Ja zur Energieautonomie 2050, aber sie muss leistbar sein

Das Land Vorarlberg will bis zum Jahr 2050 den Energiebedarf mit erneuerbaren Energieträgern abdecken. Das ist es, was mit Autonomie gemeint ist. Ein hochgestecktes Ziel, das besonders Konsumenten vor große finanzielle Herausforderungen stellt.

Eines vorweg: Energie sparen, ein ökologisches Grundverständnis, Umweltschutz und nachhaltiges Bauen sind Grundwerte, denen sich auch die AK Vorarlberg verpflichtet fühlt. „Sowohl der Neubau in Feldkirch als auch der Um- und Neubau der AK in Bludenz erfüllen alle Anforderungen, um den gesetzten Zielen des Landes gerecht zu werden“, betont AK-Direktor Rainer Keckeis. Wie sieht die Situation jedoch für die Vorarlberger Bevölkerung aus, wenn sie den visionären Ideen des Landes entsprechen möchte?

Energiezukunft für Konsumenten

Ein Ziel des Landes ist es, den Gebäudebestand in Vorarlberg innerhalb der nächsten 30 bis höchstens 40 Jahre einmal durchzusanieren. Was aber, wenn sich ein Eigentümer Sanierungsmaßnahmen nicht leisten kann? Was, wenn sich der Häuslebauer wohl in seinen vier Wänden fühlt und keinen Bedarf sieht, etwas zu verändern? Was, wenn Konsumenten Umbauarbeiten planen, die zwar dem Budget, aber nicht den Vorgaben des Landes entsprechen? „Es ist nicht davon auszugehen, dass solche Sanierungsmaßnahmen durchwegs durch Förderungen finanzierbar sein werden“, befürchtet Keckeis.

Nachrüstungen sind teuer

Die Vorarlberger Architektur zeigt eindrücklich, wie hoch der Stellenwert des ökologischen Bauens für die Menschen im Land ist. Eine Vielzahl an Passiv- und Niedrigenergiehäuser wurde in den letzten Jahren errichtet. Trotzdem gibt es noch unzählige Bauten aus vergangenen Jahrzehnten, die den heutigen und vor allem zukünftigen Standards weit hinterherhinken. „Anstatt hier verpflichtend eine sehr teure Generalsanierung vorzuschreiben und nur eine solche zu fördern, müssen weiterhin Teilsanierungen vom Land gleichwertig gefördert werden“, fordert Keckeis. Er verweist hier auch auf die Gebäuderichtlinie der EU, die zwar Energieeffizienz beim Neubau und der Sanierung vorsieht, dies jedoch nur, wenn die Maßnahmen auch kosteneffizient sind. Im Nachhinein ein Gebäude aufzurüsten, beispielsweise mit Sonnenkollektoren, einer Photovoltaikanlage, einer Wärmepumpenheizung oder gar einer neuen Gebäudehülle, wird wahrscheinlich für viele Konsumenten nicht leistbar sein.

Strompreis niedrig halten

Weiters wird auch im Bereich Wasserkraft kräftig investiert. Alle Landtagsparteien haben dem Ausbau von vier Großprojekten zugestimmt. Damit wird dem Weg weg vom atomaren Strom, hin zum Strom aus Wasserkraft Rechnung getragen. „Wir befürchten, dass diese Intitiative nicht ausreichen wird, um das gesamte Land mit Strom aus Wasserkraft zu versorgen. Hinzu kommt, dass eine derzeit angedachte Landes-Ökosteuer und Lenkungsabgabe auf Energie und CO2 Strompreiserhöhungen mit sich bringen wird. Uns ist aber wichtig, dass sich Vorarlberg weiterhin durch günstige Strompreise auszeichnet“, bringt Keckeis es auf den Punkt.

Hier kommen auch die Lebenszykluskosten, sprich der Energieverbrauch einzelner Geräte ins Spiel. Es steht die Idee im Raum, eine verpflichtende Datenbank für Gerätehersteller einzurichten. Gemessen werden sollen der Wasser- und Stromverbrauch von allen Elektrogeräten. „Abgesehen davon, dass es bereits EU-weit für einige Geräte eine Kennzeichnung gibt, würden Land oder Bund bei einem Alleingang den Wettbewerb beschränken und europäische Anbieter benachteiligen“, gibt Keckeis zu bedenken. Weiters warnt er davor, bei Neubau und Sanierungen noch mehr bürokratischen Aufwand zu betreiben.

Alleine die verpflichtende Erstellung des Energieausweises für jedes Gebäude erfordert eine Vielzahl an Zertifikaten und Prüfungen durch geschultes Personal. Wenn nun auch noch ein zusätzliches Gütesiegel für Gebäude eingeführt wird, was bereits diskutiert wird, würde das weitere Kosten und einen weiteren Aufwand bedeuten.

Forderungen der AK Vorarlberg

  • Vor dem Beschluss von konkreten Maßnahmen im Landtag müsssen die Vorarlberger über alle Details informiert werden.
  • Kosteneffizienz für Einzelmaßnahmen muss vom Land vor einer verpflichtenden Einführung erhoben und für alle Konsumenten zugänglich gemacht werden.
  • Zusätzliche bürokratische Hürden im Zusammenhang mit dem Wohnbau sorgen für regelmäßige Kostensteigerungen und müssen deshalb vermieden werden.

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