7.5.2013
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BEM führt zum erfolgreichen Weg zurück ins Arbeitsleben

Unser System kennt nur Schwarz oder weiß: 100 Prozent arbeitsfähig oder 100 Prozent krank. Dabei wäre für Langzeitkranke eine gezielte sanfte Rückkehr in den Arbeitsprozess oft die willkommene Alternative. Die erste österreichweite BEM-Fachtagung zeigte dazu Wege auf.

BEM steht für Betriebliches Eingliederungsmanagement. Die BEM-Fachtagung in Rankweil veranstaltete die AK Vorarlberg in Kooperation mit der Fachhochschule Nordwestschweiz. Denn die Schweiz ist eines der Länder, die bereits sehr positive Erfahrungen mit dem Modell sammeln. „Für jeden Franken Investition in BEM verhindern wir sieben Franken an Lohnverlust“, schnitt Dr. Urban Studer vom Kompetenzcenter Gesundheitsmanagement bei den SBB die finanzielle Seite an. Neben der Unterstützung in konkreten Fällen ist BEM auch präventiv“, betont FH-Professor Dr. Thomas Geisen. Mit jedem Tag Krankenstand stiegen die Kosten für die Reintegration, je früher eine Rückkehr ermöglicht wird, umso besser.

Freiwillige Arbeitsversuche

Das setzt grundsätzlich Leistungsfähigkeit voraus. Das BEM-Modell, wie es AK-Präsident Hubert Hämmerle vertritt, ermöglicht Arbeitsversuche während des Krankenstands. Langzeitkranke könnten zum Beispiel stundenweise wieder zu arbeiten beginnen – natürlich nur mit dem Okay eines Arztes, wenn Betroffener und Arbeitgeber damit einverstanden sind und der Betroffene jederzeit „Stopp!“ sagen kann.

Erfolgreiche Beispiele

Die positiven Folgen von gezieltem Eingliederungsmanagement belegen verschiedene Beispiele aus dem Ausland. Endet ein Langzeitkrankenstand sonst sehr oft in der Trennung, „haben wir durch BEM 90 Prozent der Kündigungen vom Tisch gebracht“, berichtete Bernhard Grunewald, langjähriger Belegschaftsvertrauensmann bei Opel. Oder: „50 Prozent der Mitarbeiter kehren an ihre alte Stelle zurück, zehn Prozent an andere Arbeitsplätze im Unternehmen“, so SBB-Mann Studer. „Leistungsfähige Mitarbeiter sind eine der wichtigsten Unternehmensressourcen“, unterstrich Stefan Kessler, Schweizer Experte für Gesundheitsförderung, die Bereitschaft auf Arbeitgeberseite, BEM umzusetzen.

Interesse der Betroffenen

AK-Präsident Hämmerle kennt das Interesse, das viele betroffene Arbeitnehmer haben: „So wollen acht von zehn psychisch Erkrankten (mehr als die Hälfte der Neuzugänge bei der Invaliditätspension) wieder ins Berufsleben zurück.“

„Es ist dezidiert kein Teilkrankenstand!“

AK-Präsident Hubert Hämmerle setzt sich dafür ein, das in anderen Staaten bewährte Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) zu etablieren. Sozialminister Rudolf Hundstorfer übergab er bei der BEM-Fachtagung ein Grundsatzpapier.

„Wir brauchen praxistaugliche Systeme, die Menschen nach längerer Krankheit oder nach einem Unfall auffangen und erfolgsversprechend wieder in den Arbeitsmarkt zurückbringen“, fordert Hämmerle. Das nun österreichweit eingeführte Beratungsangebot von ,fit2work‘ sei gut, „es braucht ergänzend aber auch einen betrieblichen Ansatz wie das BEM.“

Freiwilligkeit betont

Das betriebliche Eingliederungsmanagement ist auf Freiwilligkeit aller Beteiligten aufgebaut, betont Hämmerle: „BEM ist dezidiert kein Teilkrankenstand. Es geht darum, mit Betrieblichem Eingliederungsmanagement im Rahmen des Krankenstandes Arbeitsversuche zu ermöglichen. Und zwar in dem Ausmaß, wie es vom genesenden Menschen tatsächlich und realistisch erbracht werden kann. Dies ermöglicht einen wesentlich gleitenderen Übergang zurück in die Arbeitswelt und verspricht deshalb wesentlich höhere Erfolgsaussichten als andere Modelle.“ Beispielsweise jene Modelle, wo die Rückkehr in den Arbeitsprozess zwar auch stufenweise über eine prozentuelle Arbeitszeit, beispielsweise 30 oder 50 Prozent, erfolgt. Die Arbeit wird aber nicht im Rahmen eines Entgeltbezugs sondern durch einen fortlaufenden Krankengeldbezug abgegolten. Dies deshalb, weil die Betroffenen sonst auch in der reduzierten Arbeitszeit sofort wieder 100 Prozent Leistung bringen müssten.

In Vorarlberg, erklärte AK-Präsident Hämmerle dem Sozialminister, sind sich Sozialpartner und Land über Betriebliches Eingliederungsmanagement einig. „Dass die Maßnahme funktioniert, zeigen uns die Erfahrungen aus Deutschland und aus der Schweiz.“

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