16.8.2017
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Finger weg vom schnellen Geld!

Wenn Träume vom schnellen Reichtum zerplatzen, dann tut das weh. Ein 36-jähriger Unterländer hat in weniger als fünf Monaten fast 200.000 Euro verloren. Er hat sein Geld dem dubiosen Broker „Option888“ anvertraut. Das hätte er nicht tun sollen.  

Alles fing so harmlos an. Peter R. war im Krankenstand. „Ich hatte jede Menge Zeit.“ Der Handwerker stöberte im Internet und stieß auf diese verlockende Anzeige: „Mit 500 Euro zum Millionär“. Das verspricht ein Unternehmen namens „Option888“. Das Bild eines entspannten Mannes prangt auf der Homepage. Er schaut den Börsenkursen beim Wachsen zu. So sehen Sieger aus. Geld verdienen per Knopfdruck, das reizte Peter R. schon. Er klopfte via E-Mail an und erhielt umgehend Antwort. Wenig später stieg er mit 250 Euro ein. Er überwies das Geld online. Dafür musste er sich mit Name und Telefonnummer registrieren. Und schon wurde ihm ein persönlicher Trader (Händler) zugeteilt: Bastian Meister trat in sein Leben. 

Ob es Bastian Meister wirklich gibt, lässt sich bis heute nicht mit Sicherheit sagen. Damals schien er sehr real. Im Handumdrehen verhalf er Peter R. zu ersten kleinen Gewinnen. Peter R. setzte Summen darauf, dass der Kurs einer Fremdwährung oder einer Aktie einen bestimmten Wert erreichte. Zu Beginn klappte das auch hervorragend. Rasch schlich sich ein vertrauter Ton in die Finanzgeschäfte. Schon ab Mitte Jänner ist „lieber Freund“ die gängige Anrede. Peter R. hat den monatelangen Dialog via Skype protokolliert. Eine Unzahl von Smileys unterstreichen den sorglosen Umgang mit Geld. „Was hast Du heute geplant? – Geldverdienen – Hahaha. Das ist was Normales bei uns.“ So geht das dahin. Längst überweist Peter R. Beträge im fünfstelligen Bereich auf eine tschechische Bank und eine in Montenegro. Sein virtuelles Konto explodiert schier. Die Warnungen seiner eigenen Hausbank schlägt er in den Wind.  

Stattdessen erwirkt er ein erhöhtes Kreditkartenlimit von 10.000 Euro und macht eine Lebensversicherung flüssig. Nur den Hauskredit erhöht er nicht, obwohl Bastian Meister darauf drängt. Aber inzwischen ist auch der Vater von Peter R. dem angeblich so netten Stuttgarter Finanzhändler verfallen und hat seinerseits 60.000 Euro in „Option888“ investiert. Insgesamt haben Peter R. und sein Vater 197.000 Euro überwiesen. Die angeblichen Gewinne – „der Bonus betrug sogar einmal 500.000 Euro“ – sehen sie nur auf dem Bildschirm. Als Peter R. dann Anfang April mal etwas von dem Geld auch haben möchte, wird der Kontakt zu Bastian Meister einsilbig. Der Rest ist schnell erzählt. Ende April reist Peter R. auf ein Sportlager. Zuvor verändert er die Zugriffscodes auf sein Konto bei „Option888“. Er wähnt sich sicher. Als er zurückkehrt, ist das Geld weg. Die letzten Sätze via Skype „Bist Du verrückt? Wo ist mein verdammtes Geld!“ verhallen im Nirgendwo. Bastian Meister taucht nie wieder auf. Mitte Mai meldet sich ein angeblicher Vorgesetzter Meisters, der beteuert, man habe sich von Meister getrennt. Der habe noch andere Kunden betrogen. „Und dann bot mir der Mann ohne Umschweife an, wieder Geld in „Option888“ zu investieren, um den Schaden gutzumachen.“ Das war der letzte Kontakt. 

Peter R. nahm sich einen Anwalt und er wandte sich an die AK Vorarlberg. Dort kümmert sich Konsumentenschützer Paul Rusching um den Fall. Aber leicht wird das nicht. „Option 888 hat den Firmensitz angeblich in Samoa. Die Pazifikinsel ist Offshore-Gebiet. Der Handel mit den sogenannten binären Optionen unterliegt keinerlei Aufsicht. Deshalb warnen österreichische und europäische Aufsichtsbehörde eindringlich vor solchen hochspekulativen Geschäften. „Die AK Vorarlberg kann sich dieser Warnung nur anschließen“, betont Rusching. „Man sollte sie schlichtweg verbieten.“ Zumal die sogenannten „Binären Optionen“ boomen und es von dubiosen Anbietern nur so wimmelt. Peter R. erzählt seine Geschichte, weil er andere warnen will. „Denn was mir passiert ist, das ist für viele der Untergang.“ 

Kunden, die Fragen haben, wenden sich an ihre AK Vorarlberg.

Rückfragehinweis: AK-Konsumentenberatung, Mag. Paul Rusching, Telefon 050/258-3000, paul.rusching@ak-vorarlberg.at

 

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