16.4.2026
Arbeit
Musik ist meine Leidenschaft
Arbeit,Freizeit,Gesellschaft,KW9,Portrait,Vorarlberg
Vera Prantl-Stocks Herz schlägt für die Musik. So sehr, dass sie ihre Leidenschaft nie zum Beruf machen wollte. Dennoch spielt vor allem das Singen in Veras Leben eine zentrale Rolle – in ihrer Freizeit sowieso, aber auch bei der Arbeit.
Die Liebe zur Musik begleitet Vera von Kindesbeinen an. Bereits mit sechs Jahren lernt sie Geige, nimmt später auch Klavierunterricht, bringt sich selbst das Gitarrespielen bei und komponiert eigene Songs. Doch Musik zu studieren oder ihre große Leidenschaft zum Beruf zu machen, kommt nie in Frage. »Musik war für mich zu wichtig. Ich wollte mir die Freude daran nicht dadurch verderben, dass ich damit mein Geld verdienen muss.«
Vera, die Volksschullehrerin
Statt von einer Karriere als Musikerin träumt Vera zunächst davon, Schauspielerin zu werden. Doch schon beim Schnuppern an der Schauspielschule merkt sie: Diese Branche ist nichts für sie. Was sie stattdessen tun könnte, weiß sie allerdings nicht so recht. Der Vorschlag, Lehrerin zu werden, kommt von ihrer Mutter. Dieser war aufgefallen, wie viel Spaß Vera bei den Aktivsommer-Programmen für Kinder hatte, an denen sie als Schülerin mitarbeiten konnte. Auch später, als Regieassistentin bei einer Kindertheatergruppe, wird deutlich: Vera kann gut mit Kindern. Und so entscheidet sie sich nach ihrer Matura am Musikgymnasium für eine Ausbildung zur Volksschullehrerin.
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Musik ist mehr als eine nette Abwechslung
Veras Unterricht ist temperamentvoll und lebendig. Als Klassenlehrerin der 1c an der Volksschule Bregenz Weidach unterrichtet sie die meisten Fächer selbst. Musik ist dabei seit ihrem Berufseinstieg weit mehr als eine nette Abwechslung zwischen den »wichtigen« Fächern. Deshalb sitzen an diesem Vormittag die Kinder in der Mathe-Stunde auch nicht ruhig an ihren Tischen. Vielmehr stehen alle im Kreis, klatschen, klopfen und stampfen im Takt – und zählen dabei laut mit. »Ich fange schon in der ersten Klasse mit Body Percussion, Notenlehre und Singen an«, erzählt Vera. Body Percussion nennt man das Musizieren mit dem eigenen Körper als Rhythmusinstrument. Geklatscht, geklopft oder gestampft wird in Veras Unterricht nach vorgegebenen Notenwerten. Das hilft den Kindern, die Musik mit dem ganzen Körper zu spüren. Außerdem fördert es die Aufmerksamkeit, die Konzentration und noch vieles mehr. Und auch beim gemeinsamen Singen lernen sie weit mehr als ein paar Lieder. »Wer zusammen mit anderen singt, lernt aufeinander zu hören und auf ein gemeinsames Ziel hinzuarbeiten«, erklärt Vera. Ihre Schüler:innen haben diese Möglichkeit nicht nur in ihrer Klasse, sondern auch im Schulchor, den Vera leitet.
Vera, die Chorleiterin
Ihren ersten Schulchor gründet Vera bereits 2012 an der Volksschule Lauterach, wo sie zu dieser Zeit unterrichtet. Einen Chor außerhalb der Schule zu leiten, war zwar nie geplant, doch als ihr die Leitung des Lauteracher Kinderchores angeboten wird, sagt sie zu – und weil ihr die Aufgabe so viel Spaß macht, absolviert sie parallel dazu auch gleich eine entsprechende Ausbildung. 2015 hat erneut der Zufall seine Hände im Spiel. Bei der Rütner Chorgemeinschaft fällt eine Musikerin aus, die den Chor mit ihrer Geige hätte begleiten sollen. Vera springt ein. Man weiß um ihr Engagement als Kinderchorleiterin. Doch die Anfrage, ob sie nicht auch diesen Chor leiten wolle, lehnt sie zunächst dankend ab. »Kinderchöre singen oft einstimmig«, begründet sie ihr Zögern.
Dennoch lässt sie sich überreden – und macht ihre Sache offenbar sehr gut. Denn wenig später erhält sie vom Chorverband eine Auszeichnung als Nachwuchs-Chorleiterin. Mit dieser Bestätigung als Rückenwind wagt sie sich an die nächste Herausforderung und absolviert von 2016 bis 2018 die Chorleiterausbildung. Doch wie in ihrem Beruf als Lehrerin ist auch in der Chorleitung eine abgeschlossene Ausbildung für Vera erst der Anfang. »Da wie dort muss man erst einmal selbst ins Tun kommen, vieles ausprobieren und schließlich seinen eigenen Stil finden«, so ihre Überzeugung.
»Die Vorstellung, plötzlich Erwachsene vierstimmig zu dirigieren, hat mich damals komplett überfordert.«
Vera Prantl-Stock
Volksschullehrerin und Chorleiterin
So eine Gelegenheit bekommt man nicht jeden Tag
Von 2015 bis 2021 leitet Vera die Rütner Chorgemeinschaft. Es folgt eine recht kurze »chorfreie Zeit«, die jedoch eines Nachmittags im Jahr 2022 mit einem Anruf ein überraschendes Ende findet. Am Apparat ist der Obmann des Männerchores Götzis. Seine Frage: Ob Vera Interesse hätte, die Leitung des Männerchores Götzis zu übernehmen. Diese weiß zunächst gar nicht, was sie sagen soll. Denn was sie sehr wohl weiß: Dieser Chor wird seit 37 Jahren von Oskar Egle geleitet – und das äußerst erfolgreich. »Das ist fast länger, als ich damals auf der Welt war», lacht Vera. Doch sie beschließt, es zumindest zu versuchen. »So eine Gelegenheit bekommt man schließlich nicht jeden Tag«, sagt sie heute.
Und da steht sie nun, wieder in einer Schule. Doch statt Vormittag ist es bereits Abend, und statt einer Schulklasse haben ihr gegenüber rund sechzig Männer zwischen Mitte zwanzig und Anfang achtzig Aufstellung genommen. Auch sie klatschen, klopfen und stampfen im Takt. Mit Mathe hat das freilich nichts zu tun. Vielmehr wärmt der Chor sich hier im Festsaal der Musikmittelschule Götzis mit Übungen wie diesen für die bevorstehende Probe auf. Dass diese gestandenen Sänger, die zum Teil seit Jahrzehnten Mitglieder dieses Chores sind und zusammen schon viel erreicht haben, ihr als junger Chorleiterin ihr Vertrauen entgegenbringen, erfüllt Vera mit Dankbarkeit. Doch nimmt man die nach wie vor stets ausverkauften Konzerte als Maßstab, trägt auch sie inzwischen einen wesentlichen Teil zum Erfolg des Chores bei.
Beim Singen kommen die Leute zusammen
Singen verbindet, unabhängig von Alter, Herkunft oder Status, daran hat Vera keinen Zweifel. Doch anders als in der Schule ist es für den Männerchor wie für viele andere Chöre eine Herausforderung, Nachwuchsstimmen zu gewinnen. Dabei ist für Vera das Singen bei Weitem nicht alles, was so eine Chorgemeinschaft ausmacht: »Gerade wenn mehrere Generationen zusammenkommen, kann man wahnsinnig viel voneinander lernen und findet manchmal unerwartet Freundschaften fürs Leben.«
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