27.5.2015
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Weil Fachkräfte fehlen

Vollversammlung fordert „Blum-Bonus-Neu“ – Steuerreform: Finanzminister soll Abbau der kalten Progression gewährleisten – Auch Betroffene von Nettolohnvereinbarungen dürfen nicht leer ausgehen.


AK-Anliegen. Das Vorarlberger Arbeitnehmerparlament setzte sich in seiner 174. Vollversammlung mit dem Notstand am Lehrstellenmarkt auseinander. „Heuer gibt es im Ländle acht Prozent weniger Erstjahreslehrlinge“, das ist laut Lehrlingsexperte Egon Blum „weit weniger als der demografische Wandel erklären kann.“ Er belegt das auch: Die Zahl der 15-Jährigen nahm in Vorarlberg von 2008 bis 2014 um 339 ab, im selben Zeitraum gab es 771 Lehrlinge weniger.

Blum und AK-Präsident Hubert Hämmerle beklagen das enorme Imageproblem der Lehre. Dass jeder Fünfte heute durchfällt, komme manchem Unternehmen freilich ganz gelegen. „Diese Leute verdienen weniger und werden auch nicht abgeworben“, so Blum.

Gegenteiliger Effekt trat ein

Die nackten Zahlen indes will niemand wahrhaben. Noch heute hält Österreich an der Lehrlingskündigung fest: Sie wurde 2008 eingeführt, um nach Ansicht der Wirtschaftsvertreter den Betrieben die Ausbildung wieder schmackhaft zu machen. 5000 zusätzliche betriebliche Lehrstellen sollten entstehen. Jetzt sind es über 21.000 weniger geworden.

Alle fünf Fraktionen der AK-Vollversammlung sind sich darin einig, dass sofort gegengesteuert werden muss. Für den AK-Präsidenten, der selber zahlreiche Lehrlinge ausgebildet hat, ist klar: „Es braucht Maßnahmen, die dafür sorgen, dass wieder mehr betriebliche Lehrstellen angeboten werden und die Qualität der Lehre verbessert wird.“ Im Einzelnen fordert die AK-Vollversammlung den Gesetzgeber dazu auf:

  • Vorgeschlagen wird ein „Blum-Bonus-Neu“, der sich aus drei Komponenten zusammensetzt: Einem Qualitätsbonus (3000 Euro für alle Lehrlinge, die nach dem zweiten Lehrjahr einen verpflichtenden Qualifikationsnachweis erbringen), einem Zusätzlichkeitsbonus (3000 Euro pro zusätzlichem Lehrling für maximal fünf Lehrlinge pro Unternehmen) sowie einem Treuebonus (je 2000 Euro für maximal zwei Lehrlinge pro Jahr für Unternehmen, die den Lehrlingsstand vom Vorjahr aufrecht erhalten.)
  • Weiters soll das seit über 30 Jahren bewährte „VEM-Fondsmodell“ auf alle Betriebe ausgeweitet werden. Alle VEM-Betriebe zahlen 2,4 Promille der Bruttolohn- und Gehaltssumme in einen Ausbildungsfonds ein. Diese Gelder werden schließlich u. a. für Rückvergütungen bei positivem Abschluss des 2. Lehrjahres, für die Ausbildner-Ausbildung oder berufsbezogene Informationen und Aktivitäten verwendet.
  • Zum Dritten muss die Lehrlingskündigung wieder fallen.

Entlastung nicht verschenken

Die Vollversammlung hat sich auch noch einmal mit der Steuerreform befasst. Alle Kammerräte fordern den Finanzminister gemeinsam auf, die sogenannte kalte Progression durch die jährliche Indexierung des Einkommenssteuerrechts an die Preisentwicklung abzubauen. Außerdem muss sich die Steuerreform auch auf echte Nettolohnvereinbarungen auswirken. „Es darf nicht sein, dass da der Unternehmer die Vorteile einstreicht“, sagt der AK-Präsident.


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