2.9.2016

AK vertritt Interessen „sehr gut“

GLAUBWÜRDIG. Wie oft stellt man die Arbeitnehmervertretung ganz locker in Frage? Die AK Vorarlberg wollte es nun wissen und bat diesen Sommer das Institut für Markt- und Meinungsforschung Dr. Edwin Berndt um detaillierte Antworten. Die repräsentative Meinungsumfrage brachte klare Ergebnisse:

  • Für 83 Prozent der befragten Vorarlberger ist die AK sehr wichtig oder wichtig.
  • Nur drei Prozent lehnen sie rundweg ab.
  • Zwei Drittel der Befragten werten die politische Interessenvertretung als wichtigste Aufgabe der AK.

Wo brauchen die Menschen die Hilfe ihrer AK?

Die Antworten sagen viel über die akuten Probleme im Alltag aus. So haben 43 Prozent der Befragten schon einmal die kostenlose Rechtsberatung der AK im Arbeits- und Sozialrecht in Anspruch genommen, die Hälfte davon Arbeiter, immerhin jeder dritte Klient war Führungskraft. 39 Prozent haben sich wenigstens einmal an die Konsumentenberatung gewandt. Jeder fünfte Befragte nahm die Hilfe der AK-Steuerexperten in Anspruch, fast jeder Vierte (23 Prozent) hat sich bei der AK weitergebildet. In puncto Glaubwürdigkeit fuhr die Arbeiterkammer einen Spitzenwert ein, von dem Medien, Politik, Kirche und Banken nur träumen können. 

Die Berndt-Umfrage

Die Interviewer des Meinungsforschungsinstituts Dr. Edwin Berndt haben in diesem Sommer in 404 Vorarlberger Haushalten Interviews geführt. Befragt wurden 58 Prozent Männer und 42 Prozent Frauen. Je ein Drittel der Befragten ist zwischen 15 und 30, 40 bis 45 bzw. 45 Jahre alt oder älter. Arbeiter und Angestellte halten sich die Waage.

„Die AK schaut auf Gerechtigkeit“

Während sich das Vertrauen der Vorarlberger in Regierung und Parlament in 16 Jahren praktisch halbiert hat – Medien, Kirche, Parteien und Banken schneiden noch schlechter ab –, dürfen sich AK und Gewerkschaften über sehr gute Werte freuen. Mehr noch: In der aktuellen Berndt-Umfrage geben 80 Prozent der Vorarlberger ihrer AK als Interessenvertretung die Noten „sehr gut“ und „gut“.

GEGEN DEN TREND. Die allgemeine Unzufriedenheit ist längst eine Zeiterscheinung. Kaum eine Organisation bleibt verschont. „Die Skepsis gründet in der Unsicherheit, die das politische und gesellschaftliche Zusammenleben der Menschen bestimmt“, erklärt Meinungsforscher Edwin Berndt. Er hat zahlreiche Beispiele erhoben: Den Versicherungen und Banken etwa brachten 2008 noch 62 Prozent der befragten Vorarlberger Vertrauen entgegen, bis Sommer 2016 sank dieser Wert auf 29 Prozent.

Genauso dramatisch brachen die Vertrauenswerte der Medien ein: beim Rundfunk von 46 Prozent (2000) auf 21 (2016), bei den Zeitungen von 30 Prozent (2002) auf 17 (2016). Die Vertrauenswerte von Parteien, Regierung und Kirche haben sich in 16 Jahren halbiert.

Beliebtheit wichtiger Institutionen in Österreich im Zeitvergleich © Garfik: AK, Quelle: Dr. Edwin Berndt, AK Vorarlberg
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„Mit Abstand beste Werte“

Umso erstaunlicher wirkt da, dass die Arbeiterkammer ihre hohen Werte halten konnte und die Gewerkschaft gewaltig Boden zusammen gemacht hat. So antworteten im Jahr 2000 noch 36 Prozent, dass sie der Gewerkschaft eher mehr Vertrauen schenken, heuer tun das bereits 45 Prozent der Befragten. Die Gewerkschaften haben die Ban-ken im Jahr 2010 überflügelt. Dabei hatten die im März 2006 bekannt gewordenen Verlustgeschäfte der BAWAG, die unter anderem zum Rücktritt von ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch geführt hatten, der Ge-werkschaft schwer geschadet. Aber aus diesem Tief (2008 betrug die Zustimmung nur noch 31 Prozent) haben die Gewerkschafter herausgefunden, heute rangieren sie auf Platz 2 im Vertrauensindex. Den ersten Platz hat unangefochten die Arbeiterkammer inne. 72 Prozent schenken ihr „eher mehr Vertrauen“, 18 Prozent sind in dieser Frage unentschlossen bzw. lassen sie vollends offen, nur zehn Prozent haben ihr Vertrauen in die AK verloren. „Beim Image der AK handelt es sich um das mit Abstand beste unter den analysierten Institutionen“, stellt Edwin Berndt fest. Dass die Werte gegenüber 1973 um drei Prozent gesunken sind, schreibt der Meinungsforscher der politischen Situation zu. Die lässt alle Beteiligten erzittern: Stichwort Terrorangst, Griechenlandkrise, Brexit, Flüchtlingsströme – jedes einzelne Problem hat in den letzten Jahren als Brunnenvergifter die allgemeine Stimmung getrübt.

Frauen liegen im Vertrauensindex der AK mit 76 Prozent noch höher als Männer (70 Prozent), Arbeiter (74 Prozent) sind vertrauensvoller als Angestellte (70 Prozent). Unter den Abteilungsleitern und im mittleren Management zählen 66 Prozent auf die AK, bei den Unter-30-Jährigen 67 Prozent. Die Zahl der Kritiker hat laut Edwin Berndt markant abgenommen. „Sie lag von 1999 bis 2005 zwischen 14 und 22 Prozent, danach zwischen fünf und zehn Prozent.“
„Dennoch nehmen wir jede einzelne kritische Stimme sehr ernst, weil wir unsere Leistungen ja durch Mitgliedsbeiträge finanzieren“, betont AK-Direktor Rainer Keckeis. Das Geld muss über unsere zahlreichen Dienstleistungen und die politische Interessenvertretung wieder den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zugute kommen.“ Das wird in der Bevölkerung auch so wahrgenommen: 83 Prozent der Befragten empfinden die Rolle der AK als politische Interessenvertretung als „sehr wichtig“ oder „wichtig“. Bei Jung und Alt, Angestellten und Arbeitern schwankt der Wert zwischen 76 und 87 Prozent. Und warum ist das so? „Die AK schaut auf Gerechtigkeit“, liest man in den Kommentaren zur Befragung, „Die AK ist ein verlässlicher Partner“, steht ein paar Zeilen weiter.

Die Befragten urteilten keineswegs ohne Kenntnis der Institution. Nur sechs Prozent konnten spontan keine Serviceleistung der AK benennen. Im Dezember 2007 war das noch jeder siebte. 38 Prozent messen der Beratungsleistung in arbeits- und sozialrechtlichen Fragen hohe Bedeutung zu, 30 Prozent dem Weiterbildungsangebot.

Befragte antworten

Frage: Begründen Sie Ihre Meinung! Warum ist die AK für Sie sehr wichtig oder wichtig? Hier eine Auswahl der Antworten:

  • Sozial, Hilfe für den „kleinen Mann“
  • Gute Beratung, kompetente Leute, Fachkompetenz
  • Leistungen sind kostenlos
  • Bekämpft kriminelle Machenschaften
  • Kontrolle der Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen am Arbeitsplatz
  • Gute Erfahrungen, AK hat schon geholfen
  • Ist Solidargemeinschaft
  • Hilft schnell/prompt, unbürokratisch
  • Kämpft für höhere und gerechtere Löhne
  • Einsatz für Erhaltung der Pensionen
  • Einsatz für Steuerreform, Steuergerechtigkeit
  • AK schaut auf Gerechtigkeit, dass es gerecht zugeht, dass niemand übervorteilt wird; dass jeder das erhält, was ihm zusteht
  • Hilfe, wenn es um Probleme mit Verträgen geht
  • Einsatz für Kündigungsschutz
  • Eintreten für günstige Arbeitszeiten, flexible Arbeitszeitmodelle

Rechtsberatung hat höchste Bedeutung

60 Prozent reihen Rechtsberatung auf Rang 1 der Dienstleistungen – viele persönliche Kontakte

BERATUNG. Von den Gesprächspartnern der großen AK-Umfrage haben 43 Prozent schon einmal die kostenlose Rechtsberatung in Anspruch genommen, 2013 waren es noch 37 Prozent. In der Konsumentenberatung erhöhte sich die Zahl derjenigen, die selber schon profitiert haben, von 30 auf 39 Prozent, in der Weiterbildung von 12 auf 23 Prozent.

„Die AK muss ein verlässlicher Partner in unsicheren Zeiten sein“

Der Präsident der AK Vorarlberg, Hubert Hämmerle, liest aus den guten Imagewerten einen klaren Auftrag heraus: In schwierigen Zeiten brauchen die Menschen vor allem glaubwürdige Partner.

Die AK fährt in der jüngsten Berndt-Umfrage Bestnoten ein. Riecht das nicht nach Eigenlob?

Im Gegenteil. Das Meinungsforschungsinstitut hat den Befragten die Antworten ja nicht in den Mund gelegt. Dass wir von unseren Mitgliedern in vielen Bereichen als kompetent und hilfreich erfahren werden, beweist, dass sie aus unserer Arbeit direkt Nutzen erfahren. Das freut unser ganzes Team, spornt uns an und motiviert ungeheuer.

In der öffentlichen Diskussion wird die AK mitunter in ein ganz anderes Licht gerückt.

Ja, da ist manchmal von der überflüssigen Arbeitnehmervertretung die Rede, die nur Geld kostet, aber nix bringt. In neoliberalen Kreisen erzählt man sich so etwas sicher gerne. Umso mehr freut mich, wie gut die Rolle der AK als Interessenvertretung bewertet wird. Interessenpolitik heißt für mich immer zweierlei: Unverrückbar für seine Mitglieder einstehen und gemeinsam Lösungen erarbeiten. Durch unsere Funktionäre und Betriebsräte wissen wir sehr genau, wo die Menschen der Schuh drückt.

Und wo liegen die großen Herausforderungen?

Das sieht jeder, der einen einigermaßen realistischen Blick auf den Arbeitsmarkt und in die Betriebe wirft. Die Menschen werden zunehmend von Angst beeinflusst. Das beeinträchtigt Entscheidungen in allen Lebenslagen. Die große Unsicherheit aber beruht nicht nur auf Fakten – sie wird uns auch gerne eingeredet. Denn ängstliche Menschen lassen sich leichter dirigieren und beherrschen. Da braucht es verlässliche Partner, die sich nicht ein X für ein U
vormachen lassen. Wir wollen weiterhin eine konstruktive interessenpolitische Vertretung sein. Das wissen die Menschen zu schätzen.