3.7.2026
Arbeit
Feuer und Flamme für die Feuerwehr
Arbeit,Arbeitskultur,Freizeit,Gesellschaft,KW9,Portrait
Katharina Karnekar brennt für die Feuerwehr. Nicht umsonst hat sich die passionierte Feuerwehrfrau aus Tosters vor über zehn Jahren auch noch für eine Stelle beim Landesfeuerwehrverband beworben. Dort arbeitet die zweifache Mutter bis heute leidenschaftlich gerne – wenn es nicht gerade woanders brennt.
Langsam füllt sich der große Besprechungsraum im Hauptsitz des Landesfeuerwehrverbandes in der Florianistraße 1 in Feldkirch. Es ist Viertel vor zehn, und wie jeden Montagvormittag wird hier gleich die Wochenbesprechung mit dem ganzen Team stattfinden. Zwanzig Personen arbeiten in der Verbandszentrale aller Vorarlberger Orts- und Betriebsfeuerwehren. Ihre Aufgaben: die landesweite Aus- und Weiterbildung, die Vertretung feuerwehrspezifischer Interessen, Servicedienstleistungen für die Feuerwehren im Land und die Beratung von Behörden. Katharina arbeitet hier in der Verwaltung – und hat damit einen Job, der vielfältiger kaum sein könnte.
Immer up to date mit dem AK Wissensvorsprung
Ob Konsumentenschutz, Arbeitsrecht, Familie & Beruf, Weiterbildung oder, oder, oder... – mit dem AK Wissensvorsprung erfährst du regelmäßig alles Wichtige ganz bequem per Mail. Gleich anmelden und up to date bleiben!
Katharina, die Verwaltungsangestellte
Als Katharina 2016 ihre neue Stelle antrat, kam sie direkt aus dem Büro des Feldkircher Bürgermeisters. In ihrem neuen Job war sie zunächst für den Empfang und einige Verwaltungsaufgaben zuständig. Heute kümmert sie sich um das gesamte Veranstaltungsmanagement und den Jahresbericht, ist Ansprechpartnerin für Ehrungen und für Zivildienstleistende, hält ab und an Kurse und ist verantwortlich für die Personalverrechnung und die Öffentlichkeitsarbeit. Dazu gehört zu einem großen Teil auch die Gestaltung von Unterrichtsmaterialien, wie zum Beispiel von Schulungspostern und Ähnlichem. »Nebenbei« kümmert sich Katharina auch um den Social Media-Auftritt des Verbandes und betreut die Website.
Vollgas in Teilzeit
Seit Katharina 2018 das erste Mal Mama geworden ist, arbeitet sie in Teilzeit, anfangs geringfügig. Inzwischen sind ihre Kinder acht und fünf Jahre alt und Katharina arbeitet jeden Vormittag. Heute ist sie seit Viertel vor acht im Büro, die Mails hat sie bereits abgearbeitet und die Fotos der letzten Veranstaltungen in den sozialen Medien gepostet. Nach der Besprechung wird sie sich noch um ein Schulungsplakat kümmern, das gestaltet werden muss, und schreibt den Newsletter fertig, der circa alle zwei Monate an die ganzen Feuerwehren im Land rausgeht. »Der Montag ist immer zu kurz«, lacht sie. Doch vorbei ist der Tag nach der Arbeit für Katharina noch lange nicht. Denn zuhause warten am Nachmittag noch eine ganze Reihe anderer Aufgaben. »Mir ist es wichtig, dass ich da bin, wenn Klara und Laurenz heimkommen«, sagt sie. Nach der Schule und dem Kindergarten wird gemeinsam gegessen, Katharina hilft bei den Hausaufgaben und unternimmt am Nachmittag meistens auch noch etwas mit den Kindern, und dann ist es auch schon wieder Zeit fürs Abendessen. Während ihr Mann Fabian, ebenfalls Feuerwehrmitglied aus Leidenschaft, die Kinder bald danach ins Bett bringt, macht sich Katharina schon etwas früher auf den Weg in Richtung Feuerwehrhaus. Er wird später nachkommen und die Oma übernimmt zuhause das Kommando.
Katharina, die Feuerwehrfrau
Wie jeden Montag steht für die Feuerwehr Feldkirch-Tosters um 20 Uhr die wöchentliche Probe an. Als Zugkommandantin gehört Katharina zu den Führungskräften ihrer Wache, darum trifft sie sich schon eine halbe Stunde früher, um mit den anderen Führungskräften unter anderem den genauen Ablauf zu besprechen. Heute soll ein Brandeinsatz geprobt werden – »Schon wieder«, lacht sie und wird gleich wieder ernst: »Aber im Ernstfall muss jeder Handgriff sitzen, ohne Diskussionen, ohne langes Überlegen – und das funktioniert eben nur, wenn man dieselben Abläufe immer und immer wieder probt.«
Jungfeuerwehrlerin der ersten Stunde
Katharina ist mit von der Partie, seit die Ortsfeuerwehr Tosters 2005 eine eigene Jugendgruppe gründete. »Damals war ich vierzehn«, erzählt sie. Mit sechzehn Jahren kam sie in den sogenannten Aktivstand. Seither hat Katharina ihren Pager Tag und Nacht bei sich. Geht ein stiller Alarm ein, kann sie dort direkt ablesen, worum es geht, und entscheiden, ob sie am Einsatz teilnehmen kann oder nicht. Da es in Vorarlberg nur freiwillige Feuerwehren gibt, ist der Großteil der Mitglieder berufstätig und kann nicht in jeder Situation alles stehen und liegen lassen – obwohl die Arbeitgeber:innen in Vorarlberg diesbezüglich sehr verständnisvoll seien, betont Katharina und ergänzt schmunzelnd: »Meiner natürlich auch.« So oder so sei in jedem Fall sichergestellt, dass auf einen Alarm auch ein Einsatz folgt.
40 bis 50 Einsätze im Jahr
Bei der Feuerwehr Feldkirch-Tosters ist das vierzig bis fünfzig Mal im Jahr der Fall. Zwei Drittel davon sind technische Einsätze. »Darunter fällt alles, was nicht brennt«, erklärt Katharina. Gemeint ist die Rettung von Menschen oder Tieren sowie die Abwehr von Sach- und Umweltschäden, beispielsweise bei Verkehrsunfällen oder Sicherungseinsätzen. Das kann von der Identifikation und Sicherung unbekannter austretender Stoffe über das Auspumpen von Kellern bis zur Entfernung umgestürzter Bäume alles sein. »Brandeinsätze gibt es glücklicherweise deutlich weniger«, erzählt Katharina. Die Verbandsstatistik von 2025 belegt das: Zu technischen Einsätzen wurden die Feuerwehren in Vorarlberg ganze 3.302-mal gerufen. 2.209-mal gab es Brandalarm, tatsächlich gebrannt hat es dabei 1.128-mal.
Lust auf mehr spannende Geschichten?
Bestellen Sie sich das KW9 einfach nach Hause – viermal jährlich automatisch, kostenlos und portofrei.
Gemeinsam durchs Feuer
Im Ernstfall ist Katharina als Zugkommandantin da wie dort zuständig für drei Autos mit jeweils einem Gruppenkommandanten und acht weiteren Mannschaftsmitgliedern. Ein großes Team – und viel Verantwortung. Eine Aufgabe, in die sie in den letzten zwanzig Jahren bei der Feuerwehr hineingewachsen ist. Und die passionierte Feuerwehrfrau geht auch heute noch selbst gerne durchs Feuer. Sprichwörtlich. Doch was ist das für ein Gefühl, wenn man mitten in den Flammen steht? »Das ist schon auch beängstigend«, sagt Katharina, »aber ich habe dann ein klares Ziel vor Augen, weiß, was ich zu tun habe, und man ist in so einer Situation auch nie alleine.« Dieses Gemeinschaftsgefühl kennt und schätzt Katharina auch außerhalb der Einsätze – nicht nur, wenn es darum geht, Feste zu feiern. »Wenn ich bei irgendetwas Hilfe brauche, muss ich nur das Telefon in die Hand nehmen und weiß, im nächsten Moment stehen 30 Leute da.« Das Leben und das Zuhause von Menschen und Tieren schützen zu können, ist für die 35-Jährige das Beste an der Feuerwehr, aber diese unerschütterliche Gemeinschaft, die kommt gleich danach.
Derzeit engagieren sich landesweit über 500 Frauen aktiv im Einsatzdienst, ergänzt durch fast 300 Mädchen in der Feuerwehrjugend. © Martin Schachenhofer
DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN
16.4.2026
Arbeit
Vera Prantl-Stock: Musik ist meine Leidenschaft
Vera Prantl-Stocks Herz schlägt für die Musik. So sehr, dass sie ihre Leidenschaft nie zum Beruf machen wollte. Dennoch spielt vor allem das Singen in Veras Leben eine zentrale Rolle – in ihrer Freizeit sowieso, aber auch bei der Arbeit.
3.7.2026
Arbeit
Maurer Micha: „Wo sollen wir ohne Bau wohnen?“
Micha Kieber ist ein Hochbauer, wie man ihn sich vorstellt: fit, kurze Hose und nicht auf den Mund gefallen. Im Interview erzählt er, wie er um zwei Ecken zu seinem Job kam, warum er sich keinen anderen mehr vorstellen kann – und was sich in den vergangenen Jahren auf den Baustellen verändert hat.
3.7.2026
Arbeit
Föhn und Wellen
Wenn ein Friseur aus Dornbirn auf einem Kreuzfahrtschiff die Welt bereist, ist das schon eine spannende Geschichte. Doch Matthias Steurer hat in seinem Leben gleich mehrfach die Spur gewechselt. Allein, was bei dem 39-jährigen Dornbirner auf der Nebenfahrbahn so alles los war, würde Stoff für ein ganzes Buch liefern.