7.6.2018
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Das Ziel gemeinsam erreichen

Österreich geht es so gut wie schon lange nicht mehr. Der Wirtschaftsstandort entwickelt sich. An Ideen herrscht kein Mangel. Auch nicht in der Arbeiterkammer, beileibe nicht.

„Der Wirtschaftsstandort, das umfasst in unseren Augen vor allem die Menschen“, stellt AK-Präsident Hubert Hämmerle klar. „Ihnen sind wir verpflichtet.“ Und: „Wenn das Land auf dem Weg in eine noch ungewisse Zukunft ist, dann ist es uns wichtig, dass wir das Ziel gemeinsam erreichen. Niemand darf auf der Strecke bleiben.“
Zahlen wie das Bruttoinlandsprodukt erzählen nichts darüber, ob es den Menschen gut geht. Deshalb hat die AK Vorarlberg unzählige Initiativen mit angestoßen. In dem über 60 Seiten starken Papier „Schaffa in Vorarlberg“ denken die Experten der AK den Standort Vorarlberg konsequent aus Sicht der Arbeitnehmer.

Digitale Herausforderung

Alle neun österreichischen Arbeiterkammern stemmen nun gemeinsam eine Digitalisierungs-Offensive im Ausmaß von 150 Millionen Euro. Diese Summe soll in den kommenden fünf Jahren dazu beitragen, dass die Arbeitswelt arbeitnehmerfreundlich gestaltet wird. Viel Geld wird dabei in einen Qualifizierungsfonds fließen. Denn ein Schlüssel, um die gerechte Teilhabe der Beschäftigten am digitalen Wandel sicherzustellen, ist ihre Bildung. Ganz grundsätzlich gilt am Arbeitsmarkt: Bildung ist die beste „Schutzimpfung“.

In Vorarlberg wurden bereits Weichen gestellt. Gemeinsam mit Land, Wirtschaftskammer, AMS und anderen Partnern hebt die AK einen „Digital.Campus“ aus der Taufe. Hier werden digitale Lernressourcen für Arbeitnehmer geschaffen. „Digital. Akademie“ und „Digital.Plattform“ greifen Klein- und Mittelbetrieben unter die Arme und vernetzen die Angebote. An der FH Vorarlberg werden ein Lehrstuhl und Masterarbeiten zum Thema finanziert, auch mithilfe der AK. 

Fachkräftestipendium der AK

Noch ist völlig unklar, ob die Digitalisierung unterm Strich mehr Arbeitsplätze kosten oder schaffen wird. Aber es wäre fahrlässig, die Antwort untätig abzuwarten. Die Arbeiterkammern rufen daher einen Fonds „Arbeit 4.0“ ins Leben, der Projekte und Ideen fördert, die neue Arbeitsplätze schaffen und Arbeitsbedingungen verbessern. Während die bestehenden Digitalisierungs-Initiativen meistens nur eine weitere Rationalisierung im Sinn der Arbeitgeber fördern, stärkt der neue AK-Projektfonds die Arbeitnehmer und ihre Interessen.

In Vorarlberg arbeiten die Experten der AK mit Hochdruck an einem eigenen Fachkräftestipendium. Denn vorrangiges Ziel muss es sein, den Fachkräftemangel im Handwerk und im technischen Bereich zu bekämpfen und Jugendlichen die besten Berufschancen zu bieten. Die neue digitale Lehrstellenplattform www.lehre-vorarlberg.at von AK, WK und Land stellt gleichermaßen Kompetenzanalyse, Blog und Plattform dar. Und zwar garantiert gratis.

Der Schulterschluss von AK, WK und Land zur Behebung des Fachkräftemangels geht aber noch weiter: Bis 2025 soll das westlichste Bundesland Österreichs der „Hotspot“ in Sachen Lehrausbildung werden. Denn die Fakten sind alarmierend: Fast jeder zweite Betrieb kann Positionen in der Produktion nicht mehr mit geeigneten Mitarbeitern besetzen. Dem Handwerk und Gewerbe sowie der Industrie fehlen in Vorarlberg weit über tausend Fachkräfte. Mehr als jedes zweite Unternehmen beklagt Umsatzeinbußen wegen des Mangels an Fachkräften.

AK baut ihren Service aus

Die Idee der türkis-blauen Bundesregierung, den Arbeiterkammern die Mittel zu kürzen, begegnet die Arbeitnehmervertretung mit einem massiven Ausbau ihres Service-Angebots. Um den veränderten Lebenswelten der Menschen gerecht zu werden, wird der AK-Mitgliederservice 4.0 vor allem digital erweitert. Schon heute verzeichnen wir auf den Homepages der Arbeiterkammer monatlich mehr als fünf Millionen Seitenaufrufe. Video-Tutorials, Web-Seminare, Podcasts und E-Learning-Angebote werden diese Zahl weiter in die Höhe schnellen lassen. In Vorarlberg beschränken wir uns nicht auf die virtuelle Welt. Hier bieten die Steuerexperten der AK über bestimmte Zeiträume auch Abendberatungen an. Die Juristen ziehen gerade dieser Tage in Sachen All-in-Verträge nach. 
Das alles ist auch notwendig, denn auf die Menschen in Österreich kommt viel zu. Die Digitalisierung krempelt unsere privaten und beruflichen Leben kräftig um. Arbeit wird flexibler und produktiver. Die erforderlichen Ausbildungen und Fähigkeiten werden sich jedenfalls grundlegend ändern.

Gleichzeitig wird Vorarlbergs Bevölkerung weiter wachsen. Es wird immer mehr Menschen im Pensionsalter geben und immer weniger Erwerbstätige. Halten Pensions- und Gesundheitssystem das aus? Mit der Erwerbsbevölkerung schrumpfen ja auch die Steuereinnahmen. Wie lässt sich die Zukunft finanzieren?

Mit, nicht gegen Sozialpartner 

Für all das bedarf es mutiger, durchdachter Konzepte. Das System der österreichischen Sozialpartnerschaft ist in unseren Augen ein hervorragender Nährboden dafür. Österreich und EU-Länder mit vergleichbar starker Sozialpartnerschaft erzielen ein höheres Wirtschaftswachstum als andere. Die Arbeitslosigkeit ist niedriger, die Beschäftigungsquote höher. Die Löhne steigen stärker und sind gerechter verteilt als in EU-Staaten mit schwächerer Sozialpartnerschaft. Wieso sollte Österreich auf diese Kraft verzichten wollen?

Das will die AK für Vorarlberg

Die AK Vorarlberg gestaltet das Land mit, seit sie nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Arbeit wieder aufnehmen konnte. Heute vertreten wir die Interessen von 146.000 Mitgliedern. Über das BFI der AK besuchen zigtausende Arbeitnehmer unsere Aus- und Weiterbildung, um am Arbeitsplatz langfristig bestehen zu können. Mit dem Kinderbetreuungsatlas schaffen wir Orientierung für die Betreuung der Jüngsten. Gemeinsam mit der Wirtschaftskammer treibt die AK eine Lehrlingsoffensive voran, die Vorarlberg bis 2025 zum Hotspot der Lehre machen wird. Im Bereich Pflege haben wir mit Partnern eine eigene Info-Messe entwickelt. Arbeits- und Sozialpolitik gehören ohnedies zum Kerngeschäft der AK. All das tun wir, um das Land mitzugestalten. Wie aber muss sich Vorarlberg aus Sicht der Arbeitnehmervertretung entwickeln? AK-Präsident Hubert Hämmerle fasst zusammen. Wir brauchen:

  • Gute Arbeitsplätze für alle. Das bedeutet Löhne, von denen man leben kann, und eine sichere Beschäftigung. Es erfordert Arbeitgeber, die Entwicklungsmöglichkeiten und Wertschätzung geben. Wir reden von Arbeit, die Zeit lässt fürs Leben, für Familie und fürs Älterwerden.
  • Perspektiven für Frauen. Richtige Familienpolitik hat die tatsächliche Wahlfreiheit für Frauen zum Ziel und verliert ihre Absicherung im Alter nicht aus den Augen.
  • Perspektiven am Arbeitsmarkt. Aktive Arbeitsmarktpolitik erfordert vor allem das Engagement für niedrig qualifizierte Jugendliche, Migranten, ältere und gesundheitlich eingeschränkte Arbeitnehmer.
  • Gute Ausbildung für Kinder. Das heißt Chancengleichheit von Anfang an. Es braucht ein hervorragendes, flächendeckendes Angebot an frühkindlichen Bildungs- und Betreuungseinrichtungen und Wertschätzung für Pädagogen.
  • Gute Weiterbildung für Erwachsene. Ein Recht auf Weiterbildung und dabei bedürfnisorientierte Unterstützung, damit auch mehrfach belastete Menschen diese Chance ergreifen können.
  • Leistbares und nachhaltiges Wohnen. Das Horten von Baugrund als Spekulationsobjekt muss aufhören. Die Ausweitung des sozialen Wohnbaus ist ein Gebot der Stunde.
  • Gute Sozialleistungen. Sie zeichnen sich durch soziale Treffsicherheit aus und durch die Solidarität mit Schwächeren. Wir brauchen Empathie und konstruktive Unterstützung zur größtmöglichen Unabhängigkeit statt Generalverdacht.
  • Steuergerechte Gesellschaft. Die Produktivitätsgewinne müssen gerecht verteilt werden. Die AK fordert die längst fällige endgültige Abschaffung der Kalten Progression und die Verteilung der Steuerlast entsprechend dem Verhältnis von Arbeits- und Kapitalerträgen. 
  • Unsere Zukunft mitgestalten. Arbeitnehmer haben ein Recht auf Mitbestimmung der Rahmenbedingungen für Arbeit und Leben, besonders bei digitalen Innovationen. Das umfasst Mitgestaltung auf allen Ebenen: im Betrieb, auf Branchenebene, landesweit und im Bund. Es bedeutet auch ein klares Bekenntnis zur Sozialpartnerschaft.

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