Arbeit
Wie der Kollektivvertrag gegen Lohndumping schützt
In diesen Buchstaben steckt viel Schutz für Sie. Wie die Kollektivverträge (KV) Sie finanziell schützen und worauf es wirklich ankommt, damit Ihr Lohn stimmt.
Die AK Vorarlberg hat einen neuen Direktor: Am 1. Oktober 2026 hat Manuel Ganahl die Nachfolge von Andreas Lampert angetreten. Damit bildet der 38-Jährige gemeinsam mit Präsident Bernhard Heinzle das jüngste Führungsteam an der Spitze einer österreichischen Arbeiterkammer. Wir haben nachgefragt, was sich jetzt ändern wird, welche Themen aktuell besonders brennen und was Arbeit in Vorarlberg wert ist.
Wenn eine Führungsposition neu besetzt wird, liegt Veränderung in der Luft. Was bedeutet der neue Direktor für die AK Vorarlberg?
Manuel: Die Lage ist wirtschaftlich und politisch ständig in Veränderung. Das heißt, wir werden unsere Themen und unsere Leistungen laufend an die sich ändernde Arbeitsrealität anpassen müssen. Dabei werden wir auf den vorhandenen Stärken der AK Vorarlberg aufbauen. Es ist wichtig, dass wir unsere Organisationsstrukturen weiter so optimieren, dass wir einerseits die bestmögliche Servicequalität anbieten und andererseits unseren interessenpolitischen Auftrag erfüllen können. Unser Ziel ist es, dem Vertrauen gerecht zu werden, das die AK Mitglieder in uns setzen.
Die Zusammenarbeit zwischen Direktor und Präsident bildet dafür eine wichtige Brücke. Wie sieht diese Zusammenarbeit konkret aus?
Bernhard: Als Präsident bin ich viel unterwegs, spreche mit den Menschen und halte die Augen und Ohren offen für die Themen, die sie beschäftigen. Manuel ist als Direktor dafür verantwortlich, dass die AK als Organisation funktioniert. Je enger wir zusammenrücken, desto kürzer sind die Wege von der Beobachtung zur interessenpolitischen Forderung und schlussendlich im Idealfall zur Lösung.
Manuel: Auch andersherum arbeiten wir als Kammerbüro mit allen Abteilungen wichtige Informationen so auf, dass sie eine tragfähige Grundlage für Bernhards Arbeit und die unserer Funktionär:innen bilden. Eine enge Abstimmung ist da sehr wichtig. Und die wollen wir in unserer Zusammenarbeit noch besser und effizienter gestalten.
Wer als Team gut zusammenarbeiten möchte, sollte sich gut kennen. Welche Stärken schätzt ihr am jeweils anderen besonders?
Manuel: An Bernhard schätze ich besonders seine Fähigkeit, Menschen zu begeistern. Es gelingt ihm immer wieder, Leute zusammenzubringen und für wichtige Themen zu mobilisieren. Er bringt eine Leidenschaft in die politische Arbeit, die mich sehr beeindruckt.
Bernhard: Fachlich schätze ich an Manuel vor allem seine Kompetenz als Jurist. Persönlich beeindruckt mich besonders die Ruhe, die er ausstrahlt. Ich bin in mancherlei Hinsicht eher emotional, da bildet er einen wichtigen Gegenpol. Ich bin sehr froh, dass er sich bereit erklärt hat, diese Funktion zu übernehmen.
Welche Themen beschäftigen die AK Vorarlberg aktuell und in naher Zukunft ganz besonders?
Manuel: Nach wie vor sehr zentrale Themen sind das Wohnen, gute Arbeit und ein gutes Leben für alle, Gesundheit, Pflege und natürlich Bildung.
Der Spruch »Schaffa, schaffa, Hüsle baua« hat in Vorarlberg ganze Generationen geprägt. Ist er auch heute noch das Maß aller Dinge?
Bernhard: Vor einigen Jahren war in Vorarlberg klar: Wenn ich fleißig bin und viel arbeite, kann ich mir ein gutes Leben leisten. Für viele hieß das, ein Haus oder eine Eigentumswohnung zu haben. Heute aber bekommt man durch normale Arbeit, ohne Unterstützung wie beispielsweise ein Erbe, in Vorarlberg nicht einmal mehr einen Kredit. Auch nicht als Paar.
Wie kann diese Entwicklung aufgehalten werden?
Bernhard: Wir müssen über Verteilungsgerechtigkeit diskutieren können. Darüber, dass Überreiche einen klitzekleinen Beitrag leisten, um etwas vom Druck aus dem System zu nehmen. Wir reden hier von Vermögen in Millionenhöhe, nicht von den Häuslebauer:innen, die sich ihr Eigenheim hart erarbeitet haben.
Manuel: Gleichzeitig müssen die Rahmenbedingungen stimmen, damit man überhaupt einer Erwerbstätigkeit nachgehen kann. Kinderbetreuungsangebote zum Beispiel, oder auch flexible Arbeitszeitmodelle, die Vereinbarkeit gewährleisten können. Auch Bildung spielt eine immer wichtigere Rolle. Hier können wir nicht nur für das einzelne Mitglied, sondern auch für ganze Gesellschaftsgruppen einen Beitrag leisten.
Gibt es dafür ein konkretes Beispiel?
Manuel: In der Arbeiterkammer beschäftigt sich eine ganze Abteilung mit allen Themen rund um Familie und Beruf – in der Beratung, aber auch auf Seiten der Interessenpolitik. Hier geht es darum, vorauszudenken, was zukünftig an Bildung und Ausbildung notwendig sein wird, damit speziell Frauen bestmöglich wieder in den Arbeitsmarkt einsteigen können.
Bernhard: Ein anderes Beispiel ist das Thema Care-Arbeit. In Vorarlberg pflegen viele, meist Frauen, ihre Eltern zu Hause. Wir fordern schon seit zehn Jahren die Anstellung von pflegenden Angehörigen, damit diese Frauen sozialversichert sind und später die Chance auf eine Pension haben. Das ist die gesellschaftspolitische Funktion der Arbeiterkammer: Wir erkennen einen Missstand, erarbeiten konkrete Lösungsvorschläge und fordern die Umsetzung. Und vielleicht am wichtigsten: Wir lassen nicht locker.
»Wir erkennen einen Missstand, erarbeitenkonkrete Lösungsvorschläge und fordern dieUmsetzung. Und vielleicht am wichtigsten:Wir lassen nicht locker.«
Bernhard HEINZLE
AK Präsident
Es braucht also Geduld und einen langen Atem, um Veränderung anzustoßen …
Bernhard: Starke Nerven sind in diesem Beruf sicherlich von Vorteil.
Manuel: Aber wir sind ja noch jung. Wir haben viel Energie. (lacht)
Das Thema dieser Ausgabe lautet »Was ist Arbeit wert?«. Eine zentrale Rolle spielen dabei auch die Auswirkungen der KI. Wird in zehn Jahren menschliche Arbeit überhaupt noch etwas wert sein?
Manuel: Es verändert sich aktuell sehr viel. Das war mit jedem technischen Fortschritt der Fall. Meine persönliche Einschätzung ist, dass es einige Berufe mitunter nicht mehr geben wird, andere Berufe werden sich verändern und neue Berufe sich entwickeln. Der persönliche Kontakt, die Begegnung und der Austausch mit anderen Menschen werden aber meines Erachtens wichtige Faktoren bleiben.
Bernhard: Unsere Aufgabe als Arbeiterkammer ist es jetzt, für bestmögliche Rahmenbedingungen in der Arbeitswelt zu sorgen. Darum investieren wir unter anderem sehr viel in die Höherqualifizierung, gerade von älteren Arbeitnehmer:innen. Denn eines ist klar: Mit niedriger Qualifikation wird man am Standort Vorarlberg in Zukunft keinen Arbeitsplatz mehr finden.
Welchen Wert hat Arbeit für euch persönlich?
Manuel: In meiner Familie haben alle einen Beruf im Sozialbereich gelernt. Ich bin mit meiner juristischen Ausbildung ein bisschen ausgeschert, habe dann aber die Kurve noch gekriegt. (lacht) Mir ist sehr wichtig, dass meine Arbeit sinnstiftend ist. Man sollte Arbeit nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht betrachten, sondern auch als Investition in die Gesellschaft. Es motiviert mich extrem und macht mich stolz, für eine Organisation wie die AK Vorarlberg zu arbeiten.
Bernhard: Meine Arbeit ist für mich eher ein etwas übertriebenes Hobby. Ich bin seit meinem 15. Lebensjahr Arbeitnehmervertreter aus und mit Leidenschaft. Ich kann mitgestalten. Das ist energieaufwändig und benötigt viel Kraft. Aber jeder kleine Schritt macht mich persönlich stolz.
»Es motiviert mich extremund macht mich stolz, füreine Organisation wie dieAK Vorarlberg zu arbeiten.«
Manuel Ganahl
AK Direktor
Jetzt haben unsere Leser:innen euch in eurer Funktion kennengelernt. Gibt es auch etwas Privates, das bisher kaum jemand über euch weiß?
Bernhard: Ich bin Thermomix-Experte. Ich kenne alle richtig guten Rezepte von Guglhupf bis Käsdönnala und probiere viel zusammen mit meinen Töchtern aus.
Manuel: Ich spiele E-Gitarre in einer 60s/70s-RockCoverband. Wir spielen alles Mögliche von Black Sabbath über Lynyrd Skynyrd bis zu den Rolling Stones – und alles im Zweifelsfall etwas härter, schneller und lauter als im Original.
Mehr zum AK Präsidenten, dem AK Direktor und den weiteren Gremien auf der AK Website.
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450 Handelsangestellte ziehen mit Schildern in der Hand durch Bregenz. Der Grund für ihren Unmut: Während andernorts am Samstagmittag Schluss ist, stehen sie in den Geschäften. Die Ladenschlussdemo zeigt uns bis heute: Wer Veränderung will, muss sie fordern – auch wenn der Ausgang unklar ist.
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Steuern, Arbeitsmarkt, Vereinbarkeit: Als Betriebsrätin bei der Drogeriemarktkette dm steht Nadja Djuric täglich mit den Beschäftigten im Austausch. Als Vorsitzende des AK Ausschusses für Steuer- und Arbeitsmarktpolitik fordert sie mutige Reformen – von leistbarem Wohnraum bis hin zu fairer Besteuerung.
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