Alt-AK-Präsident Josef Fink dreht sich lächelnd zur Kamera um, einen Rucksack auf dem Rücken. Der Rucksack steht symbolisch für das von ihm mitinitiierte Abfertigungsmodell ‚Abfertigung neu', das Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wie einen mitwachsenden Rucksack durchs Berufsleben begleitet. Im Hintergrund eine grüne Blattwand.
Seit Anfang der 90er-­Jahre kämpfte der damalige AK ­Präsident Josef Fink für das Rucksackmodell – ein Kampf, der sich letztendlich gelohnt hat. © Nikolaus Walter
16.4.2026
Soziales

Der Rucksack für den Ruhestand

Arbeit,Arbeitsrecht,Geschichte,KW9,Vorarlberg,Wissen

Wie eine Vorarlberger Vision das alte ­Prinzip der Betriebstreue revolutionierte.Ein Rückblick auf die Einführung der ­Abfertigung neu im Jahr 2003.

Die Abfertigung ist ein Meilenstein der österreichischen Sozialgeschichte. Über Jahrzehnte war sie ein Herzstück für soziale Absicherung, die Beständigkeit belohnte. Wer 25 Jahre im selben Betrieb arbeitete, konnte mit einem vollen Jahresgehalt rechnen. Der Haken: Im Laufe der Zeit geriet sie zunehmend in Konflikt mit einer Arbeitswelt, die immer mobiler wurde.

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Der Preis der Betriebstreue

In den 1990er-Jahren zeigten sich die Schattenseiten des alten Modells bereits deutlich. Da Ansprüche bei einer Arbeitnehmerkündigung vollständig verfielen, blieben viele Arbeitnehmer:innen in Beschäftigungsverhältnissen, die sie eigentlich verlassen wollten. Auf der anderen Seite wurden Mitarbeiter:innen auch oft gedrängt, selbst zu kündigen. Das brachte sie um ihre gesamte finanzielle Absicherung. In der AK Vorarlberg wuchs die Erkenntnis, dass die Abfertigung grundlegend erneuert werden musste, um nicht zur Mobilitätsbremse zu werden.

Schwarz-Weiß-Aufnahme aus den 1980er-Jahren: Geschäftiger Betrieb in einer Restaurantküche. Eine Servicekraft trägt mehrere Teller mit Speisen, eine zweite steht daneben. Im Hintergrund arbeiten zwei Köche am Herd. An der Decke hängen Schöpfkellen, die Arbeitsflächen sind mit Töpfen und Tellern belegt.
Besonders Beschäftigte in der Gastronomie mit ihrer hohen Fluktuation profitierten von der neuen Regelung. Im Bild: ­Mitarbeiter:innen im Gasthof Kreuz in Buchboden, 2002. © Nikolaus Walter

Das Ringen um den Rucksack 

Der damalige AK Präsident Josef Fink konzipierte das Modell einer überbetrieblichen Vorsorge. Seine Vision: die Abfertigung in einen persönlichen »Rucksack« zu verwandeln, der ab dem ersten Arbeitstag befüllt wird und bei jedem Jobwechsel mitzieht. Doch die Fronten waren verhärtet: Auf der einen Seite schreckten Betriebe davor zurück, jeden Monat fixes Geld für die Abfertigung zu überweisen. Auf der anderen Seite sorgten sich viele Arbeitnehmervertreter:innen um das Niveau der Leistungen und fürchteten, dass durch die Sicherheit für alle die hohen Einmalzahlungen für die Einzelnen verloren gehen könnten. Fink blieb beharrlich und forderte den Wechsel. Dieser wurde dann auch im Parlament beschlossen und trat am 1. Juli 2002 in Kraft – allerdings mit dem nicht nachvollziehbaren, niedrigen Beitragssatz von 1,53 Prozent. Laut Berechnungen der AK Vorarlberg wären aber 2,5 Prozent notwendig, damit das Leistungsniveau vergleichbar hoch ist.

Der Auftrag für die Zukunft

Am 1. Jänner 2003 begann eine neue Zeitrechnung für Österreichs Arbeit­nehmer:innen. Seither wandert die Abfertigung neu als krisenfester Anspruch bei jedem Jobwechsel mit. Doch für die AK Vorarlberg ist die Geschichte damit nicht abgeschlossen. Von den ursprünglich geforderten 2,5 Prozent blieb der Kompromiss von 1,53 Prozent Beitrags­höhe – eine Differenz, die heute angesichts der anhaltend hohen Teuerung mehr denn je schmerzt. Für AK Präsident Bernhard Heinzle ist die Vision von damals heute aktueller denn je: Er fordert den nächsten Schritt zu einer gesetzlichen Zusatzpension für alle – damit auch jede:r Arbeitnehmer:in eine zusätzliche Vorsorge bekommt, wie sie im öffentlichen Dienst längst Standard ist. Erst dann ist der »Rucksack« eine Stütze, die im Alter auch wirklich trägt.

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