Paar mit Schachteln beim Umzug © Jakob Lund, stock.adobe.com
Einzug in die neue Wohnung © Jakob Lund, stock.adobe.com

Arbeitnehmer stöhnen unter hoher Belastung

„Wohnen ist ein Grundrecht und wird zunehmend durch explodierende Mieten, Grundstücksspekulation und überdurchschnittlich steigende Baukosten bedroht“, berichtet AK-Präsident Hubert Hämmerle über das Ergebnis einer von der AK Vorarlberg durchgeführten Onlinebefragung zum Thema Wohnen. Teilgenommen haben 1831 Personen. Fast jeder Vierte ergänzte die Umfrage durch persönliche Schilderungen seiner Situation.

Von 100 befragten Personen leben 62 in einer Mietwohnung, 38 sind Eigentümer. Als durch die Wohnungskosten sehr belastet bezeichnen sich 40 Prozent, mittelmäßig belastet fühlen sich weitere 43, nur 11 bzw. 5 Prozent fühlen sich weniger oder gar nicht belastet.


Interessantes, aber nicht überraschendes Detail: Nur 19 Prozent der Wohnungseigentümer im Alter zwischen 45 und 60 Jahre fühlen sich noch sehr belastet, während der Anteil der Mieter, die sich durch die Wohnungskosten sehr belastet fühlen, in dieser Altersgruppe bei 52 Prozent liegt. Für AK-Präsident Hubert Hämmerle bestätigt das „eindrücklich, wie wichtig es ist, während des Erwerbslebens Wohnungseigentum zu schaffen. Damit kann ein wesentlicher Beitrag zur Vermeidung von Altersarmut geleistet werden.“ 

Gemeinnützige wichtig

Auffallend am Ergebnis dieser Wohnumfrage ist laut Hämmerle, dass sich die Mieter von gemeinnützigen Wohnungen kostenmäßig zu 44 Prozent als sehr belastet und zu weiteren 44 Prozent als mittelmäßig belastet bezeichnen. Nur acht Prozent fühlen sich in einer gemeinnützigen Wohnung kostenmäßig weniger belastet. Hämmerle: „Das lässt auf die Einkommenssituation der Mieter ebenso schließen wie auf die in den letzten Jahren doch auch im gemeinnützigen Wohnungsbau deutlich gestiegenen Mieten.“ Hier leistet das Land Vorarlberg mit der Wohnbeihilfe zur Abfederung der Belastung wertvolle Unterstützung. Immerhin werden dafür von Seiten des Landes jährlich fast 30 Millionen Euro eingesetzt.

Mit Wohnen zufrieden

Abgesehen von den hohen finanziellen Belastungen ist die Zufriedenheit mit der Wohnsituation hoch. Nur acht bzw. fünf Prozent der Mieter und Eigentümer bezeichnen ihre Wohnsituation als schlecht bzw. sehr schlecht, 23 % bzw. 33 % hingegen als sehr gut bzw. gut. Das ist, so AK-Präsident Hämmerle, auch Ergebnis der hohen Wohnungsstandards im Lande. Weniger euphorisch beurteilen die Mieter in gemeinnützigen Wohnungen ihre Wohnsituation: 14 Prozent beurteilen sie als schlecht und 11 Prozent als sehr schlecht, der überwiegende Teil ist nur mittelmäßig zufrieden.

Befristung großes Problem

Die in Vorarlberg übliche Befristung von Mietverträgen wird von den Mietern als ungerecht und belastend empfunden. Vor allem für Familien mit Kindern ist die ständige Ungewissheit, ob sie den Wohnort deshalb wechseln müssen, belastend. Dazu kommt die zum Teil unverschämte Praxis am privaten Mietwohnungsmarkt, dass selbst bei einer Verlängerung des bestehenden Vertrags dem Mieter zusätzlich zu einem höheren Mietpreis auch noch Vertragsgebühren verrechnet werden. Hämmerle: „Hier wird die Notsituation des Mieters ausgenutzt, ohne dass eine ersichtliche Gegenleistung erbracht wird.“ 

Auch Mieter im gemeinnützigen Wohnbau ärgern sich über die Befristungen. Sie kritisieren, dass es dadurch zu einer sozialen Gettobildung kommt: „Das aber läuft den Intentionen des Gesetzgebers entgegen, der in den Wohnungsvergaberichtlinien ausdrücklich eine soziale Mischung vorsieht. Leider unterläuft die Befristung diese Intention des Gesetzgebers und sollte deshalb ehestmöglich aufgehoben werden.“

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Für Frauen tut sich bereits mittelfristig beim Wohnen ein existenzielles Problem auf.

AK-Präsident Hubert Hämmerle

14,03 €/m2

zahlen Mieter im Schnitt für Wohnungen bis 50 m2. In privaten Mietwohnungen 14,65 €, in gemeinnützigen 9,01 €. 


Hinweis

Problem bei Pensionsantritt

Die AK Vorarlberg fordert einen neuen Anlauf zur Förderung von günstigen Mietkauf-Wohnungen. Die Umfrage hat auch ergeben, dass die finanzielle Belastung für Eigentümer mit steigendem Lebensalter sinkt, während sie bei Mietern als konstant hoch empfunden wird und für einige Mieter mit dem Pensionsantritt zum echten Problem wird. AK-Präsident Hubert Hämmerle: „Angesichts der Tatsache, dass Altersarmut gerade bei Frauen stark ansteigen wird, weil ihnen wichtige Pensionsjahre und Bemessungsgrundlagen fehlen, tut sich im Bereich Wohnen schon mittelfristig ein existenzielles Problem auch für ältere Menschen auf. Dagegen hilft in erster Linie Hilfe zur Schaffung von Wohnungseigentum während des Erwerbslebens.“  Hämmerle wird deshalb mit dem Land Vorarlberg Verhandlungen aufnehmen, um die Wohnbau- und Förderungspolitik in diese Richtung zu beeinflussen.

Hinweis

Für Familien ist Situation besonders schwierig

Nicht nur, dass viele Vermieter keine Mieter mit Kindern wollen, haben die enorm gestiegenen Miet- und Wohnkosten negative Auswirkungen auf die Familienplanung. Wie AK-Präsident Hubert Hämmerle berichtet, wird von den befragten jüngeren Personen angegeben, dass sie generell auf Kinder verzichten, eine Familiengründung gar nicht wagen bzw. sich nicht mehr als ein Kind leisten können. Trotz Doppelverdienst sind junge Paare nicht zuletzt aufgrund der hohen Mietpreise finanziell am Limit. Für die Vorarlberger Arbeiterkammer ist dieses Ergebnis bedenklich, weil gerade junge Familien zu den Stützen unserer Gesellschaft zählen. Hämmerle: „Es gilt mehr denn je sicherzustellen, dass der zuletzt wieder gestiegene Anteil der jungen Antragsteller in der Wohnbauförderung hoch bleibt bzw. erhöht werden kann“.

Forderungen

Das fordert die AK Vorarlberg 

  • Mehr sozialer Wohnbau mit günstigeren Angeboten für Niedrigverdiener (Wohnen 500)
  • Neue Kategorie im sozialen Wohnbau für Menschen mit Erwerbsabsicht (Mietkauf-Wohnungen), deren Zuweisung nicht mehr ausschließlich über die Gemeinden erfolgt
  • Abschaffung der Bedarfsprüfung durch Gemeinden beim sozialen Wohnbau in den Ballungsgebieten des Rheintals und des Walgaus
  • Aufhebung der Befristung im sozialen Wohnbau, dafür Einkommensüberprüfung nach 15 Jahren und Einführung der Möglichkeit, den Mietpreis nach oben anzupassen
  • Stärkere Forcierung kostengünstigen Bauens durch die Wohnbauförderung