Ein Mann mit hellem Haar und Bart, der als Hochbauer arbeitet, steht lächelnd im Zentrum des Bildes und blickt direkt in die Kamera. Er trägt eine schwarze Fleecejacke mit einem kleinen gelben Logo auf der Brust, eine hellblaue Arbeitshose und einen weißen Schutzhelm. Seine rechte Hand hat er locker in die Hüfte gestützt. Er befindet sich auf einer aktiven Großbaustelle in Nüziders; im unmittelbaren Vordergrund flankieren ihn Teile gelber und grauer Baumaschinen. Im Hintergrund sind Betonwände, ein großes Baugerüst mit Schalungselementen, Bewehrungsstahl sowie ein weiterer Bauarbeiter zu sehen.
Die Getzner-Großbaustelle in Nüziders ist selbst für Micha Kieber eine Besonderheit. © AK
3.7.2026
Arbeit

»Wo sollen wir wohnen, wenn niemand mehr auf dem Bau arbeitet?«

Arbeit,Arbeitsklima,Arbeitskultur,Interview,KW9

Micha Kieber ist ein Hochbauer, wie man ihn sich vorstellt: fit, kurze Hose und nicht auf den Mund gefallen. Im Interview erzählt er, wie er um zwei Ecken zu seinem Job kam, warum er sich keinen anderen mehr vorstellen kann – und was sich in den vergangenen Jahren auf den Baustellen verändert hat.

Micha, du bist Facharbeiter im Hochbau und arbeitest gerade auf der Großbaustelle in Nüziders. Was baut ihr hier gerade?

Micha: Wir bauen hier eine Produktionshalle, ein Bürogebäude und ein Hochregallager für die Holdinggesellschaft Getzner, Mutter & Cie. Das ist selbst für uns eine der ganz großen Baustellen.

Baust du immer solche gewerblichen Gebäude, oder baust du auch Wohnhäuser?

Micha: Wir bauen vor allem Gewerbegebäude, oft auch im Tourismusbereich. Und dabei besonders die ganz großen Häuser. Außerdem ist Jäger Bau auch in der Projektentwicklung tätig und wir Hochbauer bauen dann an den Wohnprojekten. Wir helfen auch mal im Stollenbau aus oder bei der Hangsicherung mit Spritzbeton. Der Job ist sehr vielseitig und genau das macht es spannend. Langweilig wird uns jedenfalls nie.

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Ein Mann mit hellen Haaren und einem Bart, der als Hochbauer arbeitet, beugt sich lächelnd nach vorne und blickt direkt in die Kamera. Er trägt eine schwarze Fleecejacke, kurze graue Arbeitshosen und einen weißen Schutzhelm mit einem gelben Logo. In seiner rechten Hand hält er einen Zimmermannshammer. Das Foto ist aus einer tiefen Perspektive aufgenommen, sodass im unmittelbaren Vordergrund eine Reihe von vertikalen, oben gebogenen Bewehrungsstählen (Monatseisen) aus Beton herausragen, die den Blick leicht einrahmen. Er steht auf einer Baustelle; im Hintergrund sind weitere Baustrukturen, Betonwände und ein bewölkter blauer Himmel zu sehen.
Als Hochbauer und Polier bei Jäger Bau ist er große Baustellen gewohnt, das Areal in Nüziders ist aber eine ganz neue Dimension. © AK

Wie lange arbeitest du schon bei Jäger Bau?

Micha: Ich arbeite seit 16 Jahren hier. Ursprünglich bin ich gar kein Maurer, sondern Tischler, habe aber nach der Lehre die Ausbildung zum Polier gemacht. Und ganz ursprünglich bin ich eigentlich Skilehrer. (lacht)

Skilehrer? Wie geht das denn zusammen?

Micha: Ich wollte immer Skilehrer werden und habe das nach der Schule auch umgesetzt. Um auch im Sommer etwas zu tun zu haben und Geld zu verdienen, habe ich damals als Tischler in Hohenems gearbeitet. Den ganzen Tag in der Werkhalle sein, war aber nichts für mich. Ich wollte an die frische Luft. So bin ich schließlich zu Jäger Bau gewechselt – und später vom Sommerjob zur Ganzjahres-Arbeit. 

Viele haben noch das Bild im Kopf, dass Bauarbeiter bei Wind und Wetter schaffen, von morgens bis abends und am besten auch noch am Wochenende. Ist das so?

Micha: Früher war das tatsächlich so, aber diese Zeiten sind zum Glück vorbei. Heute fangen wir meist um 7 Uhr an und haben um 17:15 Uhr Feierabend, am Freitag sogar schon um 15 Uhr. Das hat auch damit zu tun, dass viele Junge nicht mehr so arbeiten wollten, was ja auch ihr gutes Recht ist. Aufgrund dessen wurde da wirklich umgedacht und etwas verändert. Und das zum Wohle aller.

Eine Weitwinkelaufnahme einer großen Baustelle unter einem dicht bewölkten Himmel. Im Vordergrund sind gegossene Betonfundamente mit freiliegenden, vertikalen Bewehrungsstählen sowie Holzverschalungen und Bauelemente zu sehen. Dahinter erstrecken sich hohe, im Bau befindliche Betonwände und zahlreiche aufragende Betonsäulen. Die Baustelle wird von zwei großen Turmdrehkranen dominiert: Ein mächtiger, gelber Kran steht auf der rechten Seite, während ein zweiter, orange-roter Kran diagonal durch die obere linke Bildhälfte ragt. Im Hintergrund sind bewaldete Berge im Dunst zu erkennen.
Auf einer solchen Großbaustelle ist es nicht einfach, den Überblick zu behalten. © AK

Haben sich auch andere Arbeitsbedingungen verändert? 

Micha: Die Arbeit wird durchaus leichter. Die Materialien und Werkzeuge werden leichter, der Einsatz des Schalenmaterials wird einfacher. Man kann heute auch mehr Maschinen einsetzen, die körperlich schwere Aufgaben abnehmen: Was früher mit Schraubenschlüssel und Hammerschlägen erledigt wurde, übernimmt heute meist ein Schlagschrauber. Auf unseren Großbaustellen haben wir in der Regel Kräne, um Sachen anzuheben und zu transportieren. So müssen wir nicht selbst schwer heben – was übrigens auch von den Arbeitgebern gar nicht gewünscht ist.

Es gibt ein paar hartnäckige Gerüchte über Bauarbeiter, etwa dass sie viel rauchen und immer kurze Hosen tragen. Stimmt das?

Micha: Das mit den kurzen Hosen auf jeden Fall! (lacht) Lange Hosen werden auf der Baustelle nur in Monaten mit R getragen. Aber Alkohol und Rauchen sind längst vorbei. 

Viele Branchen suchen händeringend Lehrlinge. Wie ist das bei euch?

Micha: Gerade 2026 dürfen wir uns über einige Lehrstarts im Hochbau freuen. Aber auch wir merken, dass die Lehrlingszahlen langfristig zurückgehen. Noch nicht im besorgniserregenden Maß, aber spürbar. Das geht in meinen Augen dem ganzen Handwerk so: Vielen ist es nichts mehr wert und wer kann, geht lieber studieren. Aber irgendwer muss die Häuser ja bauen. Wo sollen wir einmal wohnen, arbeiten oder einkaufen, wenn jede:r an die Hochschulen geht und niemand mehr auf den Bau?

Ein Mann mit hellen Haaren und einem Bart, der als Hochbauer arbeitet, ist von Nahem aus einer tiefen Perspektive zu sehen. Er blickt konzentriert nach unten auf eine Konstruktion aus dicken Gewindestangen und einer Metallplatte, an der er arbeitet. In seiner rechten Hand hält er eine silberne Wasserwaage vertikal an die Konstruktion. Er trägt eine schwarze Fleecejacke, kurze Arbeitshosen und einen weißen Schutzhelm mit einem gelben Logo. Im unscharfen Vordergrund ragen Bewehrungsstähle auf. Im hellen, bewölkten Hintergrund ragt auf der linken Seite ein großer, gelber Turmdrehkran in die Höhe.
Egal ob große oder kleine Baustelle, das eiserne Gesetz am Bau gilt übrigens überall: In Monaten ohne R wird kurze Hose getragen – Punkt. © AK

Was begeistert dich an deinem Beruf?

Micha: Er ist wahnsinnig abwechslungsreich. Und du hast am Bau sehr gute Aufstiegschancen – vielleicht bessere als in so manchem Büro. Wenn man sich reinkniet und beispielsweise die Polier-Ausbildung macht, kann man es weit bringen. Und auch beispielsweise als Bauleiter ins Büro wechseln, wenn man das mag.

Wäre das auch etwas für dich?

Micha: Bloß nicht! (lacht) Wenn unser Bauleiter im Urlaub ist, übernehme ich seinen Job. Dann sitze ich gefühlt den ganzen Tag nur im Container und hänge am Telefon – 150 Telefonate am Tag kommen locker zusammen, wenn man Beton, Maschinen und Arbeitskräfte koordinieren muss. Es ist zwar interessant und eine Zeit lang habe ich mit dem Gedanken gespielt, in die Bauleitung zu gehen. Ich habe dann aber recht schnell gemerkt, dass ich lieber draußen auf der Baustelle sein will. Polier passt deshalb für mich perfekt.

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