Werner Metzler lächelt in die Kamera, während er sich über den geöffneten Motorraum eines Oldtimers beugt. Im Hintergrund ist eine gut ausgestattete Werkstatt zu sehen.
»Alter Schlitten« ist für Werner Metzler kein abwertendes Urteil, sondern ein Qualitätsmerkmal. © AK
16.04.2026
Arbeit

Früher war nicht alles besser – die Autos aber schon, sagt Werner

Arbeit,Gesellschaft,Portrait,Schaffarei,Vorarlberg

»Alter Schlitten« ist für Werner Metzler kein abwertendes Urteil, sondern ein Qualitätsmerkmal. Der Mechaniker arbeitet bei der Old Crow Motor Company in Dornbirn, die sich auf Oldtimer, Youngtimer und US-Autos spezialisiert hat. 

Werner ist der Mann, den ein alter BMW anrufen würde, wenn er könnte. Er kennt Autos, die älter sind als viele seiner Kunden – ihre Macken, ihre Schwächen und ihre versteckten Talente. Bei seiner Arbeit sagt ihm kein Fehleranalyse-Programm, was kaputt ist. Werner sucht, schraubt, tüftelt und baut notfalls das Werkzeug gleich selbst. Im Interview erzählt er, warum alte Autos mehr Charakter haben als neue, was ihn an tagelanger Fehlersuche begeistert – und welches Auto sein heimliches Traumauto ist.

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Blick in Werner Metzlers Werkstatt: Im Vordergrund ein hellblauer Oldtimer-Cabriolet mit geöffneter Motorhaube, darüber ein auf der Hebebühne angehobenes Fahrzeug mit Cooper-Cobra-Reifen. Im Hintergrund stehen weitere Fahrzeuge und Fahrzeugrahmen in der geräumigen Halle.
Chevrolet, Triumph... und auch mal ein Traktor: Die Old Crow Motor Company ist eine etwas andere Werkstatt. © AK

An welchem Oldtimer hast du heute schon gearbeitet? 

Werner: An einem BMW E30 – ein wunderschönes Modell. Genau genommen ist das ein Youngtimer. So bezeichnet man Autos, die etwa 20 bis 25 Jahre alt sind. Aber für die meisten Menschen fällt das durchaus schon unter Oldtimer. (lacht) Wir haben hier aber auch richtige Oldtimer, die 40, 50 oder sogar 60 Jahre alt sind. Und viele alte US-Marken. Die sind die große Leidenschaft des Chefs. Natürlich reparieren wir daneben auch aktuelle Autos und machen »Pickerl«. Aber die Begeisterung liegt ganz klar auf den alten Karren. Und für die gibt es schließlich nicht viele Werkstätten.

Was begeistert dich so an alten Autos?

Werner: Sie haben einfach mehr Charakter und Ausstrahlung. Das Design war damals aufwendiger, die Autos waren vielfältiger. Einen Golf GTI zum Beispiel hast du auf den ersten Blick erkannt. Heute sehen viele Modelle sehr ähnlich aus. Mir fehlen da die Ecken und Kanten. Außerdem haben diese Autos noch gehalten – was man ja allein schon daran sieht, wie sie heute, 40 Jahre später, immer noch für den Service oder das »Pickerl« zu uns in die Werkstatt kommen. Ein heutiges Auto wird wohl kaum 40 Jahre lang fahren.

»Alte Autos haben einfach mehr Charakter und Ausstrahlung. Das Design war damals aufwendiger, die Autos waren vielfältiger.«

Werner Metzler

Kfz-Techniker

Macht das Alter der Autos einen Unterschied bei der Arbeit als Mechaniker?

Werner: Oh ja, einen großen Unterschied sogar. Die Technik ist bei alten Autos greifbarer. Man konnte praktisch alles auseinandernehmen und zum Teil richtig tüfteln. Da kann es schon vorkommen, dass man ein paar Tage lang nach dem Fehler sucht, Dinge auseinander baut, prüft und probiert. Aber irgendwann findet man die Lösung – und das ist ein großartiger Moment. Das macht auch stolz, weil man es selbst geschafft hat. Bei heutigen Autos hängt hingegen viel an der Elektronik. Da steckst du einen Laptop an, machst eine Fehleranalyse und arbeitest ab, was das Programm sagt. Klar, das ist bequem – aber die Spannung und der Spaß fehlen.

Werner Metzler hält seine von Motoröl und Schmierfett verschmutzten Handflächen in die Kamera – sichtbares Zeichen handwerklicher Arbeit in der Oldtimer-Werkstatt.
Die Arbeit als Oldtimer-Mechaniker ist nichts für Menschen, die sich nicht die Hände schmutzig machen wollen. © AK

Musst du oft improvisieren bei der Reparatur?

Werner: Ja, bei den alten Schmuckstücken muss man manchmal sogar eigenes Werkzeug herstellen oder Teile an der Drehbank selbst anfertigen. Wir versuchen generell, Dinge zu reparieren, anstatt sie sofort teuer zu ersetzen. Wenn man zum Beispiel einen Auspuff schweißen kann, anstatt für 2000 Euro einen neuen Katalysator zu kaufen, spart das dem Kunden viel Geld.

Wer fährt heute noch diese Oldtimer?

Werner: Es kommen überraschend viele hierher. Die klassischen Oldtimer-Fahrer sind meistens über 50. Die Jüngeren stehen eher auf amerikanische V8-Motoren. Man sieht hier alles: von Mustangs und Pontiacs über Unimogs und Haflinger bis hin zu kleinen Fiat Topolinos. Das sind oft Sammlerstücke, die kaum gefahren werden. Man braucht für diese Arbeit viel spezielles Wissen und muss oft Teile direkt aus Amerika beziehen, braucht also gute Kontakte. Unser Chef Philipp Thurnher ist da Profi.

Wie bist du zur Old Crow Motor Company gekommen?

Werner: Ich habe 1986 meine Lehre gemacht und 2000 meine Meisterprüfung abgeschlossen. Im Jahr 2003 habe ich mit Philipp eine Werkstatt eröffnet – wir kennen uns nämlich schon ewig. Als unser Mietvertrag für die Werkstatt auslief, trennten sich unsere beruflichen Wege. Aber nur vorübergehend: Nach ein paar Jahren habe ich angefangen, in Philipps jetziger Werkstatt zu arbeiten.

Werner Metzler steht lächelnd mit verschränkten Armen vor einem hellblauen Triumph-Cabriolet in seiner Werkstatt. Er trägt ein schwarzes T-Shirt mit dem Logo seiner Oldtimer-Werkstatt Old Crow Motor Company.
Kaum zu übersehen: Werner liebt die Arbeit an Oldtimern. © AK

Was gefällt dir an der Arbeit mit den alten Autos besonders?

Werner: Es ist einfach schönes Arbeiten, weil es rein mechanisch ist. Man kann noch richtig schrauben und es gibt keinen so großen Zeitdruck wie in anderen Firmen. Ich habe ja nicht mehr lange bis zur Pension und möchte da nicht mehr so einen großen Stress haben.

Was ist das Spannendste an deinem Beruf?

Werner: Das Beste ist, schwierige Fehler zu lösen. Es ist eine tolle Bestätigung, wenn man Technik wieder so instand setzt, dass sie einwandfrei funktioniert. Man muss beim Suchen im Kopf mitdenken und darf nicht einfach blind teure Teile tauschen, die am Ende gar nicht kaputt waren.

Hast du ein persönliches Traumauto?

Werner: Auch wenn mein Freund und Chef Philipp wahrscheinlich enttäuscht ist, dass ich jetzt keine US-Marke nenne: ein BMW 5er, am liebsten in Anthrazit-Metallic. (lacht)

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