Grafische Illustration eines Glücksrads auf rosa Hintergrund mit einem roten Kreis in der Mitte und der Aufschrift „DEIN GEWINN“. Die Segmente enthalten teils verlockende Gewinne wie „90 % RABATT“, „JACKPOT € 100“, „€ 50“ und „€ 25“, aber auch negative Begriffe wie „MEHR MÜLL“, „ZOLLPROBLEME“, „AUSBEUTUNG“, „WARTEZEITEN“, „CHEMIKALIEN“, „LIEFERZEIT“, „MEHR KAUFEN“ und „QUALITÄT“. Der Zeiger oben zeigt auf das Segment „MEHR MÜLL“.
Zwei Euro für ein T-Shirt, drei Euro fünfzig für Sonnencreme... Doch die vermeintlichen Schnäppchen haben ihren Preis. © AK Vorarlberg
13.10.2026
Konsum

Geschenkt ist noch zu teuer

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Zwei Euro für ein T-Shirt, drei Euro fünfzig für Sonnencreme: Auf Temu, Shein und Co wirkt jeder Klick wie ein kleiner Sieg über die Zumutungen der Teuerung. Doch das vermeintliche Schnäppchen hat nicht nur für die Konsument:innen einen versteckten Preis – am Ende bezahlen alle dafür.

Die chinesischen E-Commerce-Plattformen haben einen kometenhaften Aufstieg hinter sich. Vor ein paar Jahren kannte sie niemand, heute liefern sie ­Milliarden Pakete in die EU. Allein Shein hat durchschnittlich mehr als 150 Millionen monatlich aktive Nutzer:innen in Europa. Dieser Aufstieg ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer Strategie. Im Jahr 2023 investierte Shein rund 1,38 Milliarden Euro in Werbung, Temu rund 1,1 Milliarden – vor allem auf den Plattformen von Meta. Man wurde von den Plattformen regelrecht in den Kauf gelockt. Auf ihren Apps, die mit Rabatt-Countdowns und Glücksrädern eher an ein Casino als an einen Online-Shop erinnern, machen sie aus dem Kauf ein Spiel ohne Ende. Wer bestellt, hat das große Los gezogen – so soll es sich für die Kund:innen anfühlen. Der wahre Preis für die Schnäppchenjagd wird später und in anderer Form bezahlt, und nicht nur von den Konsument:innen. 

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Aus billig wird gefährlich

Was man bei Temu, Shein & Co unter Umständen einkauft – und sich damit einbrockt – hat der Verein für Konsumenteninformation (VKI) ­gemeinsam mit europäischen Partnern vor Kurzem gezeigt. Die Verbraucherorganisationen haben im Sommer 2026 Sonnencremes getestet, mit alarmierendem Ergebnis: Vier von sieben Produkten, ­beworben mit Lichtschutz­faktor 50 oder gar 90+, erfüllten nicht einmal die Mindestanforderungen an Sonnenschutz. Auch sonst findet sich in der Ware, die täglich in Millionen Paketen nach Europa kommt, immer wieder Bedenkliches: hormonell wirksame und teils verbotene Chemikalien in Kosmetika, Ladegeräte, die grundlegende Sicherheitstests nicht bestehen, Babyspielzeug mit überschrittenen Chemikalien-Grenzwerten. Kontrolliert wird nur ein Bruchteil der Sendungen – das Risiko tragen meist die Konsument:innen allein.

Gibt’s keine Gesundheitsgefahren, hat man eh schon Glück. Die Freude währt oft trotzdem nicht lange, denn billig heißt vor allem auch kurzlebig. Was nicht gefällt oder rasch kaputtgeht, wird entsorgt. Fast Fashion zum Beispiel: In Österreich landen 23 Kilogramm Kleidung pro Kopf und Jahr im Müll, ein voll gepackter Reisekoffer.

Aus China direkt vor die Tür

Die Dimensionen des E-Commerce sind gigantisch. Im Jahr 2025 kamen 5,9 ­Milliarden Pakete unter einem ­Warenwert von 150 Euro in die EU, nach ­Angaben der Kommission sind 90 Prozent aus China. Der Großteil der Sendungen wird auf dem Luftweg hierhergebracht (damit die Ware so schnell wie versprochen ankommt) – mit spürbaren Folgen für den weltweiten Luftverkehr. 

Was bestellt wird, muss produziert werden. Unter welchen Bedingungen, ist nicht schwer zu erahnen. Billig, aber ohne Ausbeutung, das ist und bleibt eine Illusion. Rund 300 Millionen Wander­arbeiter:innen in China – ein Drittel aller Arbeitskräfte des Landes – halten den Warenstrom in den Westen am Laufen. In 12- bis 14-Stunden-Schichten, sechs Tage die Woche, oft getrennt von der eigenen Familie. Die Rechnung bezahlen also auch die Menschen vor Ort, leisten können sie sich von ihren Löhnen nichts. Wer bei Temu, Shein & Co bestellt, kauft auf ihrem Rücken ein. Am Ende bezahlen alle die Billigflut teuer.

7 Gründe, warum Billig teuer zu stehen kommt

  • Falsche Versprechen: …weil Produkte, die zu billig sind, nicht halten können, was sie versprechen.
  • Verbotene Stoffe: …weil Gesundheitsgefahren oft mitgeliefert werden, ohne dass es draufsteht.
  • Keine Sicherheit: …weil die geprüfte Sicherheit ihren Preis hat, und den zahlt bei Billigware niemand.
  • Kurzes Leben: …weil billig Gemachtes auch schnell kaputtgeht und ebenso schnell im Müll landet.
  • Ferne Fracht: …weil viele Pakete einen ­langen, klimaschädlichen ­Luftweg hinter sich haben.
  • Ausgebeutete Arbeitskräfte: …weil Menschen die Ware herstellen, ohne fair dafür bezahlt zu werden.
  • Unfairer Wettbewerb: …weil am Ende draufzahlt, wer sich an faire Regeln hält.

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