufkraft.“ Das wäre ein Tiefschlag in die Magengrube der heimischen Wirtschaft. 

„Die KV-Verhandlungen tragen dazu bei, den sozialen Frieden zu erhalten.“ Bernhard Heinzle betont, dass es der Auftrag der Sozialpartner ist, die Probleme überwiegend nicht auf der Straße zu lösen. Ob es heuer ohne Proteste und Arbeitsniederlegungen abgehen wird, wagt er nicht zu sagen.

Herbstlohnrunde

Am 19. September startet die Herbstlohnrunde mit den Kollektivvertragsverhandlungen für die rund 134.000 Beschäftigte der Metalltechnischen Industrie. Ausgangspunkt ist die Inflationsrate der vergangenen zwölf Monate von 6,3 Prozent. Aktuell liegt die Teuerungsrate im Jahresvergleich bei 9,1 Prozent. Im Vorjahr erfolgte ein KV-Abschluss bei 3 bis 3,55 Prozent Plus, bei einer Jahresinflation von damals 1,89 Prozent. Der Mindestlohn legte auf 2089,87 Euro brutto zu. Laut Gewerkschaft werden aktuell rund 180.000 Jobs mit weniger als 1700 brutto bezahlt.

Die AK Vorarlberg setzt sich nachhaltig für Verteilungsgerechtigkeit ein – von der Abschaffung der Kalten Progression über leistbares Wohnen bis hin zu Konsumentenrechten:

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