Soziales
Was bringt die neue Teilpension?
Einen sanften Übergang in die Pension wünschen sich viele. Seit 1. Jänner 2026 gibt es dafür neu die sogenannte Teilpension. Sie ergänzt das bisherige Modell der Altersteilzeit.
In der Debatte um die Pensionen wird von gewissen Akteuren ein vermeintlich alternativloser Rettungsanker präsentiert: die private Vorsorge. Doch hinter dem Versprechen verbergen sich oft hohe Kosten und Marktrisiken, die allein die Arbeitnehmer:innen tragen.
Das österreichische Pensionssystem ruht auf drei Säulen: der gesetzlichen Versicherung (Pflichtversicherung), der betrieblichen Altersvorsorge (freiwillige Leistungen der Arbeitgeber*) und der privaten Vorsorge. Während die staatliche Pension die Basis bildet, sollen die weiteren Säulen diese ergänzen. Doch um die Gewichtung dieses Modells tobt ein hitziger Interessenkonflikt.
Wirtschaftsverbände wie die Industriellenvereinigung (IV) oder die Wirtschaftskammer (WKO) fordern regelmäßig eine stärkere Gewichtung kapitalmarktbasierter Modelle. Ihr Hauptargument ist die langfristige Finanzierbarkeit des staatlichen Systems angesichts des demografischen Wandels. Sie plädieren deutlich für eine Abkehr vom rein staatlichen System und betonen die »Eigenverantwortung«. Für Banken und Versicherungen ist dieser Ausbau ein lukratives Geschäft, da sie vom privaten Kapital direkt profitieren.
Vor dieser Entwicklung muss aus gutem Grund gewarnt werden, denn während das staatliche System auf dem solidarischen Umlageverfahren basiert, hängt die private Vorsorge direkt von den Kursentwicklungen an den Finanzmärkten ab. Verluste sind ein persönliches Risiko, ein Börsencrash kurz vor dem Pensionsantritt ist ein Fiasko. Bei vielen privaten Produkten – insbesondere fondsgebundenen – gibt es keine Garantie auf eine bestimmte Pensionshöhe. Von den Risiken abgesehen, muss man sich eine private Vorsorge auch erst einmal leisten können.
Kritisch zu betrachten sind zudem die komplexen Kostenstrukturen. Abschlussgebühren und Kontoführungsentgelte reduzieren das effektiv veranlagte Kapital massiv. Oft müssen die Märkte über Jahre hervorragend performen, nur um die anfänglichen Kosten wieder einzuspielen – es ist ein sicheres Geschäft für die Banken, aber unsicher für die Menschen. Hinzu kommt die mangelnde Wertanpassung: Während staatliche Pensionen jährlich angepasst werden, um die Kaufkraft zu erhalten, bieten viele private Pensionsversicherungen keinen automatischen Inflationsschutz.
Private Versicherer gehen meist von einer sehr hohen Lebenserwartung aus. Um eine attraktive monatliche Privatpension zu erhalten, müsste man oft über 100 Jahre alt werden, um überhaupt das eingezahlte Kapital plus Zinsen zurückzuerhalten. Verstirbt man früher, profitiert eher die Versicherung. Das Risiko trifft vor allem jene, die ohnehin über weniger Spielraum für private Einzahlungen verfügen.
Die Debatte um die private Vorsorge ist oft ein Ablenkungsmanöver. Die Finanzierbarkeit der Pensionen entscheidet sich nicht an der Börse, sondern am Arbeitsmarkt. Die sicherste Form der Altersvorsorge ist eine Beschäftigungspolitik, die faire Löhne und Vollzeitjobs schafft. Wer heute gut verdient und verlässlich in das öffentliche System einzahlt, sichert die Pensionen von morgen. Die Gefahr ist nicht, dass wir »zu alt« werden, sondern dass der Arbeitsmarkt nicht so organisiert ist, dass genug Geld in den gemeinsamen Topf fließt. Statt Einkommen in Risikomärkte zu tragen, sollte die Politik das staatliche System als sicheres Fundament stärken.
Soziales
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