27.3.2017
Drucken
Zu Merkzettel hinzufügen

Arbeiten im Alter

AK-Studie ortet viele gute Beispiele, aber Vorsorgekonzepte fehlen

Beim „Generationenmanagement“ ist es wie bei der Gesundheit: Man tut erst dann etwas, wenn es so nicht mehr geht. Halt reparieren, wenn etwas kaputt geht. Vorsorgekonzepte, damit Probleme gar nicht erst entstehen – in der Regel Fehlanzeige. Obwohl man eigentlich wüsste: Effizienter und meist billiger wäre anders rum. Eine neue Studie der AK Vorarlberg zum Generationenmanagement in Vorarlberg zeigt zwar tolle Fallbeispiele auf. „Aber erst wenn diese zum System würden, wäre der Weg für eine präventive altersgerechte Arbeitsgestaltung geebnet“, sind die Studienautoren Gabriele Graf und Prof. Dr. Heinrich Geißler überzeugt.  
Hohe physische und psychische Arbeitsbelastungen, wachsende Burnout-Gefahr. Trotzdem sollen Menschen immer länger im Arbeitsprozess bleiben. „Das kann so auf Dauer nicht zusammengehen“, ist für Prof. Dr. Geißler klar. Arbeiten im Alter, alters- und alternsgerechte Arbeitsplätze, kurz „Generationenmanagement“, gewinnen immer mehr an Bedeutung. Vor allem auch darum, weil die so genannten Babyboomer-Jahrgänge in die Jahre gekommen sind.

Das Altersthema zeigt sich aktuell dadurch, dass es für die Betriebe immer schwieriger wird, geeignete Lehrlinge zu bekommen und damit verbunden auch durch einen verschärften Facharbeitermangel. Das führt zu längeren Recruiting-Zeiten („früher drei bis fünf Monate und jetzt ein Jahr“) oder überhaupt vergeblichen Versuchen („ich suche seit fünf Monaten einen Hydraulik-Spezialisten und auch VerkäuferInnen“). In diesem Zusammenhang wird auch bemängelt, dass die Geringfügigkeit als Zuverdienstgrenze vor Erreichen der Alterspension das Ausschöpfen des pensionierten Facharbeiter-Potentials verhindert.

Interviews in 14 Firmen

Zwischen Dezember 2016 und Februar 2017 haben die Studienautoren Unternehmensvertretungen und Betriebsratsvorsitzende von drei Großbetrieben mit mehr als 500 Beschäftigten, fünf Mittelbetrieben zwischen 100 und 500 Beschäftigten und 6 Klein(st)betrieben unter 100 Mitarbeitern aus den Bereichen Metall, Chemie, Lebensmittelproduktion, Gesundheit, Altenpflege, Sozialversicherung, Weiterbildung, Logistik, Technik-Großhandel, Kanaldienstleistungen, Verkehr und Banken interviewt. Dazu gab es sechs Expertengespräche (Arbeitsinspektorat, AMS, Verein 45+, fit2work, Arbeitsmediziner).

In den Interviews wurden viele Beispiele altersgerechter Arbeitsgestaltung genannt. Allerdings waren gerade die Entlastungsmodelle für Ältere, bei Pflege und Kinderbetreuungspflichten, die Reaktion auf individuelle Bedarfe und nicht das Ergebnis systematischen Generationenmanagements. Die wesentlichen Gestaltungsfelder waren die Arbeitszeit, körperliche und psychische Entlastung, Weiterbildungsmaßnahmen, der Erhalt des Erfahrungswissens Älterer und die Optimierung der Kooperation der Generationen.

Im Einzelnen:

  • Arbeitszeit

Im Gestaltungsfeld „Arbeitszeit“ werden in den Interviews über gesetzliche Vorgaben hinaus vielfältige Modelle des Wiedereinstiegs nach Karenz (auch unterstützt durch Betriebskindergärten), Modelle der Altersteilzeit, Führung in Teilzeit, Reduktion von Überstunden und Nachtschichten für Ältere oder Möglichkeiten von Sabbaticals berichtet. Aber auch über das Gesetz hinausgehende Formen von Wiedereingliederung (z.B. vier Monate Ausfall und dann zwei Monate halbtags ohne Lohneinbußen) werden genannt. Dazu kommen Beispiele für flexible Dienstpläne oder Arbeitszeiten beispielsweise durch Tauschrecht oder Wunschpläne bzw. gleitende Arbeitszeit nach Notdiensten in der Nacht.

  • Körperliche und psychische Entlastung

Von ergonomischen Verbesserungen (Saugnäpfe zum Heben von Blechen) bis zu optischen Schweißbrillen, von Tätigkeitswechseln (auch für Führungskräfte) über geringere Leistungs-Vorgaben für Ältere in Arbeitsgruppen bis zu Kurzpausen nach schwierigen Patienten oder Entlastungsworkshops. Die Möglichkeiten in diesem Bereich sind vielfältig und gut ausgebaut.

  • Weiterbildung und Wissensmanagement

An Bedeutung gewinnen offensichtlich Überlappungszeiten nach Neueinstellungen. Diese dauern von neun Monaten bis zu zwei Jahren. Je nach Tätigkeit geschieht das im Sinne von Mentoring durch die älteren Ausscheidenden oder durch den Einsatz Älterer als TrainerInnen (auch als Möglichkeit körperlicher Entlastung). In bestimmten Bereichen setzen Unternehmen auch auf ständige altersgemischte Zweier-Teams mit selbstorganisierter Urlaubsplanung.

Ein durchgängiger Befund der Befragung waren außerdem unterschiedliche Einstellungen zur Arbeit: Während die ältere Generation Arbeit noch als zentralen Wert sieht, ist bei den Jüngeren Arbeit gleichwertig neben anderen Werten zu finden. Konkret: Jüngere wollen nicht mehr 100 Prozent arbeiten und achten sehr auf ihre Freizeit. Sie haben eine höhere Bereitschaft zur Weiterbildung aber auch eine höhere Fluktuation als Ältere.

Resumee

Es gibt viele tolle Beispiele altersgerechter Arbeitsgestaltung. Es verbindet sie jedoch ein Faktum: Sie sind Reaktionen auf individuelle Bedarfe und nicht Ergebnis systematischen Generationenmanagements. Heißt: Es wird repariert, aber kaum vorgesorgt. „Jetzt kommt es darauf an, über die einzelfallbezogenen positiven Korrekturen von Überforderung und Gestaltungsmängeln hinaus zur präventiven altersgerechten Arbeitsgestaltung zu kommen, bevor Probleme auftreten“, sind sich Geißler und Graf einig.

Geplante Maßnahmen

Als konkrete Maßnahmen bietet die AK Vorarlberg im Juni und im September von Unternehmen und Betriebsräten gewünschte Info-Seminare zur altersgerechten Arbeitsgestaltung an. Inhaltlich stehen dabei das Kennenlernen von Modellen guter Praxis für Arbeitsgestaltung, Arbeitszeiten und Schichtsysteme sowie lebensphasengerechte Weiterbildung (EDV, Erfahrungswissen) im Fokus. Daneben gibt es auch das Angebot von Beiträgen zum Generationenmanagement auf Betriebsversammlungen.

Infos und Auskünfte: AK-Betriebsreferat, Gabriele Graf, 
Telefon 050/258-1526 bzw. gabriele.graf@ak-vorarlberg.at.

      Facebook-Funktion aktivieren

      Drucken
      Zu Merkzettel hinzufügen
      TeilenZu Merkzettel hinzufügen
      Zum Seitenanfang
      Um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten, speichert diese Website Informationen über Ihren Besuch in sogenannten Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen über Cookies, sowie welche Daten wir wie lange speichern, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen und die Browsereinstellungen entsprechend anpassen.
      Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen dazu sowie welche Daten wir wie lange speichern, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen.
      OK