6.10.2017
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Ohne AK gibt es drei Millionen Verlierer

Denn ohne AK gibt es …

  • keinen Rechtsschutz und keine Hilfe bei allen Fragen des Arbeits- und Sozialrechts
  • keine kostenlose Rechtsberatung und keine Hilfe vor Gericht
  • keine Unterstützung bei allen Fragen rund um Lehrlinge und Jugend, Pflege und Pensionen oder Kranken- und Arbeitslosengeld
  • keine Beratung und keine Hilfe bei allen Konsumentenschutzfragen
  • keine Beratung und keine Hilfe beim Wohn- und Mietrecht sowie in Steuer- und Wirtschaftsfragen
  • keine Hilfe bei Problemen mit den Betriebskostenabrechnungen oder bei der Arbeitnehmerveranlagung
  • keine Beratung zur Weiterbildung sowie keine Weiterbildungsbeihilfen
  • keine starke Arbeitnehmervertretung, die gegen kalte Progression, Lohn- und Sozialdumping oder Ausweitung der Arbeitszeit kämpft
  • keine Hilfe für in Not geratene Beschäftigte und deren Familien im Rahmen des Unterstützungsfonds
  • keine Ausbildungsbeihilfen und Beratungen für Jugendliche
  • keine Hilfe für pflegende Angehörige 
  • kein Wissen fürs Leben
  • keine kostengünstigen Nachhilfekurse wie z. B. die Sommerschule des BFI der AK
Wussten Sie eigentlich, dass …

… die Expertinnen und Experten der AK allein 2015 mehr als 800 Gesetze und Verordnungen begutachtet haben? Das ist deshalb so wichtig, weil Änderungen und Verbesserungen nur vor dem Gesetzesbeschluss möglich sind.

… mit der gesetzlichen Mitgliedschaft bei den Kammern untrennbar auch die Kollektivverträge verknüpft sind? Denn sind Betriebe nicht länger Mitglied bei der Wirtschaftskammer, gilt für ihre Beschäftigten auch kein Kollektivvertrag. Ohne Kollektivverträge aber gibt es auch kein 13. und 14. Monatsgehalt.

… die AK-Umlage 0,5 Prozent des Brutto-Monatsgehalts bis zur Höchstbemessungsgrundlage beträgt, also im Durchschnitt 6,90 Euro und im Höchstfall 14,40 Euro pro Monat?

… die Arbeiterkammer sich ausschließlich durch die Beiträge ihrer Mitglieder finanziert? Für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hat die AK im vergangenen Jahr 532 Millionen Euro herausgeholt hat – bei Gericht, bei Behörden und vom Arbeitgeber direkt. 800.000 Mitglieder – Eltern in Karenz, Arbeitsuchende, geringfügig Beschäftigte und Lehrlinge – müssen gar keinen Beitrag leisten.

"Der Markt ist der Altar des Egoismus“, sagt der Bregenzer Historiker Meinrad Pichler: „Der Markt regelt gar nichts für die Menschen.“ Deshalb ist ihm die Arbeiterkammer auch so ein Anliegen.

ZEITENWENDE? „Es geht nur mehr darum, dem Markt zuliebe alle Din­ge abzuschaffen, die in dieser Gesell­schaft noch solidarisch sind.“ Wenn der Bregenzer Historiker Meinrad Pichler sich den Feldzug von neos und FPÖ gegen die Kammern an­schaut, kann er nur den Kopf schüt­teln. Gerade, weil er die geschichtli­chen Grundlagen kennt.
November 1918. Die Donaumo­narchie zerbricht. Die Zeichen ste­hen auf Sturm. In Deutschland peit­schen Schüsse durch die Straßen. Auch, was von Österreich übrig ist, steht am Rand einer Revolution. In diesen brisanten Tagen gelingt es, in der neuen Verfassung einer Re­publik auch Arbeiterkammern zu verankern. Sozialdemokraten geben den Anstoß, Handelskammern gibt es ja längst. Der Feldkircher Fabri­kant Carl Ganahl hat schon in den 1850er­ Jahren dafür gesorgt, dass das gerade entstehende Land Vorarl­berg eine Unternehmervertretung bekommt. Und nun eine Arbeit­nehmervertretung auf Augenhöhe? „Wenn nicht ein paar christlich­so­ziale Politiker erkannt hätten, wie wichtig Kompromisse sind, wäre das nie gegangen.“ Vor allem der Andelsbucher Bauer Jodok Fink ist so ein Pragmatiker. „Er konnte zu­hören.“ Pichler nennt ihn den „Vater der Arbeiterkammern“.

Gleich Pflichtmitgliedschaft

„Die Verantwortlichen haben schon damals gewusst, dass es nur mit ei­ner Pflichtmitgliedschaft klappen kann“, betont Pichler. „Die AK muss aus sich selbst heraus dotiert wer­den, um sich selber organisieren zu können.“ Nur so kann sie dem Staat gegenüber als ein unabhän­giges Sprachrohr der arbeitenden Menschen auftreten. So weit die Idee. Laut Pichler „können wir die Weitsicht der damals handelnden Politiker gar nicht hoch genug ein­schätzen“.
Freilich waren Arbeitnehmer­vertreter anfangs keineswegs wohl gelitten. In einem Land, in dem in den 1860er­ Jahren Lehrlinge aus armen Familien noch öffentlich versteigert worden waren, brauchte es Mut, für Arbeiterrechte einzustehen. In Vor­arlbergs Unternehmen herrschte das „Herr­-im-­Haus­-Prinzip“. Die Ar­beiterkammer hatte keinen leichten Start. Der AK­-Präsident wird bei of­fiziellen Einladungen geflissentlich übergangen. Die Auseinanderset­zungen werden mit der Inbrunst von Glaubenskriegen geführt. In den 1930er­ Jahren bringen die Kollektiv­vertragsverhandlungen eine gesetz­liche Lohnerhöhung von 1,7 Prozent. „Das veranlasst einen Rankweiler Fabrikanten, die Mieten für die Be­triebswohnungen um 50 Prozent zu erhöhen.“ Schon im Ständestaat werden immer mehr erkämpfte Rechte wieder zurückgenommen. Die Nationalsozialisten schließlich hebeln die Arbeiterkammern ganz aus. Von nun an hat die Deutsche Arbeitsfront das Sagen. Einzig die Landwirtschaftskammern bleiben weitgehend unangetastet. Warum? Darüber kann Pichler nur spekulieren. „Vermutlich wurden ihre Funktionäre nun im sogenannten Reichsnährstand für die Organisierung der Erzeugungsschlacht gebraucht.“

Ausgleich statt Streiks

Nach 1945 gelang es, an die Vorkriegszeit anzuknüpfen und eine funktionierende Sozialpartnerschaft zu begründen, die bis heute dafür Sorge trägt, dass die Interessen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern am Verhandlungstisch ausgeglichen werden und nicht streikend und brüllend auf der Straße miteinander gerungen wird.

Was aber, wenn die Pflichtmitgliedschaft in der neuen Regierung aufgehoben würde? „Dann würden in einer entsolidarisierten Gesellschaft weiterhin alle Hilfe verlangen, wenn sie bedrängt werden, aber vorher hätten sie nichts bezahlt. Ohne die Pflichtmitgliedschaft ist die Organisation macht- und kraftlos.“

Alle Macht dem Markt bedeutet in Pichlers Augen nichts anderes, als dass der, der alle Rechte hat, mit lauter entsolidarisierten einzelnen Personen fuhrwerken kann, wie es ihm beliebt. Sind erst einmal die Kollektivverträge abgeschafft, „dann haben wir amerikanische Verhältnisse“. Und da ist sich Pichler sicher: Der Erste, der bitter draufzahlt, ist der berühmte kleine Mann.



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