Arbeit
Wie Elmar Röck in 215 Metern Höhe arbeitet
Ein Gespräch mit dem Seilbahntechniker Elmar Röck über Gondeln für Ziegen, Maschinengewehre und über die Kunst, auch in großer Höhe die Ruhe zu bewahren.
Micha, du bist Facharbeiter im Hochbau und arbeitest gerade auf der Großbaustelle in Nüziders. Was baut ihr hier gerade?
Micha: Wir bauen hier eine Produktionshalle, ein Bürogebäude und ein Hochregallager für die Holdinggesellschaft Getzner, Mutter & Cie. Das ist selbst für uns eine der ganz großen Baustellen.
Baust du immer solche gewerblichen Gebäude, oder baust du auch Wohnhäuser?
Micha: Wir bauen vor allem Gewerbegebäude, oft auch im Tourismusbereich. Und dabei besonders die ganz großen Häuser. Außerdem ist Jäger Bau auch in der Projektentwicklung tätig und wir Hochbauer bauen dann an den Wohnprojekten. Wir helfen auch mal im Stollenbau aus oder bei der Hangsicherung mit Spritzbeton. Der Job ist sehr vielseitig und genau das macht es spannend. Langweilig wird uns jedenfalls nie.
Wie lange arbeitest du schon bei Jäger Bau?
Micha: Ich arbeite seit 16 Jahren hier. Ursprünglich bin ich gar kein Maurer, sondern Tischler, habe aber nach der Lehre die Ausbildung zum Polier gemacht. Und ganz ursprünglich bin ich eigentlich Skilehrer. (lacht)
Skilehrer? Wie geht das denn zusammen?
Micha: Ich wollte immer Skilehrer werden und habe das nach der Schule auch umgesetzt. Um auch im Sommer etwas zu tun zu haben und Geld zu verdienen, habe ich damals als Tischler in Hohenems gearbeitet. Den ganzen Tag in der Werkhalle sein, war aber nichts für mich. Ich wollte an die frische Luft. So bin ich schließlich zu Jäger Bau gewechselt – und später vom Sommerjob zur Ganzjahres-Arbeit.
Viele haben noch das Bild im Kopf, dass Bauarbeiter bei Wind und Wetter schaffen, von morgens bis abends und am besten auch noch am Wochenende. Ist das so?
Micha: Früher war das tatsächlich so, aber diese Zeiten sind zum Glück vorbei. Heute fangen wir meist um 7 Uhr an und haben um 17:15 Uhr Feierabend, am Freitag sogar schon um 15 Uhr. Das hat auch damit zu tun, dass viele Junge nicht mehr so arbeiten wollten, was ja auch ihr gutes Recht ist. Aufgrund dessen wurde da wirklich umgedacht und etwas verändert. Und das zum Wohle aller.
Haben sich auch andere Arbeitsbedingungen verändert?
Micha: Die Arbeit wird durchaus leichter. Die Materialien und Werkzeuge werden leichter, der Einsatz des Schalenmaterials wird einfacher. Man kann heute auch mehr Maschinen einsetzen, die körperlich schwere Aufgaben abnehmen: Was früher mit Schraubenschlüssel und Hammerschlägen erledigt wurde, übernimmt heute meist ein Schlagschrauber. Auf unseren Großbaustellen haben wir in der Regel Kräne, um Sachen anzuheben und zu transportieren. So müssen wir nicht selbst schwer heben – was übrigens auch von den Arbeitgebern gar nicht gewünscht ist.
Es gibt ein paar hartnäckige Gerüchte über Bauarbeiter, etwa dass sie viel rauchen und immer kurze Hosen tragen. Stimmt das?
Micha: Das mit den kurzen Hosen auf jeden Fall! (lacht) Lange Hosen werden auf der Baustelle nur in Monaten mit R getragen. Aber Alkohol und Rauchen sind längst vorbei.
Viele Branchen suchen händeringend Lehrlinge. Wie ist das bei euch?
Micha: Gerade 2026 dürfen wir uns über einige Lehrstarts im Hochbau freuen. Aber auch wir merken, dass die Lehrlingszahlen langfristig zurückgehen. Noch nicht im besorgniserregenden Maß, aber spürbar. Das geht in meinen Augen dem ganzen Handwerk so: Vielen ist es nichts mehr wert und wer kann, geht lieber studieren. Aber irgendwer muss die Häuser ja bauen. Wo sollen wir einmal wohnen, arbeiten oder einkaufen, wenn jede:r an die Hochschulen geht und niemand mehr auf den Bau?
Was begeistert dich an deinem Beruf?
Micha: Er ist wahnsinnig abwechslungsreich. Und du hast am Bau sehr gute Aufstiegschancen – vielleicht bessere als in so manchem Büro. Wenn man sich reinkniet und beispielsweise die Polier-Ausbildung macht, kann man es weit bringen. Und auch beispielsweise als Bauleiter ins Büro wechseln, wenn man das mag.
Wäre das auch etwas für dich?
Micha: Bloß nicht! (lacht) Wenn unser Bauleiter im Urlaub ist, übernehme ich seinen Job. Dann sitze ich gefühlt den ganzen Tag nur im Container und hänge am Telefon – 150 Telefonate am Tag kommen locker zusammen, wenn man Beton, Maschinen und Arbeitskräfte koordinieren muss. Es ist zwar interessant und eine Zeit lang habe ich mit dem Gedanken gespielt, in die Bauleitung zu gehen. Ich habe dann aber recht schnell gemerkt, dass ich lieber draußen auf der Baustelle sein will. Polier passt deshalb für mich perfekt.
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