20.10.2017
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Duale Ausbildung stärken – Fachkräftemangel bewältigen

Wirtschafts- und Arbeiterkammer starten umfangreiches Maßnahmenpaket

Pressekonferenz am 20.10.2017 © Bernd Hofmeister

„Wenn es die Situation erfordert, müssen wir in Vorarlberg neue Wege auch alleine gehen können“ – das sagten die Präsidenten der Wirtschafts- und der Arbeiterkammer Vorarlberg, Hans Peter Metzler und Hubert Hämmerle, vor einem Jahr bei ihrem Schulterschluss im Kampf gegen den Facharbeitermangel. Die Fakten zeigen: Die Situation erfordert es dringend. Den Weg ebnen soll ein zehn Punkte umfassendes Maßnahmenpaket, welches von Wirtschafts- und Arbeiterkammer sowie dem Land Vorarlberg getragen wird. Damit werden Defizite der Lehranfänger kompensiert, neue Qualitätsstandards gesetzt und die Lehre als Bildungsweg attraktiv gemacht. Im Mittelpunkt steht nicht das Reden, sondern das Tun.

Die Faktenlage ist eindeutig: Laut EY-Mittelstandsbarometer (Ernst & Young Global Limited) haben rund drei Viertel der Unternehmen und damit mehr als je zuvor Probleme, geeignete Fachkräfte für offene Stellen zu finden. Fast jeder zweite Betrieb kann derzeit Positionen in der Produktion nicht mit geeigneten Mitarbeitern besetzen. Handwerk und Gewerbe sowie der Industrie fehlen in Vorarlberg weit über 1.000 Fachkräfte. Und obwohl die Beschäftigung steigt, gibt es mehr offene Stellen. Mehr als jedes zweite Unternehmen beklagt derzeit Umsatzeinbußen wegen des Mangels an Fachkräften.

Nachwuchs an qualifizierten Fachkräften ist im Standortwettbewerb nach wie vor eines der wichtigsten Assets unseres Landes. Daher stellt sich die Frage, was getan werden kann, um die duale Ausbildung für viele möglichst attraktiv zu machen. Die duale Ausbildung sichert gut ausgebildete Fachkräfte und stärkt somit das Rückgrat der Vorarlberger Wirtschaft. Der Ausbau und die zukunftsorientierte Weiterentwicklung der praxisorientierten Fachkräfteausbildung auf allen Qualifikationsniveaus ist daher entscheidend. Die Branchen, in denen heute Spitzenkräfte ausgebildet werden, weisen den Weg, indem sie die Fachkräfte beständig sowohl innerbetrieblich als auch akademisch weiterbilden. Diesen Weg muss man konsequent fortsetzen. 

Ländle soll „Hotspot der Lehre“ werden

Der Facharbeitermangel ist augenscheinlich ein Hemmschuh für das Wachstum. Deshalb braucht die duale Ausbildung eine Frischzellenkur. Das System muss hoch attraktiv, flexibel, offen und nach oben durchlässig sein. Das erklärte gemeinsame Ziel von WK-Präsident Hans Peter Metzler, AK-Präsident Hubert Hämmerle und Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser: Vorarlberg soll bis 2025 der „Hotspot der Lehre“ sein. Der Ort, zu dem alle pilgern, um zu erfahren, wie es möglich ist, dass sechs von zehn Jugendlichen eines Jahrgangs eine Fachausbildung machen.

Für AK-Präsident Hämmerle ist die Aufwertung der Lehre das erklärte Ziel: „Deshalb muss es auch möglich sein, dass wir in Vorarlberg eigene Wege gehen können, wenn sich auf Bundesebene keine Einigung ergibt.“ Hämmerle ist überzeugt, dass dem Fachkräftemangel in Vorarlberg nur durch Lösungen zu begegnen ist, die regional auch schnell umgesetzt werden können.

Den Weg dorthin ebnen soll ein 10 Punkte umfassendes Maßnahmenpaket, das in den letzten Monaten geschnürt wurde. Und darin geht es ordentlich zur Sache, denn im Mittelpunkt steht nicht das Reden, sondern das Tun. „Die berufliche Ausbildung, wie Lehre oder auch duales Studium, wird weit unter ihrem Wert geschlagen, daher müssen wir intensiv daran arbeiten, das vorhandene Bild bei den Eltern und Jugendlichen endlich zu korrigieren“, sagt WK-Präsident Hans Peter Metzler, denn: „Jede und jeder der qualifiziert ist, ist gut für die Gesellschaft und auch für die Wirtschaft.“ 

Drei Säulen, zehn Punkte

Erarbeitet wurde von den beiden Sozialpartnern ein umfassendes Maßnahmenpaket, das auf drei Säulen ruht:

Säule 1: Defizite der Lehranfänger kompensieren

  • Mehr Zusatzangebote für Lehrlinge
  • Polytechnische Schulen in ihrer Funktion als Zubringerschule stärken
  • Pilotprojekt für zweijährige Lehre

Säule 2: Qualitätsstandards in der Lehrausbildung setzen

  • Steigerung der Ausbildungsqualität
  • Qualitätsmanagement der Lehrausbildung stärken
  • Kompetenzchecks für Lehrlinge als Qualitätssicherungsinstrument

Säule 3: Lehre als Bildungsweg attraktiv machen

  • Umfassende Berufsorientierung an allen Schulen
  • Ausbau des Angebots von „Lehre und BMS“
  • Ausbau des Angebots von „Lehre und Matura“

Zehnter und abschließender Punkt ist schließlich eine digitale Kommunikationsplattform für die Lehre. Diese Plattform als Zugang zu allen Informationen rund um das Thema Lehre wurde von Wirtschafts- und Arbeiterkammer sowie dem Land Vorarlberg initiiert und befindet sich bereits im Testbetrieb. „Das Ziel ist es, die Lehrausbildung als hochwertige und chancenreiche Ausbildung zu positionieren und zielgruppengerecht zu bewerben“, erklärt Landesstatthalter Rüdisser.

Beste Karriere- und Verdienstchancen für Facharbeiter

Eltern wollen das Beste für ihre Kinder. Das ist nicht automatisch eine akademische Ausbildung. Die Matura ist für viele Österreicher das Maß aller Dinge. Immer noch sehen es Eltern am liebsten, wenn ihr Kind ein Gymnasium besucht und danach studiert. Das hat viel mit dem Image der Lehre zu tun und wenig mit den realen Einkommens- und Karrieremöglichkeiten des Lehrberufs. Während im Jänner 2017 die Arbeitslosigkeit bei Pflichtschulabsolventen leicht gesunken ist, stieg sie bei Akademikern um 11,9 Prozent. Im Gegensatz dazu suchen Unternehmen händeringend Jugendliche, die für eine Lehrstelle geeignet sind. Geht man nach dem Lebensverdienst, ist das Studium auch finanziell lange nicht mehr so attraktiv wie einst. Nach neueren Berechnungen verdient ein Facharbeiter fast 200.000 Euro, bis ein TU-Absolvent in den Job einsteigt. Und der Lebensverdienst beträgt bei beiden rund 1,3 Millionen Euro. 

Berufsorientierung an allen Schulen

Um das Image der Lehrausbildung zu verbessern, bedarf es eines Bündels an Maßnahmen. Dazu zählt unter anderem die verpflichtende Einführung einer Berufsorientierung auch an den AHS. Rund 80 Prozent der „Studienzweifler“, die in einer dualen Berufsausbildung bisher keine Option sehen, geben an, dass ihnen die Entscheidung für eine duale Ausbildung leichter fallen würde, wenn sie den Betrieb bzw. das Unternehmen bereits im Vorfeld innerhalb eines bezahlten Praktikums kennenlernen könnten.

Pressekonferenz am 20.10.2017 © Bernd Hofmeister

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