Konsum
Sexismus in der Werbung
Werbung soll verlocken. Doch was einst als harmlos galt, war schon damals verletzend. Ein Rückblick auf sexistische Stereotype in der Werbung – und wie sie bis heute nachwirken.
»Sind wir Menschen zweiter Klasse?«, »Auch wir wollen ein verlängertes Wochenende!«, »Wir sind keine Kulis!« – Ausgestattet mit handgeschriebenen Tafeln zieht am 3. Mai 1973 eine bemerkenswerte Demonstration durch die Straßen von Bregenz. 450 Handelsangestellte bewegen sich zum alten Landhaus in der Jahnstraße. Der Grund für den Protest? Während Banken, Ämter und andere öffentliche Einrichtungen samstags mittags schließen, müssen die Handelsbeschäftigten weiterarbeiten – für sie eine Ungerechtigkeit, die ihr Familienleben belastet. Unterstützt durch Arbeiterkammer und Gewerkschaft fordern sie die Gleichstellung.
Manche Schilder zielen direkt auf Landeshauptmann Herbert Keßler: »Der Keßler-Hut muss weg!« heißt es da, und »Demokratie oder Keßler-Diktatur?«. Die beiden Fotografen Helmut Klapper und Oscar Spang halten die Demonstration mit ihren Kameras fest. Ihre Aufnahmen erzählen die Geschichte eines Tages der Auflehnung und Solidarität. Es sind wertvolle Dokumente, die daran erinnern, dass soziale Errungenschaften nicht vom Himmel fallen, sondern erstritten werden müssen. Klar, nicht jeder Protest führt zu Veränderung, aber jede Veränderung beginnt damit, dass Menschen sich äußern. Die Landesregierung verspricht, die Ladenschlussverordnung zu prüfen. Am Ende lehnt sie die Forderungen ab.
Heute wirkt die Ladenschlussdemo wie eine Szene aus einer anderen Welt. In einer Zeit, in der Geschäfte samstags bis 18 Uhr und unter der Woche bis 21 Uhr geöffnet sein dürfen, scheint die Forderung eines freien Samstagnachmittags für Handelsangestellte beinahe utopisch. Die Entwicklung der letzten Jahrzehnte zeigt, wie soziale Errungenschaften wieder ins Wanken geraten können. Während Ladenöffnungszeiten immer weiter ausgeweitet wurden, blieb die Forderung nach kürzeren Arbeitszeiten lange ungehört. Die Einführung der 40-Stunden-Woche 1975 war aus Sicht der Arbeitnehmer:innen ein wichtiger Erfolg, doch die letzte allgemeine Arbeitszeitverkürzung in Österreich liegt mehr als fünfzig Jahre zurück. Und nicht nur das, seither gab es sogar Rückschritte (Stichwort: 12-Stunden-Tag und 60-Stunden-Woche). Doch auch Fortschritt ist möglich, wie etwa der Kollektivvertrag im privaten Pflege-, Gesundheits- und Sozialbereich zeigt: Seit dem 1. Jänner 2022 gilt erstmals die 37-Stunden-Woche als Normalarbeitszeit – eine Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich.
Was lässt sich aus der Demonstration von damals für heute und für die Zukunft lernen? Wer etwas verändern will, muss es aussprechen, und zwar so, dass es gehört wird – auch dann, wenn man damit nicht immer Erfolg hat. Die Geschichte der Arbeiterbewegung zeigt: Proteste haben Wirkung. Solidarität und gemeinsames Handeln machen Veränderung möglich.
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