Arbeit
Wie Elmar Röck in 215 Metern Höhe arbeitet
Ein Gespräch mit dem Seilbahntechniker Elmar Röck über Gondeln für Ziegen, Maschinengewehre und über die Kunst, auch in großer Höhe die Ruhe zu bewahren.
Ramona, du hast ursprünglich im Kunsthandel gelernt. Wie bist du im Lebensmittelhandel gelandet?
Ramona Wetzlinger: Die Arbeit im Kunsthandel war mir auf Dauer einfach zu ruhig. Seit 24 Jahren bin ich jetzt im Einzelhandel und muss sagen: Das ist um ein Vielfaches spannender. Ich bin schon lange an der Kasse. Zwischendurch war ich zwar auch mal in der Milchprodukte-Abteilung, aber da habe ich schnell gemerkt, was mir fehlt: der direkte Kontakt zu den Menschen. So ein Päckchen Butter redet halt nicht mit dir. (lacht)
Warum bist du so gern an der Kasse?
Ramona: Absolute Herzenssache! Klar hilft man überall im Markt aus, wenn Not am Mann ist. Aber an der Kasse bist du mitten im Geschehen. Du hast die volle Bandbreite der Gesellschaft direkt vor dir.
Was erlebst du dabei?
Ramona: Ganz klar das Zwischenmenschliche. Ich liebe den Kontakt zu den Stammkund:innen. Man kennt sich nach einer Weile. Wenn jemand plötzlich mit einem Gipsarm vor mir steht, frage ich natürlich nach, was passiert ist. Ältere Menschen erzählen einem manchmal ihren halben Lebenslauf und freuen sich riesig, wenn man in der Woche darauf nachfragt, ob die Gattin wieder wohlbehalten aus dem Krankenhaus zurück ist. Das sind kleine, echte Momente, die mir persönlich extrem viel geben. Es gibt kaum etwas Schöneres, als wenn jemand sagt: „Ich bin so froh, dass du heute da bist, ich komme einfach gerne zu dir an die Kasse.“
»Ich liebe den Kontakt zu den Stammkund:innen. Man kennt sich nach einer Weile. Ältere Menschen erzählen einem manchmal ihren halben Lebenslauf und freuen sich riesig, wenn man in der Woche darauf nachfragt. Das sind kleine, echte Momente, die mir extrem viel geben.«
Ramona Wetzlinger
SPAR-Kassiererin
Viele denken beim Kassenjob noch immer an „drüberziehen und abkassieren“. Was ist daran falsch?
Ramona: Es ist für den Kopf wirklich anstrengend. Du musst auch in absoluten Stresssituationen die Ruhe bewahren – selbst wenn alle Kassen besetzt sind und die Schlange trotzdem bis weit in die Gänge reicht. Gleichzeitig musst du konzentriert bleiben: Habe ich das richtige Obst eingetippt? Funktioniert die Waage? Dazu kommen die Alterskontrollen bei Alkohol und Tabak und die aktuellen Angebote, die man natürlich auch kennen muss. Es ist eben nicht nur „Biep“.
Und dann gibt es inzwischen auch noch die Self-Check-out-Kassen.
Ramona: Genau. Ein Reizthema ist ja oft die berühmte zweite Kasse. Wir sind geschult, extrem frühzeitig zu reagieren. Aber manchmal geht es eben nicht in der Sekunde, weil wir parallel auch die Self-Check-Kassen im Auge behalten müssen. Da braucht jemand eine Freigabe, da hakt ein Barcode – man muss quasi an drei Orten gleichzeitig sein.
Was machst du, wenn jemand seinen Frust an dir auslässt?
Ramona: Ich sage mir immer: Jeder Mensch bringt seine eigene Geschichte mit an die Kasse. Mit mir persönlich hat der Frust meistens überhaupt nichts zu tun. Deshalb nehme ich das nicht mit nach Hause. Wenn jemand ganz grantig ist, grüße ich beim vierten Mal einfach immer noch extrem freundlich. In neun von zehn Fällen bricht das Eis und es kommt ein Lächeln oder ein „Guten Morgen“ zurück. Ein ehrliches „Bitte“ und „Danke“ oder echter Augenkontakt – darüber freut man sich als Kassiererin riesig.
Du bist Mutter von zwei Söhnen. Wie lässt sich der Kassenjob mit dem Familienleben vereinbaren?
Ramona: Das funktioniert wunderbar. Mein Arbeitgeber ist da wirklich familienfreundlich und flexibel. Außerdem sind meine Jungs 11 und 14 Jahre alt, die sind schon sehr selbstständig. Mein Großer ist jetzt in einem Alter, in dem er oft gar nicht merkt, dass ich weg war, wenn ich nach Hause komme. (lacht)
Gehst du privat anders einkaufen, seit du selbst auf der anderen Seite des Kassenbands stehst?
Ramona: Absolut. Ich habe einen Blick für die Kolleg:innen in anderen Geschäften und sehe sofort, ob jemand einen stressigen Tag hat. Und wenn ich eine wirklich tolle, aufmerksame Verkäuferin erlebe, gebe ich ihr ein direktes, ehrliches Lob. Ich weiß schließlich aus eigener Erfahrung, wie gut so etwas tut.
Was wünschst du dir von uns Kund:innen, wenn wir das nächste Mal an der Kasse stehen?
Ramona: Bringt ein bisschen Geduld mit. Wenn die 80-jährige Seniorin ihre 27 Cent langsam in Kupfermünzen abzählt, dann ist das ihr gutes Recht. Jeder Kunde hat seine Zeit verdient. Ein ehrlicher Blickkontakt, ein Lächeln und ein einfaches „Guten Morgen“ kosten keinen Cent. Und wenn nach einer langen Schlange jemand sagt: „Danke, das haben Sie super gemeistert!“ – dann freut man sich einfach. Das kann einem wirklich den ganzen Tag retten.
Arbeit
Micha Kieber ist ein Hochbauer, wie man ihn sich vorstellt: fit, kurze Hose und nicht auf den Mund gefallen. Im Interview erzählt er, wie er um zwei Ecken zu seinem Job kam, warum er sich keinen anderen mehr vorstellen kann – und was sich in den vergangenen Jahren auf den Baustellen verändert hat.
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