Sichere Pensionen für kommende Generationen

Sind die Pensionen noch sicher? Oder in Wahrheit ein erstaunlich langlebiges Relikt, das jetzt in den letzten Zügen liegt? Die Diskussionen sind sattsam bekannt. Es ist Zeit, die Fakten auf den Tisch zu legen und das einzige Reformziel anzugehen, das sich lohnt: mehr Gerechtigkeit.

ZUKUNFTSFÄHIG. Totgeglaubte leben eben länger. Auch wenn schon die Jungen der 1970er-Jahre an eine Pension nicht mehr glauben wollten, steht das System noch immer. Bis heute geschieht Alterssicherung in Österreich zu fast 90 Prozent über den öffentlichen Weg. Der schmale Rest verteilt sich auf private Vorsorge und Betriebspensionen.

Wer ist versichert?

In der gesetzlichen Pensionsversicherung sind zunächst Arbeitnehmer, Gewerbetreibende und Bauern pflichtversichert. Beamte haben ja eigene Versorgungssysteme. Durch die Berücksichtigung von „Teilversicherungszeiten“ wie Präsenz-, Zivildienst, Krankengeldbezug, Zeiten der Arbeitslosigkeit, vier Jahre Kindererziehungszeit usw. ist der Versichertenkreis de facto um einiges weiter gefasst. Wer monatlich nur bis zur Geringfügigkeitsgrenze von 405,85 Euro verdient, muss sich nicht pflichtversichern. Die Möglichkeit zur freiwilligen Selbstversicherung besteht natürlich.

Pensionszuschüsse aus Steuermitteln © Quelle: APA, Grafik: KEYSTONE

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Wie hoch ist der Beitragssatz?

Der Pensionsbeitrag beträgt seit 1988 unverändert 22,8 Prozent des versicherten Erwerbseinkommens. Bei Unselbstständigen werden 10,25 Prozent als Arbeitnehmer-Beitrag vom Bruttolohn abgezogen. Der Rest wird als Arbeitgeber-Beitrag entrichtet und ist Teil der Lohnnebenkosten. Bei den Gewerbetreibenden und Bauern übernimmt der Bund einen Teil der Beiträge, bei den Gewerbetreibenden 4,3 und bei den Bauern 5,8 Prozentpunkte.
In Österreich gilt eine „Höchstbeitragsgrundlage“. Liegt der (Brutto-)Monatslohn über 4650 Euro, so ist der übersteigende Teil beitragsfrei und bleibt auch bei der Pensionsberechnung unberücksichtigt. Die Höhe des versicherten Erwerbseinkommens bestimmt ganz zentral die Höhe des Pensionsanspruchs.

Alterspensionen im Überblick © AK, AK

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Arten von Pensionen

Der Versicherungsschutz umfasst Alters-, Invaliditäts- und Hinterbliebenenpensionen. Unsere Factbox gibt einen Überblick über die im Dauerrecht bestehenden Varianten sowie über Anfallsalter, Anspruchsvoraussetzungen und allfällige Zu- oder Abschläge. 2014 wurden in Österreich insgesamt 81.300 Direktpensionen neu zuerkannt, 61.300 Alterspensionen und 20.000 Invaliditätspensionen.

Wann geht man in Pension?

Zumeist wird das durchschnittliche faktische Pensionsalter unter Berücksichtigung sowohl der Alters- als auch der Invaliditätspensionen ausgewiesen. Nach dieser Berechnung halten wir in Österreich derzeit für Männer bei 60,8 und für Frauen bei 58,6 Jahren. Bei Betrachtung nur der Alterspensionen liegt das durchschnittliche Antrittsalter in der Alpenrepublik derzeit bei 63,2 Jahren für Männer und bei 59,8 Jahren für Frauen.

Frauen benachteiligt

Das komplexe Sytem ist ein Stück transparenter geworden, nachdem Anfang 2014 das Pensionskonto für all jene eingeführt wurde, die ab 1. Jänner 1955 geboren sind. Die aktuelle Kontogutschrift lässt sich per Knopfdruck ablesen. An den Ungereimtheiten ändert das nichts. Der Ruf nach mehr Gerechtigkeit und einer Harmonisierung aller Pensionssysteme verhallt noch immer. Die AK Vorarlberg legt nun eigene Vorschläge auf den Tisch.

Pensionskorridor

„Statt an dem gesetzlich normierten Pensionsalter von 65 Jahren krampfhaft festzuhalten, obwohl nur wenige Versicherte bis dahin arbeiten können“ hält es AK-Dir. Rainer Keckeis für „weit sinnvoller, einen Korridor zwischen 60 und 70 Jahren einzurichten, innerhalb dessen jeder Versicherte selbst entscheiden kann, wann er in den  Ruhestand tritt“. Nur ein verstärkter Kündigungsschutz für ältere Arbeitnehmer garantiert hier die echte Wahlfreiheit.

AK für mehr Gerechtigkeit 

Der Vorschlag der AK Vorarlberg sieht weiter vor, dass der jährliche Steigerungsbetrag für die ersten 40 Versicherungsjahre bei 1,75 Prozent liegt. Das führt zu einer Pension von 70 Prozent der Bemessungsgrundlage, so Keckeis. Wer weiterarbeitet, soll mit einem jährlich höheren Steigerungsbetrag – pro Jahr um 0,25 Prozentpunkte steigend – belohnt werden, was nach 45 Jahren zu einer Pension von 82,5 Prozent der Bemessungsgrundlage führt. Wer noch länger arbeitet, soll nach 50 Beitragsjahren eine maximale Pension von gedeckelten 100 Prozent der Bemessungsgrundlage erreichen können. „Klar muss aber auch sein, dass ein Pensionsantritt unter 65 Jahren erst dann möglich sein kann, wenn die Pension zumindest die Höhe der Ausgleichszulage erreicht“. Damit soll eine zusätzliche Belastung der Steuerzahler vermieden werden.


Weitere Eckpunkte wurden in der Pensionsdiskussion am 13. November 2015 präsentiert.




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