Pension: AK fordert mehr Flexibilität

Wer länger einzahlt, soll höhere Pension erhalten – AK hat eigenes Modell eines Korridors entwickelt

Statt an dem gesetzlich normierten Pensionsalter von 65 Jahren krampfhaft festzuhalten, obwohl nur wenige Versicherte bis dahin arbeiten können, wäre es aus Sicht der AK Vorarlberg weit sinnvoller, einen Korridor zwischen 60 und 70 Jahren einzurichten, in dem jeder Versicherte selbst entscheiden kann, wann er in den Ruhestand tritt. Das wäre leicht realisierbar und auch für die Betroffenen verständlich, wenn – und das ist eine der Voraussetzungen – gleichzeitig ein verstärkter Kündigungsschutz für ältere Arbeitnehmer aufgebaut wird. Nur damit haben sie eine echte Entscheidungsfreiheit. Gleichzeitig muss über Abschläge bei einem Pensionsantritt vor dem Regelpensionsalter mit 65 gewährleistet sein, dass Frühpensionierungen nicht auf Kosten der Steuerzahler gehen.

AK für mehr Gerechtigkeit 

Der Vorschlag der AK sieht vor, dass der jährliche Steigerungsbetrag für die ersten 40 Versicherungsjahre 1,75 Prozent beträgt. Das führt zu einer Pension von 70 Prozent der Bemessungsgrundlage. Wer weiterarbeitet, soll mit einem jährlich höheren Steigerungsbetrag – pro Jahr um 0,25 Prozentpunkte höher – belohnt werden. Das führt dazu, dass beispielsweise nach 50 Beitragsjahren eine Pension von 100 Prozent der Bemessungsgrundlage erreicht werden könnte. 

Klar muss aber auch sein, dass ein Pensionsantritt unter 65 Jahren erst dann möglich sein kann, wenn die Pension zumindest die Höhe der Ausgleichszulage erreicht. Damit kann eine zusätzliche Belastung der Steuerzahler vermieden werden. 

Teilzeit besser bewerten

Durch die Pensionsreformen 2003/04 wurde das soziale Pensionssystem stärker mit Versicherungselementen (z. B. lebenslange Durchrechnung) durchsetzt. Das hat zum einen mehr Gerechtigkeit in das System gebracht, zum anderen aber gerade berufstätige Frauen – in geringem Maße auch Männer – benachteiligt, die nach der Geburt ihrer Kinder überwiegend teilzeitbeschäftigt sind. Aus den geringen Bezügen aus diesen Jahren ergeben sich zum Pensionsantritt deshalb bei vielen Personen mit Kinderbetreuungspflichten trotz langjähriger Berufstätigkeit extrem niedrige Pensionen. Für die AK ist das ein unhaltbarer Zustand, weil er in absehbarer Zeit zu einer starken Zunahme von Altersarmut bei Frauen führt. Deshalb fordert die AK Vorarlberg für die an die Kindesgeburt anschließende Teilzeitphase bis zum Ende der Elternteilzeitbeschäftigung einen Steigerungsbetrag von 2,5 Prozent oder einen Zuschlag auf die Bemessungsgrundlage während dieser Jahre. Zudem sollte in diesem Zusammenhang dringend über die Frage des verpflichtenden Pensionssplittings diskutiert werden.

Schwerarbeitspension

Zulagen für Schwerarbeit sollen künftig in das einheitliche Pensionssystem einbezahlt werden, was die Bemessungsgrundlage für die betroffenen Personen verbessert und ihnen so den Pensionsantritt erleichtert. Diese auf dem Pensionskonto zu erfassenden Ansprüche sollten jedenfalls abschlagsfrei zur Auszahlung gelangen. Damit könnten betroffene Dienstnehmer entsprechend ihrer Lebensplanung und gesundheitlichen Belastbarkeit ab 60 ohne große finanzielle Einbußen in Pension gehen. Die bestehende Schwerarbeiterregelung könnte hingegen ersatzlos auslaufen. 

„Aus“ für Zuverdienstgrenzen

Dass Beamte im Ruhestand unbeschränkt dazuverdienen können, ASVG-Versicherte aber nicht, ist unverständlich und ungerecht. Deshalb fordert die AK die ersatzlose Streichung dieser Einschränkung. 

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