1.6.2017
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Nachhilfe: Bedarf gleichbleibend, Kosten rückläufig

Jeder sechste Vorarlberger Schüler braucht Nachhilfe. Dennoch geben Vorarlbergs Eltern heuer nicht mehr ganz so viel Geld dafür aus, um ihre Sprösslinge durchzupauken. Gründe dafür gibt es viele. Auch die vermehrte Nachmittagsbetreuung an den Schulen wirkt. Das freut die AK. Sie hat lange dafür gekämpft. 

Pünktlich vor den großen Ferien legt das Institut für empirische Sozialforschung (IFES) die große Nachhilfestudie im Auftrag der AK vor. Und die offenbart Erfreuliches: Die Gesamtbelastung für Nachhilfe beläuft sich für die betroffenen Schüler in Vorarlberg im Schnitt auf 690 Euro und liegt damit zum ersten Mal seit Jahren unter dem Österreich-Schnitt (710 Euro). Insgesamt geben die Eltern in Vorarlberg bis Ende des laufenden Schuljahres mindestens 4,5 Millionen Euro für Nachhilfe aus. 

Die Eltern-Befragung von IFES ergab, dass der Bedarf für Nachhilfe zwar ungebrochen hoch ist, die Kosten dafür aber rückläufig sind. Kurzum: Es wird weniger bezahlte Nachhilfe in Anspruch genommen. Jeder sechste Schüler in Vorarlberg nimmt außerschulische Unterstützung in Anspruch, mehr als jeder Dritte davon braucht Nachhilfe, um eine negative Note zu verhindern.  

Warum fließt dennoch weniger Geld? Einen sehr positiven Effekt zur Eindämmung der Nachhilfe hat sowohl bundesweit als auch in Vorarlberg die schulische Nachmittagsbetreuung – entweder im Rahmen der Ganztagsschule oder in einer anderen Form. Das sehen auch die Eltern so. „Sie gaben der Nachmittagsbetreuung in Vorarlberg sehr gute Noten“, sagt Gerhard Ouschan. „Die Qualität der schulischen Förderung spielt beim Nachhilfebedarf eine wesentliche Rolle und kann nur im Zusammenspiel mit dem Unterricht gesteigert werden.“ Deshalb fordert der Leiter der AK-Bildungspolitik den Ausbau ganztägiger, schulischer Angebote, bei denen Unterricht, Freizeit, individuelle Förderung und Stärkung sozialer Kompetenzen über den Tag verteilt stattfinden. Diese Forderung kommt auch aus jedem zweiten Haushalt – unabhängig vom Bildungshintergrund der Eltern – und 93 Prozent wünschen sich, dass der Unterricht so gestaltet wird, dass Kinder den Lehrstoff wirklich verstehen. 

Mütter tragen die Hauptlast  

„Eltern müssen sich oft anhören, dass sie mehr mit ihren Kindern lernen sollen. Tatsächlich stellen wir bei der Befragung aber regelmäßig fest, dass das zeitliche Engagement sehr hoch ist. Zwei Drittel der Eltern von Volksschülern üben täglich oder mehrmals in der Woche mit ihren Kindern. Bei Volksschülern tragen Mütter die Hauptlast mit 92 Prozent des außerschulischen Lernaufwands. In der neuen Mittelschule und AHS-Unterstufe sind es immerhin noch 85 beziehungsweise 80 Prozent. „Auch berufstätige Mütter sind über alle Schulstufen hinweg bei 8 von 10 Kindern für das Lernen mit den Kinder da“, bemerkt Ouschan. 

Besonders hervorzuheben ist, dass externe Nachhilfe vor allem jene Eltern für ihre Kinder benötigen, die selbst keinen hohen Schulabschluss haben und sich damit auch schwerer tun, den Kindern in schulischen Belangen zur Seite zu stehen. „Das ist zugleich auch jene Gruppe von Eltern, die für externe Nachhilfe nicht sehr große finanzielle Ressourcen zur Verfügung hat“, so Ouschan. 

„Nachhilfe wird es immer geben – in jedem Schulsystem dieser Welt. Es darf aber nicht sein, dass das Erreichen der nächsten Schulstufe neben den Steuerabgaben für das System auch noch dafür von den Eltern zusätzlich finanziert werden muss. Ob Bildungsreformen kommen oder nicht, individuelle Voraussetzungen und Bedürfnisse unserer Kinder brauchen differenzierte Maßnahmen der Förderung. Leistungsstarke und eben auch leistungsschwächere Kinder benötigen die für ihre individuelle Leistungsentwicklung notwendige Förderung und das sollte nicht in Bildungsreformpapieren festgeschrieben werden müssen“, so Ouschan abschließend.

 

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