16.6.2017
Drucken
Zu Merkzettel hinzufügen

AK Vorarlberg leitet rechtliche Schritte gegen Dexcar ein

Bereits im März warnte die AK Vorarlberg vor der deutschen Mietwagenvermittlung Dexcar und deren pyramidenförmigem System: Versprochen wird ein maßgeschneiderter Neuwagen für wenig Geld und etwas Wartezeit. Es hagelte Beschwerden bei der AK Vorarlberg. Jetzt übermittelten die Konsumentenberater der Feldkircher Staatsanwaltschaft eine Strafanzeige. Es geht um konkrete Fälle, auch um einen Bankberater, der Autos von Dexcar beworben hat. 

Dass Dexcar nicht „in Vorarlberg aktiv“ sei, so deren Anwalt auf Anfrage von help.ORF.at im März, entpuppt sich als eine dreiste Lüge. AK-Konsumentenberater Paul Rusching: „Mit mehreren namentlich bekannten ‚Advisors’ wirbt Dexcar für ihr ‚Geschäftsmodell’ in Vorarlberg.“ Denn der AK liegen konkrete Fälle vor: Da gibt es weder einen richtigen Vertrag zwischen Dexcar und deren Kunden noch gültige, einsehbare AGBs.  

Das hat einen Vorarlberger Bankberater nicht daran gehindert, Dexcar weiter zu empfehlen. Zu Recht fühlen sich seine Kunden jetzt hintergangen. Ihr scheinbar vertrauenswürdiger Kundenbetreuer machte sie im Zuge des jährlichen Beratungsgesprächs auf Dexcar aufmerksam. Der Mann, der ihre Konten einsah, sollte sich doch auskennen! Sie vertrauten ihm. Dieses Vertrauen hat der Mann schamlos missbraucht und seine Kunden zur Teilnahme an Dexcar überredet. 

Auch der angebliche Erfolg eines weiteren Advisors mit etwa 350 Kunden führte viele weitere Interessenten in die Irre. Dieser steht sogar unter Verdacht, die geleisteten Anzahlungen einer Konsumentin unterschlagen zu haben: Weil sie keine Gegenleistungen in der angegebenen Wartezeit erhielt und aufgrund ihrer Krankheit nun auf das Geld angewiesen war, forderte sie es schließlich zurück. Die Frau war an Krebs erkrankt. Das wusste der Advisor. Dennoch blockte er ab: Erst müsse er weitere zahlungswillige Kunden finden, vorher sehe sie keinen Cent. 

Das ist jedoch fraglich, zumal ihre Anzahlung in Bar von über 5000 Euro nicht auf ihrem Kundenkonto bei Dexcar ausgewiesen ist. Das Geld kam dort nämlich nie an. Wo es geblieben ist? Das weiß angeblich auch Dexcar nicht, denn das Entgegennehmen von Barbeträgen durch einen Advisor sei nicht erlaubt. 

Bei der AK-Konsumentenberatung suchen die Opfer nun Hilfe. Und die bekommen sie auch: Gegen Dexcar sowie den Advisor, der vermutlich Geld unterschlagen hat, geht die AK Vorarlberg nun vor. Die Staatsanwaltschaft Feldkirch wurde in einer Strafanzeige ersucht, die Sachverhalte auf strafrechtlich relevante Tatbestände zu überprüfen. Es wurden konkrete Fälle genannt, nun soll sie ermitteln. Der Konsumentenberatung liegen jedoch noch weitere Beschwerden vor. In all diesen Fällen wurde umfangreiche E-Mail-Korrespondenz geführt, auch persönliche Treffen wurden vereinbart, um das versprochene Auto oder das Geld zurück zu erhalten – allerdings erfolglos.  

Vorarlberg ist hierbei kein Einzelfall: In Italien wurde Dexcar bereits verurteilt. Die italienische Aufsichtsbehörde für Wettbewerb und Markt hat im März eine Strafe von 400.000 Euro wegen unlauterer Geschäftspraktiken verhängt. Der Verdacht auf ein verbotenes Pyramidenspiel liegt nahe: Die Merkmale eines Pyramidenspiels waren für die italienische Wettbewerbsbehörde im „Geschäftsmodell“ von Dexcar eindeutig zu erkennen. „Das Fahren eines kostenlosen Autos stellt lediglich einen Vorwand dar, um Verbraucher anzulocken, die dann wiederum andere Personen anwarben, um das System von Tabellen, Ebenen und Zyklen zu vervollständigen“, zitiert das Europäische Verbraucherzentrum Bozen aus der Verfügung der Behörde. 

Was geschieht jetzt? „Wir hoffen, dass die Staatsanwaltschaft diesem Treiben schnellstmöglich ein Ende bereitet. Das Konzept des ‚return-based Crowdfunding’, auf dem Dexcar angeblich basiert, kann in der beworbenen Art gar nicht funktionieren. Konsumenten werden in seriösen Umfeldern durch ‚Advisors’ verblendet. Wir vermuten, dass es aufgrund der vielen durchgeführten ‚Meetings’ eine beträchtliche Dunkelziffer an Geschädigten gibt“, so AK-Konsumentenberater Mag. Paul Rusching.  

Sollten auch Sie betroffen sein, steht Mag. Paul Rusching Ihnen telefonisch unter 050 258 3024 oder per E-Mail unter paul.rusching@ak-vorarlberg.at gerne zur Verfügung.

 

      Facebook-Funktion aktivieren

      Drucken
      Zu Merkzettel hinzufügen
      TeilenZu Merkzettel hinzufügen
      Zum Seitenanfang
      Um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten, speichert diese Website Informationen über Ihren Besuch in sogenannten Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen über Cookies, sowie welche Daten wir wie lange speichern, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen und die Browsereinstellungen entsprechend anpassen.
      Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen dazu sowie welche Daten wir wie lange speichern, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen.
      OK